"Das Stück ,Ruhestand ... und plötzlich war die Rente weg‘ ist wie aus dem Leben gegriffen", sagt Therese Klein (Gudrun Göbel), die in einer der Hauptrollen mit sich und ihrem Leben zufrieden ist. Der Haushalt, die kleine Pension, die in ihrem Haus untergebracht war, Kaffeeklatsch und Tupper abende mit ihren Freundinnen Karola (Edith Müller) und Gisela (Waltraud Weigand) füllten ihren Alltag aus. Doch dies nahm ein jähes Ende, als ihr Ehemann Julius (Harald Papp) in den Ruhestand ging.
Harald Papp hat seine Wurzeln in Thundorf, wohnt aber schon viele Jahre in Königsberg, was ihn nicht davon abhält aktiv bei der Thundorfer Theatergruppe mitzuspielen, die ihr Stück in der neuen Festhalle in Thundorf aufführte. "Wenn auch von Statur klein, so ist er als Laienschauspieler ein ganz Großer", meinte nicht nur Ansgar Gessner, als er nach Ende der Vorstellung die Laienspieler dem Publikum vorstellte.
Das Lob gibt Harald Papp jedoch weiter: "Eine Theatergruppe ist immer nur so gut wie das gesamte Team." Dazu gehören nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Regie und Organisatoren. In seinen Paraderollen, die ihm meist auf den Leib geschnitten sind, ist Harald Papp durch Mimik, Gestik und Wortwahl imstande, einen ganzen Saal voller Leute zu Freudentränen zu bringen.
Ob Pfarrer, Kriminalist, italienischer Kellner, Hausmeister, in allen Rollen war Papp bisher erfolgreich und einer der Hauptdarsteller. Sein nachweisliches Debüt gab er vor 30 Jahren. Er kann sich sogar noch an das Stück erinnern: Pizza à la Schrapfing. "Ich durfte die Hauptrolle des Kellners und Kochs, Fernando, übernehmen. "Der große Beifall der mir damals entgegenschlug, ließ meine Nervosität schlagartig verschwinden." Die für ihn schönste Rolle seiner Laufbahn war jedoch im Stück "Einer spinnt immer" als Ladislaus Nocke.
Im Gespräch verweist der 48-Jährige zudem darauf, dass er bereits in der dritten Volksschulklasse unter Lehrer Konrad Heilos auf der Bühne stand. Harald Papp fährt zu den Proben ab Anfang Januar und zu den mindestens zehn Aufführungen jeweils 57 Kilometer. Und warum? "Die Theatergruppe ist eine verschworene und lustige Gemeinschaft, da fühle ich mich als ehemaliger Thundorfer einfach sauwohl."

Plötzlich ist alles anders

Im diesjährigen Stück hatte Julius 43 Jahre und fünf Monate selbstlos und aufopferungsvoll für seine Frau und die Tochter Renate (Melanie Stürmer) geschuftet. Schwer fiel ihm vor allem der Abschied von seiner treuen Sekretärin Liselotte Schlüpfer (Sabrina Bieber). Die Freunde Erwin (Alfons Braun) und Franz-Martin (Peter Göbel) hatten bereits Pläne, was sie mit dem Jung-Rentner unternehmen wollten. Dieser jedoch wollte zuerst Haus, Garten, die unwirtschaftliche Pension sowie das gesamte "Lotterleben" seiner Frau auf Vordermann bringen.
Schnell wurde Therese klar, dass das schöne Leben nun vorbei war, denn der handwerklich unbegabte Julius brachte alles durcheinander. Da konnten selbst Renate und ihr Freund Stefan (Marius Braun) nicht helfen. Therese war am Rande des Wahnsinns angekommen, und auch bei den Freundinnen Gisela und Karola war Zuhause nichts mehr wie zuvor. Angespornt von Julius und seinem Seminarkollegen Karl Mai (Jürgen Schleier) begannen nun auch Erwin und Franz-Martin mit der Optimierung ihrer Ehefrauen. Dies sollte wirtschaftlichen Erfolg bringen. Die Frauen ergaben sich in ihr Schicksal. Durch eine glückliche Fügung erhielten die drei Frauen die Möglichkeit, nochmals ins Berufsleben einzusteigen und ihren Männern zu entkommen. Das war für Julius und seinen Freunden ein herber Schlag.
Dem lustigen Drei- war der Einakter "Showdown" vorausgegangen. In diesem Stück nahm die Aufnahmeprüfung an einer Schauspielschule einen überraschenden Verlauf. Mitwirkende war Albert (Christian Müller), Gerhard (Matthias Geier), Anette (Linda Halbig) und Luis (Michael Weigand). Regie im Einakter: Ansgar Gessner und im Dreiakter Hilmar Kehl.