Quietschende Reifen, aufheulende Motoren und krachende Getriebe. Diese Geräusche hallten am Samstag durch die Stadtmitte von Bad Brückenau. Laut hupend fährt ein roter VW Lupo durchs Ziel. Der Fahrer hat die neue Bestzeit aufgestellt - ohne Fehler. Teilnehmer und Zuschauer klatschen respektvoll.

"Bis das Gummi glüht", unter diesem Vorsatz sind an diesem verregneten Tag die Autos auf dem Parkplatz des ehemaligen Arbeitsamtes in die Parklücke gerast. Grund ist der 3. Lauf des Pkw Turnier Sport Cups 2013 vom ADAC. Bei diesem Wettkampf absolvieren die Teilnehmer mit ihren "normalen" Pkws Aufgaben aus dem täglichen Straßenverkehr: Übungen wie Rückwärtsfahren, exaktes Einparken und Beschleunigen. Einziger Unterschied: Das Ganze geht auf Zeit.

Etwas über 30 Teilnehmer kamen dazu nach Bad Brückenau. "Trotz des schlechten Wetters ist es recht gut besucht", lobt die sechsfache deutsche Meisterin Marianne Brandt aus Kiel. Laut ihr ist es nur Gernot Riemey, dem 2. Vorsitzenden des MSC Bad Brückenau, zu verdanken, dass nach Berlin und Westfalen der nächste Lauf zum ersten Mal in der Kurstadt stattfindet. "Wenn der Gernot ruft, dann kommen immer alle."

Auf Zeit durch den Parcours

Aus ganz Deutschland sind die Teilnehmer mit Fahrzeugen, wie sie unterschiedlicher gar nicht hätten sein können, gekommen. Vom 1er-Golf über Trabbi bis hin zum nagelneuen 5er-BMW oder Audi ist alles vertreten. Auch einige Schaulustige trotzen dem Regenwetter und beobachten das Spektakel, wie Männer und Frauen auf Zeit durch einen Hindernis-Parcours fuhren, der auf die vielen verschiedenen Fahrzeuge immer wieder neu angepasst wurde.

Doch warum macht man so etwas? "Es ist wie eine Sucht, eine Leidenschaft, bei der man immer besser und immer besser werden will", sagt Riemey. Es geht auch nicht darum, wer die höchste Leistung unter der Haube hat oder den dicksten Motor. "Hier geht es ums reine Können", erklärt Thomas Brandt, der ebenso wie seine Frau schon lange bei Turnieren mit seinem Polo mitfährt.

Die Fahrer werden lediglich in drei Kategorien eingeteilt. Eine für die Profis, eine für die Durchschnitts-Fahrer und eine für die, die es einfach mal ausprobieren wollten. Zu gewinnen ist eine Kreuzfahrt von Kiel über Oslo und wieder zurück. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich einen Platz in der Teilnehmerbestenliste für die Deutsche Meisterschaft zu sichern. Dass ausgerechnet der jüngste Teilnehmer eine Chance darauf hat, hätten sich wohl die meisten nicht gedacht.

Verein investiert in den Nachwuchs

Alexander Büttner (20), ehemaliges Mitglied des MSC Bad Brückenau, sitzt schon seit seinem 16. Lebensjahr hinter dem Steuer. Der Mechatroniker fährt in seinem Opel Corsa schon ganz oben auf der Liste mit. Auch sein ehemaliger Trainer Riemey hält große Stücke auf ihn. Er selbst schlitterte am Samstag aber nur knapp am dritten Platz vorbei. "Er hat das Talent und den Ansporn", sagt Riemey über den jungen Büttner.

Dringend sucht der MSC Nachwuchs. "Ich brauche Leute, die Spaß dran haben und vor allem am Ball bleiben!" Auch Riemeys Kinder sind schon lange dabei. Seine Tochter war schon deutsche Vizemeisterin, und sein Sohn Jörg fuhr neben seinem Vater als einziger Teilnehmer aus Brückenau mit. Auf dem Siegertreppchen standen aber am Ende andere. Im ersten Turnier fuhr Klaus Oswald vom AMC Mittlerer Neckar auf den ersten Platz vor Thomas Hummel und Hans-Peter Sahr vom MSC Dürrn. Im zweiten Turnier siegte Sahr vor Hummel und Helmut Winhold.