Julian Wolkow hat seinen Kleiner-Jungen-Traum verwirklicht. "Ich wollte immer so ein Auto haben", sagt er über die kleinen Fahrzeuge, die mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde über die Strecke flitzen. Seitdem er als Jugendlicher zusammen mit seinem Vater Modell-Car-Sportler mit ihren Rennautos in einer Halle in einem Fuldaer Industriegebiet beobachtete, lässt ihn das "Modellsport-Virus" nicht mehr los.
Nun hat er seine eigene Halle, vielmehr sein Verein.

Nischensport entdeckt

Als ein paar Freunde, die sich sonntags zu Rennen auf diversen Parkplätzen in der Region trafen, einen Verein gründen wollten, stießen sie auf Skepsis. "Bad Kissingen ist doch eine Kurstadt...", lautete wohl das stärkste Argument. Na und? Julian Wolkow jedenfalls ließ sich davon nicht abschrecken. Im Oktober 2012 gründete er mit neun Gleichgesinnten den Modell-Car-Club. "In Bad Kissingen gibt es wahnsinnig viele sportliche Angebote: Tennis, Fußball sowieso... die etablierten Sportarten eben", sagt der 27-jährige Bankkaufmann. "Modellsport ist ein Nischensport. Aber ich denke, dass es auch hier Leute gibt, die das interessiert."

Die Idee für eine eigene Halle trug Wolkow lange mit sich herum. Schon im Jahr 2006, als er nach Bad Kissingen zog, fuhr er das Stadtgebiet ab und hielt nach alten Industrie-Gebäuden Ausschau. Von dem Geld, das er sich als Zivildienstleistender zusammensparte, kaufte er sich sein erstes Modell-Auto. Doch die Parkplätze draußen waren zu staubig, manchmal nass. "Weil die Autos so leicht sind, müssen sie wirklich gut auf dem Boden haften", erklärt Wolkow.

"Efalock" wird zur RC-Arena

Zunächst fuhr Wolkow auf dem Parkplatz des Großmarktes in der Kurhausstraße. "Der einzige Parkplatz weit und breit, der überdacht ist." Im Sommer 2012 fuhren die Modellsport-Freunde dann auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Oberthulba. Immer sonntags. Manchmal kamen bis zu zwanzig Leute. Doch auch da gab es Probleme. "Die Autos vertragen keine Feuchtigkeit", sagt Wolkow, denn die Elektronik der ferngesteuerten Wagen ist empfindlich. Also suchte Wolkow weiter nach einer Halle.

Er fand eine im Stadtteil Winkels, dort, wo früher die Firma "Efalock" Kämme, Bürsten und so weiter herstellte. Der Besitzer, Geschäftsführer eines Logistik-Unternehmens für Tiefkühlkost mit Sulzthaler Wurzeln, nutzt die Halle als Garage, allerdings für "echte" Autos, wie Wolkow betont. Der Autoliebhaber vermietete einen Teil seiner Halle an den Modell-Car-Club - und legte gleich noch ein hübsches Sümmchen für die Sanierung drauf. Auch zwei Firmen aus Albertshausen und Burkardroth unterstützten den jungen Verein.

Nun heißt die Halle RC-Arena. RC steht für "remote controlled", also ferngesteuert. Heute wird sie eröffnet. Aber Vorsicht! Bevor sie Ihrem Sprössling eine Fernbedienung in die Hand drücken, denken Sie an das "Modellsport-Virus". Denn ginge es nach Julian Wolkow, so gibt es bald jede Menge Infizierte mehr. In der Kurstadt.