Als Ruheständler wollte Welzenbach "nicht einfach nur daheim sitzen", sondern sich sozial engagieren. Und er hat seine Entscheidung nicht bereut. Das hat auch was mit der Dankbarkeit seiner Fahrgäste zu tun. "Neben dem Obolus für die Fahrt habe ich auch schon mal ein Teilchen oder eine Schokolade bekommen. Das wäre natürlich nicht nötig gewesen, man freut sich aber trotzdem", sagt Welzenbach. Solange es gesundheitlich geht, will er den Job auch noch weitermachen.

Lob für hilfsbereite Fahrer


Heidelore Schneidt gehört zu den Stammkundinnen. Sie hat kein Auto und nutzt den Bus von Beginn an - zum Beispiel um zu ihrer Krankengymnastik zu fahren oder eine Freundin zu besuchen. "Ich bin dankbar, dass es den Bus gibt und würde mich freuen, wenn es noch lange so weitergeht", so die Hammelburgerin. Die Anschaffung des neuen Fahrzeugs begrüßt sie auch deshalb, weil es geräumiger ist und Rollatoren leichter verstaut werden können.
Für die ehrenamtlichen Fahrer ist sie voll des Lobes. "Sie lassen einen auch mal vor einem Markt aussteigen und nehmen einen dann wieder mit den Einkaufstüten mit, wenn es der Zeitplan zulässt", erzählt sie.

Aus Rücklagen finanziert


Annemarie Fell, Sprecherin des Arbeitskreises Mobilität der Hammelburger Agenda 21, freut sich über den Erfolg des Busses, der im Herbst 2009 zu seiner ersten Tour startete. Bei der Einweihungsfeier gestern dankte sie Gregor Holzinger von der gleichnamigen Kfz-Werkstatt für Wartungen und Reparaturen. Ihr Dank galt ferner Bürgermeister und Stadträten, die dem Kauf des neuen Fahrzeugs schnell und einmütig zustimmten. Der VW-Bus wechselte für 9900 Euro den Besitzer. Der Diesel mit 105 PS ist Baujahr 2007 und hat 148 000 Kilometer auf dem Tacho.
"Der Bürgerbus trägt sich mittlerweile selbst", unterstrich Annemarie Fell. Die Neuanschaffung habe durch die Rücklagen finanziert werden können, die aus den nicht verbrauchten Zuschüssen der Stadt gebildet wurden. In diesem Zusammenhang dankte sie auch den Gemeinden Fuchsstadt und Elfers-hausen für ihren Obolus.
Ein dickes Lob zollte die Arbeitskreissprecherin den Fahrern als "Herz des Ganzen". Namentlich hob sie "Ober-Organisator" Rainer Sitzmann, Manfred Loschky und Kurt Welzenbach hervor, der sich auch um die Statistik kümmere. Für eine überaus großzügige Spende dankte sie Martha Möldner.
Bürgermeister Ernst Stross (SPD) bescheinigte, der Bus sei sehr wichtig für Menschen, die den ÖPNV nicht nutzen können. Im Sinne einer bürgerfreundlichen Stadt sei das Geld gut angelegt. "Wir suchen aber noch eine Garage, damit die Fahrer im Winter nicht die Scheiben frei kratzen müssen", warb Stross um entsprechende Angebote, die nicht zu weit vom Zentrum entfernt sein sollten.
Der Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell (Bündnis 90/ Grüne) betonte, es gebe immer mehr Menschen ohne eigenes Auto. Der Bürgerbus helfe ihnen, mobil zu bleiben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Beate Ritter-Schilling, Vorsitzende des Trägervereins, nutzte die Chance, an die Politik zu appellieren, sich für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit von Bürgerbus-Vereinen einzusetzen. Nur dann seien Spenden steuerlich abzugsfähig.
Stadtpfarrer Christian Müssig unterstrich: "Wenn es den Bus nicht gäbe, müsste er erfunden werden." Er bescheinigte dem gesamten Team "Engagement und Herzblut" und segnete das neue Fahrzeug.