Drei Westheimer Männer nahmen sich ein Herz und übernahmen den Part der Sternsinger. "Es gab einfach zu wenig Kinder", erinnert sich der Pfarrgemeinderatsvorsitzende von St. Peter und Paul, Günter Meilinger, der von Anfang an dabei war. Angeregt durch einen Zeitungsartikel aus Reichenbach habe man sich kurzerhand selbst verkleidet und sei von Haus zu Haus gelaufen. "Das war eine lustige Geschichte, die Leute waren total überrascht", erzählt er von den Anfängen der Männergruppe.

Inzwischen gibt es die Männergruppe bereits seit zehn Jahren. Das ist länger, als ein "normales" Sternsingerleben. Trotzdem sind die drei dabei geblieben, haben Hochwasser umlaufen und bei Glatteis ihren Auftritt sogar schon verschoben. Nur ihr Gebiet haben sie inzwischen verkleinert. "Beim ersten Mal waren wir von 9 Uhr in der Früh bis 17.30 Uhr abends unterwegs", sagt Meilinger. Inzwischen laufen die drei, meistens mit einem Kind, das den Stern trägt, jährliche wechselnde Gebiete ab. "So waren wir inzwischen schon überall im Dorf zwei Mal", heuer sei der Altort an der Reihe.

In die Kleider der Sternsinger haben die drei gestandenen Männer natürlich nicht gepasst. Aber man habe alte Priestergewänder, die sowieso nicht mehr gebraucht würden und "die sind ein bisschen edler als die einfachen Kindergewänder", schmunzelt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Und noch einen Vorteil haben die Männer gegenüber den jüngeren Sternsingern: Sie haben Weihrauch dabei und lernen den Text nicht auswendig, sondern verwenden Spickzettel, "nur damit man auch seinen Einsatz nicht verpasst", rechtfertigt sich Meilinger. Aber einige Kinder hätten sich schon beschwert. Dabei wird der Spickzettel nach einigen Häusern sowieso überflüssig.

Wenn die Westheimer Männergruppe gelegentlich etwas länger braucht als ihre jüngeren Kollegen, liegt das vor allem daran, dass an vielen Türen "mal kurz gequatscht wird" oder sie hereingebeten werden. Die "gelebte Pastorale", wie es heute so schön heißt, sei ebenfalls ein Grund für die männlichen Sternsinger gewesen. "Wir wollen den Kontakt zur Gemeinde nicht verlieren und den Leuten zeigen, dass wir nicht nur bei Taufe, Kommunion, Firmung und Beerdigung präsent sind", sagt Klaus Erm. Als "spätberufene Quereinsteiger" übernehme man zudem eine Vorbildfunktion. "Wir wollen unseren Kindern helfen und natürlich den Kindern in den Entwicklungsländern".

Das Geld kommt geschlossen in eine Kasse für einen guten Zweck, die Süßigkeiten nehmen die Männer mit zum Pfarrheim, wo sie beim gemeinsamen Essen unter den Ministranten aufgeteilt werden. Ministrant war Meilinger zwar nie, aber als Pfarrgemeinderatsvorsitzender war er "natürlich mit von der Partie", als der Mangel an Sternsingern vor einigen Jahren auftrat. Auch die anderen beiden sind kirchlich engagiert. Joachim Volpert war sogar nicht nur Ministrant, er agiert gar als Kommunionhelfer, Lektor, Messner und Wortgottesdienstleiter - da lag Sternsinger förmlich nahe. Auf die Frage, wielange die drei dieses Ehrenamt noch übernehmen werden, schmunzeln sie: "Das liegt in Gottes Händen".

Vor fünf Jahren hat sich auch eine Frauengruppe gebildet, die ebenfalls als Sternsinger durch Westheim zieht und heuer die Männer und drei Kindergruppe mit je vier Kindern unterstützt. Deren Besetzung wechselt immer Mal, doch in der Kirchenverwaltung finden sich stets genügend Freiwillige.

Monika Horcher ist gern Sternsinger, denn: "Da kommt man mit den Leuten ins Gespräch und vor allem die Älteren wollen das auch". Und Kollegin Gudrun Cimander freut sich als Zugezogene, dass man so Leute kennen lernt. Ein Beispiel, dem anderen Gemeinden angesichts des Mangels an freiwilligen Kindern, vielleicht schon bald folgen könnten.