Die Eröffnung der Postkutschensaison in Bad Kissingen und Bad Bocklet ist immer eine Attraktion. Zahlreiche Schaulustige wollen es sich nicht entgehen lassen, die letzte deutsche Postkutschenlinie live in Aktion zu sehen. So auch in diesem Jahr. Mit einem Standkonzert der Postkapelle unter ihrem Dirigenten Stefan Matthes vor dem Haupteingang des Regentenbaus in Bad Kissingen wurde die Postkutschensaison 2018 am Samstag feierlich eröffnet. Hier waren vor allem böhmisch-mährische Weisen zu hören. Natürlich lies es sich Matthes danach nicht nehmen, auf dem Kutschbock neben der Postillonin Yvonne Körner Platz zu nehmen, um sich auf die Fahrt nach Bad Bocklet zu begeben und bei der Ankunft und Abfahrt auf dem Posthorn zu spielen.
In Bad Bocklet fiel der eigentlich geplante Empfang durch die Musikkapelle und der sich anschließende Festzug aus. Aufgrund des überraschenden Todes von Altbürgermeister Wolfgang Back war dies so beschlossen worden, auch die anwesenden historischen Damen und Herren vom Rondo Historica waren in dunkle Kleider gehüllt. "Wir wollten die Eröffnung der Postkutschensaison aber nicht ausfallen lassen. Wolfgang hätte das nicht gewollt", zeigte sich Bürgermeister Andreas Sandwall überzeugt. Für eine musikalische Umrahmung war dennoch gesorgt. So hatten die "Saalemannen" vom Liederkranz Bad Bocklet einige klassische Stücke einstudiert, mit dem "Hab oft im Kreise der Lieben" nach einer Melodie von Friedrich Silcher machten sie den Anfang, was dem Publikum sehr gut gefiel. "Und alles wird wieder gut - wenn das nur so einfach wäre", zitierte Bürgermeister Andreas Sandwall den Kehrvers des Liedes und dachte bei diesen vielsagenden Worten sicherlich an den viel zu frühen Tod von Wolfgang Back. Mit einer kurzen Gedenkminute ehrten die Anwesenden man den Altbürgermeister.

"Die Postkutsche ist für uns ein Alleinstellungsmerkmal, das unbedingt erhalten werden muss", meinte er. Es gebe keine schönere Route in Bayern, stellte er fest. Kay Blankenburg, der in der Postkutsche bei der Fahrt von Bad Kissingen nach Bad Bocklet mit dabei war, bedankte sich für den herzlichen, freundlichen und sehr harmonischen Empfang. Als "Burnout-Prophylaxe pur" bezeichnete er die Fahrt, die die beiden schönsten bayerischen Staatsbäder miteinander verbindet. "Man sollte eine solche zumindest einmal im Leben mitgemacht haben. Aber Vorsicht: es besteht eine hohe Suchtgefahr", meinte er mit einem Schmunzeln. Pfarrer Gerd Greier wünschte Gottes Segen für die Fahrten der Postkutsche. Stellvertretender Landrat Alfred Schrenk teilte mit, dass heuer die 79. Saisoneröffnung sei, und zeigte sich optimistisch, dass es hier auch in Zukunft weitergehe. "Ich wünsche denen, die mit der Postkutsche fahren, viele schöne Eindrücke", sagte er.
Werner Scheller, der 1. Vorsitzende des Vereins Freunde der Postkutsche Bad Kissingen-Bad Bocklet rechnet auch in diesem Jahr mit einer erfolgreichen Saison. Neun Personen könnten pro Fahrt dabei sein, in vier Fahrtagen pro Woche von Donnerstag bis Sonntag habe man eine ständige Auslastung zwischen 90 und 100 Prozent. "Das sind rund 730 Fahrgäste", sagt Scheller. Ohne Sponsoren könnte die letzte deutsche Postkutschenlinie nicht mehr verkehren, von diesen werden zwei Drittel der Kosten übernommen. Mit Altbürgermeister Wolfgang Back sei nicht nur ein begeisternder Kämpfer für den Markt Bad Bocklet gegangen, sondern auch ein Mensch, der sich leidenschaftlich für die Postkutsche eingesetzt hat. "Er war ein einzigartiger Mensch. Bei uns, die wir schlicht und einfach um ihn trauern, wird er in der Erinnerung eine Heimstatt finden", so der Vorsitzende. Er wünschte den Gästen und Freunden eine erfolgreiche Saison und den Gästen ein einmaliges Erlebnis. "Zum Abschluss eine Bitte: Werben Sie für die Postkutsche, fahren Sie mit der Postkutsche und genießen Sie dieses einzigartige Relikt", lud Scheller zu einer Fahrt ein.

Fahrplan:
Abfahrt Bismarckstraße, Hotel Wyndham Garden: Abfahrt 14 Uhr, Rückkehr etwa 17.30 Uhr
Freitag und Sonntag nach Bad Bocklet
Donnerstag und Samstag nach Schloss Aschach
Dienstag und Mittwoch nach Vereinbarung: Tel.: 0171/ 333 6769, bei Hans Körner, Postkutscher.