Sandro Nebieridze hat mit 14 Jahren seine Klaviersonate Nr. 1 in C-Moll komponiert. Sein Auftritt beim Klavierolymp als Komponist und Pianist darf zu den Glanzpunkten des Festivals gezählt werden.

Hochbegabt ist Standard beim Klavierolymp. Wie nennt man aber einen jungen Mann, der mit neun Jahren erstmals komponiert, mit 14 seine erste Klaviersonate schreibt, sie in verschiedenen europäischen Ländern und in China selbst spielt, weitere Klavierwerke komponiert und darüber hinaus als Pianist, bei bedeutenden Festivals reihenweise Preise einspielt?

Wunderkind geht nicht, das gebührt nur Mozart. Mehrfach hochbegabt könnte passen. Beim Klavierolymp ist er als Pianist aber nur einer von sechs Kandidaten und muss sich da erstmal beweisen, muss akzeptieren, dass er sein Rezital am Samstagvormittag vor vermutlich weniger Publikum spielen muss. So gnadenlos ist das Künstlerleben.

Tastengewitter mit Harmonien

Aber das ficht einen Georgier nicht an. Er ändert aber die Reihenfolge seines Auftritts und beginnt statt mit Beethoven mit Nebieridze, seiner eigenen Klaviersonate Nr.1 in C-Moll und überrascht: Ganz leise, einfache Triolen machen Staunen, steigern die Spannung auf das, was er ausdrücken will, wie Nebieridze klingt? Nicht wirklich überraschend, dass es nicht so bleibt, denn was er nach diesen ersten zarten Takten komponiert hat, ist ein wahres Tastengewitter, ein Parforceritt über die Klaviatur, gespickt mit eigenwilligen Harmonien.

Hommage an die Stille

So hat er sich das ausgedacht und so spielt er es auch. Aber der Donner wird leiser, langsame, zarte Passagen mit eindringlicher Intensität folgen. Auch der zweite Satz - die Sonate ist nur auf zwei Sätze ausgelegt - beginnt mit sphärischen Klängen, bleibt aber lange bei träumerisch leichten Harmonien. Wie eine Filmmusik für endlose Weiten, er beschreibt Horizonte mit wenigen Tönen. Wie schön muss die georgische Landschaft sein, wenn sie mit so umfassender Stille beschrieben wird? Der Satz endet mit tänzerischen Melodien, reiht leichte Tonkaskaden aneinander, variiert sie, um immer wieder zum Thema zurückzukehren.

Grenzt der erste Satz mit Dissonanzen und ungewöhnlichen Klängen an Atonalität, der zweite Satz zeigt, wie spannend neue Musik sein kann.

Mit Beethovens Klaviersonate Nr. 15 D-Dur op. 28 hat er dann einen Klassiker ausgewählt, der ihm offensichtlich richtig Freude macht. Immer wieder wandert sein Blick an die Decke, als wollte er den Meister oben fragen, ob ihm seine Interpretation denn auch gefällt?

Bei der Brahms Sonate Nr.3 f-moll op.5 kann man sich zeitweise an die jagenden Akkorden aus dem 1. Satz von Nebieridze erinnern, aber dann wechseln differenzierte Stimmungen und entstehen harmonische Klangteppiche. Der poetische Ansatz kam da beim Pianisten ein wenig zu kurz, den tänzerischen Rhythmus trifft er genau und im Finale galoppieren die wilden Pferde im trommelnden Achtelrhythmus, so wie Brahms das wohl haben wollte.

Vielleicht war der Georgier noch ein wenig von seinen Klängen inspiriert, ein wenig Zurücknahme beim Fortissimo hätte den virtuosen Gesamteindruck noch nachhaltiger gemacht.