"Früher sind wir Wettbewerbe mitgefahren. Bald entstand auch eine Gruppe in Euerdorf, die Spaß am Fahrradfahren hat", schildert Dietmar Ortmann die Anfänge der Truppe, die seit rund elf Jahren unter dem Dach des TSV Euerdorf trainiert. Die anderen "Kaiserjäger" sind Stefan Brand, Reinhold Bonnländer, Joachim Hesselbach, Joachim Kaiser, Friedrich Lippert, Wolfgang Ortmann und Dieter Stöhling.

Wichtig: Gutes Miteinander


"Wenn wir unterwegs sind, dann nicht nur unter dem sportlichen Aspekt, wir legen großen Wert auf ein gutes Miteinander", betont Stefan Brand. Dem Elektromeister, der ein eigenes Fahrradgeschäft in Euerdorf betreibt, haben es die Alpen angetan: "Es ist einfach gigantisch, wenn man durch die Bergwelt fährt. Die Ruhe und die Natur sind einzigartig." Trainiert wird dafür sonntags und dienstags.
2011 haben die Männer zuletzt die Alpen überquert. Neben regelmäßigem Training sind dafür auch sorgfältige Planungen nötig, da auch das Gepäck auf dem Rücken dabei ist. Früher wurde nur mit Wanderkarte geplant, jetzt gibt es immer mehr Internet-Portale für spezielle Mountain-Bike-Strecken. Außerdem wird jetzt nach GPS gefahren.
Einer plant die Strecke, ein anderer nimmt Werkzeuge für alle mit. Genauso ist es mit dem Erste-Hilfe-Material. Ersatzschläuche sind auch eingepackt, aber nur in begrenzter Zahl. "Einmal hatten wir bereits am ersten Tag richtig Pech und gleich sechs Plattfüße. Bei den nächsten mussten wir uns dann an Radshops wenden", erinnert sich Dietmar Ortmann.
Verpflegung wird nur dann mitgenommen, wenn absehbar ist, dass sich auf der Strecke keine entsprechende Lokalität findet. Ungefähr sieben Kilogramm führt jeder Biker mit. Sogar die Kleider werden gewogen, damit die Last nicht zu schwer wird.
Sieben bis zehn Tage sind sie immer unterwegs, legen dabei 500 bis 700 Kilometer zurück und bewältigen zwischen 10 000 und 15 000 Höhenmeter. Übernachtet wird da, wo sich eine Gelegenheit bietet. Die Tagesetappen werden jeden Morgen festgelegt. "Dabei kann es schon einmal vorkommen, dass einer nicht mehr kann, dann legen wir eben früher eine Pause ein oder beziehen ein Quartier", erklärt Dietmar Ortmann.
Ihr Weg führt über holprige Pfade oder Wiesen, Zäune und Bäche. Auch mit Matsch müssen die Biker kämpfen. In den Alpen haben sie einige Schiebe- und Tragepassagen. "Bergauf ist es nicht so schlimm. Bergab sind aber Kondition, Kraft und Standhaftigkeit gefordert", unterstreicht Stefan Brand. Es gab auch schon Verletzungen. "Meistens sind die Gott sei Dank glimpflich ausgegangen. Es passiert schnell, dass man in dem anspruchsvollen Gelände einen Salto über den Lenker macht", erklärt der Euerdorfer.
Einmal kamen die Radler in eine Schlechtwetterfront. Da mussten sie vier bis fünf Stunden bergauf gegen Dauerregen kämpfen. Zum Glück konnten sie in einer Schutzhütte eine Pause einlegen, ihre Kleider an einem Kaminfeuer trocknen und sich aufwärmen.

Kurioses Erlebnis


Aber auch Anekdoten haben die Euerdorfer zu berichten. So hatte die Gruppe in einem italienischen Hotel ihre Pässe nach dem Auschecken nicht mehr zurückerhalten, was ihnen aber erst nach rund 50 Kilometern auffiel. Und keiner konnte italienisch. Auch den Namen der Ortschaft wussten sie nicht mehr.
Zum Glück hatten sie aber vor der Abfahrt ein Bild vom Hotel gemacht. "Mit Händen und Füßen haben wir uns mit Passanten verständigt, wo denn dieses Hotel sein könnte. Schließlich wusste es einer und rief dort an, sodass wir die Pässe mit einem Kurier bekamen", schildert Dietmar Ortmann.
Auch die matschigen Pfade, wo der eine oder andere stecken blieb oder gar in den Morast fiel, sorgten für Schadenfreude. Insgesamt wird jedoch die Kameradschaft groß geschrieben. Die Gruppe richtet sich nach dem Schwächsten. "Zum letzten Fahrer darf nie der Sichtkontakt verloren werden. Sonst wird einfach gewartet", erklärt Stefan Brand.
Alle Strapazen sind vergessen, wenn der Gardasee, Ziel einiger Alpenüberquerungen, ins Blickfeld rückt. "Wenn man sich stundenlang einen Berg hinaufkämpft und dann diesen Blick hat, ist das schon sehr beeindruckend", erzählt der Biker. Am See wird dann nochmal Station gemacht, bevor es mit Zug oder Rad wieder nach Hause geht.