Mit einem Großen Zapfenstreich, einer feierlichen militärischen Zeremonie mit langer Tradition, wird am Freitag, 8. Juli, das Nüdlinger Dorffest "Bayrisch Preußisches Fläär" seinen Auftakt nehmen
Die militärischen Originalkommandos, die zu hören sein werden, dienen der Steuerung des Ablaufs. Die unter Waffen angetretene "Bürgerwehr" soll die Notwendigkeit des Schutzes und der Verteidigungswürdigkeit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung darstellen.
Die Ausführung des Großen Zapfenstreiches obliegt mindestens einem Musikkorps mit angeschlossenem Spielmannszug, zwei Zügen Begleitkommando unter Gewehr und einer Begleitformation von Fackelträgern. Die Ehrenformation wird in folgender Reihenfolge Aufstellung nehmen: "Bürgerwehr Königsberg", Spielmanns- und Fanfarenzug Hofheim und Jugendmusikkorps Bad Kissingen


Fackelträger

Es folgt eine Ehrenformation der Feuerwehren Nüdlingen und Haard. Die gesamte Ehrenformation wird durch eine Abordnung von Fackelträgern begleitet. Der Aufmarsch erfolgt traditionsgemäß mit dem "Yorckschen Marsch". Nach der Aufstellung der Fackeltäger, folgt die "Serenade". Hier kommen Märsche wie der "Coburger" und der "Reitermarsch des Großen Kurfürsten" zur Aufführung.
Es folgt ein genau festgelegter Ablauf, der mit dem Kommando "Großer Zapfenstreich" beginnt. Die Zuschauer soll in dessen Verlauf ein Wechselspiel der instrumentalen Zusammensetzungen eerkennen. Zum einen die Verkörperung der Fußtruppen durch den Spielmannszug und zum anderen die Darstellung der berittenen Truppen durch die Blechinstrumente und Pauken des Musikkorps. Das Locken zum "Großen Zapfenstreich" sowie die Retraite mit drei Posten (Signaltrompeten) symbolisieren den Rückruf der Versprengten und Verwundeten nach der Schlacht.


Gruß an die Toten

Die dritte und letzte Post ist ein musikalischer Gruß an die Toten, die nicht mehr zurückkehren. Diese Elemente bilden zusammen sind den zentralen Teil des Großen Zapfenstreichs. Hierauf folgt das Zeichen zum Gebet durch die Spielleute und danach das Kommando "Helm ab zum Gebet". Es folgt das musikalische Gebet, "Macht der Liebe", eine Choralstrophe aus der Kirchenmusik. Das Kommando "Helm auf", das Abschlagen nach dem Gebet durch die Spielleute und der Ruf nach dem Gebet durch das Musikkorps beenden diesen Teil.


Helm ab zum Gebet

Mit dem "Kommando zur Nationalhymne" beginnt der Schlussteil des Großen Zapfenstreichs. Nach dem Ausmarsch der Ehrenformation, der wiederum mit dem Zapfenstreichmarsch erfolgt, ist der Große Zapfenstreich beendet.
Die Musiker sind von den ungewöhnlichen Bedingungen besonders gefordert werden. Während der Aufführung sollte nach Auffassung der Organisatoren kein spontaner Beifall erfolgen, da dies den feierlichen Rahmen stören würde. Bei der Nationalhymne stehe es dagegen jedem frei, mitzusingen.


Blick in die Geschichte

Die Anfänge des Zapfenstreichs liegen im 16. Jahrhundert. Der Große Zapfenstreich in seiner heutigen Form entstand in der ersten Hälfte 19. Jahrhunderts. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. ordnete 1813 die Ausweitung des Zapfenstreiches um das Präsentieren des Gewehrs, ein stilles Gebet und das Blasen eines Militärliedes an. Der Große Zapfenstreich wurde mit musikalischem Gebet und den Signalen der Kavallerie erweitert.In heutiger Zeit wird der Große Zapfenstreich vor allem bei der Verabschiedung hochrangiger Personen aus Politik und Militär zelebriert. Die wohl größten und öffentlichkeitswirksamsten Großen Zapfenstreiche wurden zur Verabschiedung der Westalliierten aus Berlin vor dem Brandenburger Tor, sowie zur Verabschiedung von Helmut Kohl aus dem Amt des Bundeskanzlers vor dem Kaiserdom zu Speyer aufgeführt.
Eine veränderte Form des Großen Zapfenstreiches wurde 1962 in der DDR eingeführt. Dort wurde er später um "Elemente des progressiven militärischen Erbes" ergänzt. Gewürdigt wurde besonders das Militärbündnis Preußens mit Russland beim Kampf gegen Napoleon im Jahre 1813.