Seit sieben Jahren hat Marion Kohmann aus Dülmen bei Münster Diabetes, Typ 1. In Absprache mit ihrem Diabetologen stellte sie Mitte 2012 einen Kurantrag. "Ich will noch mindestens drei, damals ja sogar vier Jahre lang arbeiten", sagt die 60-jährige Architektin, die als Bausachverständige tätig ist. Doch die Deutsche Rentenversicherung Bund sah den Fall anders als ihr behandelnder Arzt: "Der Antrag wurde innerhalb von einer Woche abgelehnt", war die Enttäuschung
für Kohmann groß.

Ohne weitere Begründung

Ende der 1980er Jahre war Marion Kohmann schon einmal auf Kur: Als allein erziehende Mutter von zwei Kindern wurde ihr eine Mutter-Kind-Kur gewährt. Seitdem hat sie zwar viel eingezahlt bei Krankenkasse und Rentenversicherung, aber mit ihrem Kurantrag wurde trotzdem kurzer Prozess gemacht: "Die Ablehnung erfolgte ohne weitere Begründung, nur mit dem Hinweis auf ein Widerspruchsrecht." Den Widerspruch legte sie zwar ein, aber mehr als die Nachricht, dass weitere Gutachten notwendig sind, habe sie nie erhalten.

Im Herbst las sie dann von der Aktion "Kurantrag abgelehnt" des Bayerischen Heilbäderverbandes. "Bad Brückenau habe ich vorher noch nie gehört", sagt Marion Kohmann. Trotzdem machte sie sich auf den Weg in die Rhön und hat es nicht bereut: "Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben." In der Malteser-Klinik von Weckbecker ließ sie sich zudem auf die Spezialität des Hauses ein: "Ich habe eine Heilfastenkur gewonnen, dann mache ich das auch", sammelte sie neue Erfahrungen.

"Es war eine sehr intensive und nachhaltige Erfahrung, ich würde sie jederzeit wiederholen", sagt Marion Kohmann nach dem Ende des Gesundheitsurlaubs. Nach zwei schweren Schicksalsschlägen zu Jahresbeginn hätte sie nach eigenen Worten ohne den Aufenthalt in Bad Brückenau "den Boden unter den Füßen verloren". Das bewußte Heilfasten sowie die therapeutischen und medizinischen Behandlungen hätten sie wieder fit fürs Arbeitsleben gemacht:  "Es war eine Kur zur rechten Zeit am rechten Ort."

"Durchweg positive Resonanz"

Die Aktion kam insgesamt gut an: "Wir hatten eine durchweg positive Resonanz der Gewinner", berichtet Klaus Holetschek, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäderverbandes und Bürgermeister von Bad Wörrishofen. "Wir sehen uns da ein Stück weit als Verbraucherschutzzentrale", sieht er das Projekt als Mutmacher für Patienten, denn: "Viele scheuen natürlich die Klage vor dem Sozialgericht." Oft würden Kuren auch abgelehnt "mit der Begründung, dass wohnort-nahe Maßnahmen nicht ausgeschöpft sind". Besonders krass seien die Einbrüche bei der offenen ambulanten Badekur, obwohl hier die Kosten mit 500 bis 700 Euro für drei Wochen viel niedriger seien als bei stationären Kuren. "Das war gut investiertes Geld", bedauert Holletschek den Einschnitt bei der Prävention. Und: "Das war der Kern, von dem viele Kurorte profitiert haben."

"Hier sparen insbesondere die Krankenkassen am falschen Ende", geht die Kritik Holetscheks vor allem in eine Richtung. "Eine Kur ist kein Urlaub. Sie ist bei den Antragstellern notwendig, damit sie ihre Gesundheit und damit auch ihre Arbeitskraft erhalten." Als "Schuss in den Ofen" bezeichnet Holetschek auch den Beschluss der Bundesregierung, die Zuschüsse für Kuren zu erhöhen: "Das hilft doch nichts, wenn man die Zuschüsse für etwas erhöht, was immer seltener genehmigt wird." Nach Angaben des Heilbäderverbandes stehen die bayerischen Heilbäder und Kurorte für 100 000 Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 3,7 Milliarden Euro.