Etwa 50 Traktoren haben sich am Samstag Morgen an der Aspenmühle bei Oberleichtersbach getroffen: 15 von ihnen sind auf dem Weg nach Brüssel, die anderen begleiteten sie aus Solidarität durch den Altlandkreis Bad Brückenau. Während einer Kundgebung im Gewerbegebiet Buchrasen machten sich die Milchbauern gegenseitig Mut: "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren" hieß es mehrfach: Die Bauern hoffen, in Brüssel etwas zu bewegen.

Jürgen Förg aus Einraffshof, Kreisvorsitzender im Bundesverband deutscher Milchviehhalter (BDM) war schon einmal mit dem Schlepper in Brüssel. "Ein einmaliges Erlebnis" schwärmt er vom Zusammenhalt der mehr als tausend Landwirte aus ganz Europa damals. Leider muss das Erlebnis für ihn auch einmalig bleiben, weil er heuer nicht mitfahren kann: "Bei uns ist das dritte Kind unterwegs, ich habe eine Baustelle daheim, deshalb kann ich heuer nicht mit", berichtet er schon fast bedauernd. Die Kollegen haben Verständnis und hoffen, dass wenigstens möglichst viele Bauern in der Nacht auf Sonntag mit dem Bus nachkommen und man sich dann am Montag in Brüssel trifft.

Die Familie Förg hat rund 100 Milchkühe im Stall. "In Unterfranken ist der Strukturwandel schon relativ weit", berichtet Förg, dass er für bayerische Verhältnisse damit zu einem der größeren Bauern im Konvoi zählt. Gerade im Norden des Landkreises Bad Kissingen, also in Schondra und Oberleichtersbach, gebe es mehrere größere Betriebe, die gewachsen sind, weil viele andere zu gemacht haben. Aber: "Wir sind trotzdem kleine Familienbetriebe, und es geht nicht mehr."

In Richtung 20 Cent habe sich der Milchpreis pro Liter erst in den vergangenen Monaten wieder entwickelt. "Wir haben jeden Tag gemerkt, wie es auf dem Konto immer weniger wird, weil die Ausgaben ja bleiben", gehe ein solcher Milch-Preis an die Substanz der Betriebe. Als ein Problem macht Jürgen Förg aus, dass immer weniger Verbraucher wissen, woher die Milch überhaupt kommt: "Das Hintergrundwissen ist verloren gegangen, das ist vieles ein bisschen entfremdet", weiß Förg aus eigener Erfahrung. Erst wenn ihn Menschen auf seinem Hof besuchen, merken sie, wieviel Arbeit in jedem Liter Milch steckt.


"Hoffentlich kommen sie gut nach Brüssel"



Laura Greubel: "Immer wenn's geht, bin ich mit dabei", sagt die 18-jährige Laura Greubel. Die Tochter von Mit-Organisator Alfred Greubel war eine von vier Frauen beim Konvoi der Milchbauern. Derzeit macht sie ihr Fach-Abi im Bereich Landwirtschaft in Triesdorf. "Danach habe ichg vor, was in der Richtung zu machen", ist der Beruf trotz der Probleme für sie attraktiv: "Man ist viel draußen, ist sein eigener Chef und kann Lebensmittel in hoher Qualität erzeugen", schwärmt sie.

Aus Ansbach machte sich Landwirt Fritz Haspel auf den Weg nach Brüssel. "Ich nehm mir die Zeit einfach", ist ihm der Protest bei der EU wichtig. Für Milchbauern ist eine solche Fahrt nicht ganz einfach: "Das ist alles eine Sache der Organisation, meine Nachbarn unterstützen mich zum Glück", berichtet Haspel. Die Nachbarn und sein Sohn müssen sich um 30 Milchkühe kümmern. Und sie stehen hinter der Fahrt nach Brüssel: "Wenn wir nichts versuchen, werden wir nicht gehört."

30 Kühe stehen im Stall von Bernhard Hiltl in Neumarkt in der Oberpfalz. Die Betriebe in seiner Region hätten im Schnitt 28 Kühe, er liegt also etwa im Mittel. "Der Milchpreis schmerzt", kommentiert er Preise bis runter auf 25 Cent pro Liter. Mindestens 40 Cent müpssten es sein, durch die steigenden Preise für Diesel und Futter eher mehr. Ansonsten gehe es an die Subsatnz: "Man kann vielleicht noch ein paar Jahre so zu leben, wenn man nicht investiert hat."