Maßarbeit ist gefragt, der Fällkran schlängelt sich zentimetergenau durch die Bäume hindurch, fixiert mit dem Greifarm einen Stamm. Ein Arbeiter am Boden schmeißt die Kettensäge an, durchsägt den Stamm knapp über der Grasnarbe. Dann setzt sich wieder der Greifarm in Bewegung, balanciert den Stamm über den Hang hinweg und legt ihn auf der Ernst-Putz-Straße ab.

Wenn alles nicht so groß wäre, könnte man meinen, hier spiele jemand Mikado. 150 Bäume sind es insgesamt, die an der Ernst-Putz-Straße entfernt werden - entfernt werden müssen, wie Willi Scheller vom städtischen Büro Bauleistungen betont: "Die Gefahr für Fußgänger und Autofahrer ist einfach zu groß geworden." Auf einer Länge von rund 600 Metern werden die Problem-Bäume gefällt, aber ausschließlich am Hang unterhalb der Ernst-Putz-Straße. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich Privatgrundstücke, die Stadt hält sich raus.

Das große Problem, sagt Scheller, sei aber sowieso der Hang. Dieser ist steil, von Wasser durchnässt und entsprechend instabil. Die Standsicherheit eines Baumes sei nicht mehr gewährleistet und könne seinen Umsturz zur Folge haben. Wie im vergangenen Jahr, als sich eine Buche quer über den Bach legte - und heute noch immer dort liegt. Im Zuge der Arbeiten soll aber auch der "Brücken-Baum" entfernt werden - schließlich sind nun entsprechende Geräte vorhanden, um ihn zu bergen. Leider, sagt Scheller, müssten auch gesunde Bäume gefällt werden - wenn diese im Wege stehen und das Fällen kranker Bäume verhindern. "Das ist eine Sache der Abwägung. Natürlich ist es nicht schön, uns bliebt aber keine Wahl."

Daniel Vornwald steht schon eine halbe Stunde am Straßenrand, schaut sich das Treiben interessiert an. Der Auszubildende zum Forstwirt hat Urlaub und staunt beim Anblick des Fällkrans: "Es ist absolut beeindruckend. Solch große Maschinen sieht man nur sehr selten." Dabei hat Vornwald das "Highlight" noch gar nicht hautnah erleben können: Erst heute wird der Schwerlastkran zum Einsatz kommen, mit einer Hebelast von rund 200 Tonnen und einer noch größeren Reichweite als der Fällkran.

Beauftragt ist eine Firma aus dem Taunus, die sich auf Fällungen dieser Größenordnung spezialisiert hat. Und bislang laufe alles reibungslos - zeitlich wie organisatorisch. "Die Firma macht einen ausgesprochen guten Job. Sie gehen sehr behutsam vor und entfernen die gefällten Bäume schnell von der Straße", sagt Scheller.

Bis kommenden Samstag könnten die Fällarbeiten abgeschlossen sein, möglich aber, dass auch noch der Sonntag benötigt wird. So oder so: Bis Samstag, 3. März, bleibt die Ernst-Putz-Straße ohnehin gesperrt, für Nacharbeiten. An der Bushaltestelle am Washington-Platz werden die Bäume gelagert, kleinere Stämme werden zu Hackschnitzeln verarbeitet, das Nutz- und Stammholz veräußert die Gemeinde weiter. So können die Kosten für die Stadt von etwa 74 000 Euro zumindest ein wenig gesenkt werden.

Ein Kahlschlag am Hang stehe übrigens nicht bevor, sagt Scheller: "Der Hang wird nicht leer sein, es bleiben ja Bäume stehen. Und der Aufwuchs ist auch beachtlich." Trotzdem werde man die Situation im Auge behalten, in einem Jahr wird die Vegetation analysiert.
Falls nötig, wird aufgeforstet. Scheller hält das nach jetzigem Stand aber nicht für nötig: "Die Natur wird sich selbst behelfen."