Corona hat viel durcheinandergewirbelt. So auch den Fahrplan des Hammelburger Bürgerbusses. Während des ersten Lockdowns fuhr er gar nicht. Seit Ende Mai kommt er nur auf telefonische Anforderung, um die überwiegend älteren Kunden zum Arzt zu bringen .

Mobilität ist Selbstbestimmung

Doch die Ungeduld bei den potenziellen Mitfahrern steigt. Das bekommen auch die Verantwortlichen des Bürgerbus-Vereins zu spüren. "Die Anrufe häufen sich", berichtet Vorsitzende Beate Ritter-Schilling bei einem Pressegespräch. Zudem wollen die ehrenamtlichen Fahrer endlich wieder loslegen.

Unter diesen Vorzeichen haben die Verantwortlichen vor Kurzem beschlossen, den Linienverkehr am 2. November wieder aufzunehmen. Trotz der zwischenzeitlich verschärften Corona-Lage will der Verein an dieser Entscheidung festhalten. "Mobilität ist ein Baustein zur Selbstbestimmung", so Beate Ritter-Schilling. "Unsere Senioren dürfen nicht ganz von der Bildfläche verschwinden", pflichtet Annemarie Fell bei.

Dabei nehme man die Pandemie keinesfalls auf die leichte Schulter, zumal neben den Senioren auch viele der ehrenamtlichen Fahrer altersbedingt zur Risikogruppe gehören. Deshalb orientiere man sich bei der Abwicklung der Fahrten an den aktuellen Vorgaben zum öffentlichen Personennahverkehr.

Und so hoffen die beiden Frauen, dass von dem Angebot rege Gebrauch gemacht wird. Allerdings appellieren sie an die Eigenverantwortung der Mitfahrer zum Schutz vor Corona. Im Bus mit den fünf Mitfahrer-Plätzen herrsche Maskenpflicht, die es unbedingt einzuhalten gilt. Zwischen dem Busfahrer und den Passagieren wird vorsichtshalber eine Plexiglasscheibe installiert.

Angefahren werden im täglichen Wechsel die Ortsteile von Hammelburg, Elfershausen und Fuchsstadt. Nur nach telefonischer Voranmeldung kommt der Bus nach Gauaschach und Morlesau. Abzuwarten sei, wie sich das Passagieraufkommen künftig nach Tagen verteilt. Sollte es auf einzelnen Fahrten Gedränge geben, müsse man vielleicht noch etwas an der Fahrplangestaltung machen, sagt Annemarie Fell.

Fahrer gesucht

Alles in allem sind die Organisatorinnen mit dem rund 20-köpfigen ehrenamtlichen Fahrerteam zuversichtlich, dass das Erfolgsmodell auch im elften Jahr seines Bestehens fortgeschrieben werden kann. "Dafür müssen wir immer wieder die Werbetrommel rühren", weiß Beate Ritter-Schilling. Das gilt für die Gewinnung von Passagieren, aber aktuell auch für Fahrer. Nach der Festlegung auf eine Altersgrenze von 75 Jahren scheiden nach und nach einzelne verdiente Helfer aus, für die Nachfolger willkommen sind.

Einen Nachfolger für den aktuellen Bus soll es 2021 geben. Die Anschaffung ist erforderlich, weil der Bus an manchen Tagen bis zu 200 Kilometer sammelt. Im Jubiläumsjahr 2019 verzeichnete der Bus insgesamt 5000 Fahrgäste.Wolfgang Dünnebier