Beide sind auf dem Valentinshof von Volker Schmitt in Münnerstadt. Während der 16-jährige Leon das erste Mal mit von der Partie ist, gehört Marco Wache schon fast zur Familie. Denn der Reichenbacher sitzt seit mehr als 20 Jahren Sommer für Sommer auf dem Schlepper und mittlerweile auch auf der Sämaschine. "Es ist eine Leidenschaft und Faszination", sagt der Reichenbacher, der sich in den heißen Sommerwochen nichts Spannenderes vorstellen kann, als bei der Ernte und Aussaat mit dabei zu sein.

Marco Wache war schon als kleiner Bub von fünf oder sechs Jahren am Ackerrand gestanden und konnte stundenlang zuschauen, wenn die Schmitts in der Reichenbacher Flur gesät oder geerntet haben. Mit sechs durfte er das erste Mal auf einem Traktor mitfahren und seitdem hat ihn die Leidenschaft für die schweren Maschinen gepackt. Mit 16 machte Marco Wache den Führerschein und stand wenig später bei den Schmitts auf dem Hof, um seine Arbeitskraft anzubieten Seitdem ist er in jedem Jahr dabei. "Er ist wie ein Festangestellter", stellt Volker Schmitt fest. Marco Wache kenne jede Maschine, weiß, wo jeder Acker liegt. Volker Schmitt schätzt seinen Erntehelfer sehr. Er weiß, dass ein solches Engagement nicht selbstverständlich ist. Marco Wache macht diesen anstrengenden Job ja neben bei. Hauptberuflich arbeitet er als kaufmännischer Angestellter in der Schweinfurter Industrie. Für die Arbeit in der Landwirtschaft nimmt er Urlaub oder Freizeitausgleich. "Ich habe Gleitzeit, da bin ich auch flexibel", sagt Wache.

Kontakt über Oma und Opa


Mit Leo Wagner ist heuer ein Gleichgesinnter auf dem Hof dazu gekommen. Wie seinerzeit Marco Wache ist der junge Oberbayer gerade einmal 16 Jahre alt. Doch die Leidenschaft für die Landwirtschaft hat auch ihn schon als kleinen Buben erwischt. Wenn er mal wieder verschwunden war, habe sein Vater schon gewusst, wo er ihn suchen musste. "Er hat nur nach einem kleinen Rotschopf auf den Feldern geschaut", erzählt Leon Wagner. Die Landwirtschaft gehört für ihn zum Alltag dazu. Nach der Schule geht er jeden Tag zu einem Bauern im Dorf, um dort zu mitzuarbeiten - einfach weil es im Spaß macht.

Auf den Münnerstädter Hof kam der Jugendliche über seine Großeltern. Herbert und Karola Röhlich wohnen in Münnerstadt. Karola Röhlich ist eine Schulkollegin von Heinz Schmitt, dem Seniorchef der Schmitt´schen Landwirtschaft. In diesem Jahr durfte Leon endlich seinen Traktorführerschein machen. Den hat er sich selbst finanziert. Und sein größter Wunsch war nach bestandener Prüfung, einen richtig großen Schlepper zu fahren.

Als Volker Schmitt dem jungen Oberbayern den Ferienjob auf seinem Hof zusagte, wusste er natürlich nicht, ob der Jugendliche ein vollwertiger Erntehelfer sein wird. Doch schon nach wenigen Stunden hat Leon Wagner seinen Chef überzeugt. "Er war auf dem Grubber und ist nicht mehr runter", lacht Schmitt. "Hier bin ich das erste Mal mit über 200 PS gefahren", erzählt der Jugendliche stolz.Keinen Tag hat Leon bislang in Münnerstadt bereut. Nur eines, sagt er, vermisst er ein bisschen: "Die Alpen am Horizont".

Marco Wache und Leon Wagner bringen nach Meinung von Volker Schmitt beide das Gefühl für die großen landwirtschaftlichen Fahrzeuge mit. Das müsse man einfach haben. Manche bekommen das nie, weiß Schmitt. Und auch die Äcker findet Leon Wagner mittlerweile schon recht gut. Geholfen hat ein Schlechtwettertag - sein erster Arbeitstag übrigens. Hofverwalter Fred Wolf hatte die Erntepause genutzt und ist mit dem jungen Waakirchner über die Lande gefahren und hat gezeigt, wo die einzelnen Ackerflächen liegen. Das habe ihm geholfen, sagt er. Aber manchmal sei es nicht einfach, sich alle Felder der großen Landwirtschaft zu merken, hat Leon Wagner die Erfahrung gemacht. Das ist für Marco Wache nach mehr als 20 Jahren kein Problem mehr. Er kennt die Fluren wie seine Westentasche.

Leon Wagner ist während der Erntewochen ausschließlich für die Bodenbearbeitung zuständig, während Marco Wache zwischenzeitlich auch die Aussaat übernehmen kann. "Das ist gewissermaßen der Ritterschlag", meint Volker Schmitt. Denn das Aussäen sei eine sehr schwierige Aufgabe, erklärt der Landwirt. "Fehler, die bei der Aussaat gemacht werden, siehst du das ganze Jahr". Mit der Aussaat werde der Grundstein für die kommende Ernte gelegt.

Fest in der Jahresplanung


Bis in den Oktober hinein wird Marco Wache immer wieder bei den Schmitts arbeiten. Wenn es losgeht, ist er meist sofort mit dabei. "Ich rieche es , wenn die Schmitts rausgehen", sagt er. "Für mich sind diese Wochen fest eingeplant". Auch seine Freunde und Bekannte wissen das längst. Früher sei er schon auch belächelt worden, erinnert er sich zurück. Mittlerweile sei das anders. Das liege auch daran, dass sich das Bild der Landwirtschaft geändert hat, glaubt er. Heute besuchen ihn seine Freunde auch schon mal auf dem Feld .

Ob auch Leon Wagner im kommenden Jahr wieder als Erntehelfer im Einsatz ist? Vorstellen kann er sich es auf jeden Fall. Aber er weiß noch nicht, er Zeit dazu haben wird, denn er wird mit der Schule fertig und will eine Ausbildung beginnen. Beworben hat er sich als Industriemechaniker, natürlich bei einem Landmaschinenhersteller.