Wenn Kinder Schwierigkeiten in der Schule haben, gibt es die Möglichkeit der Nachhilfe. Doch nicht alle Familien können sich das leisten. Und nicht immer geht es nur darum, den Soff zu lernen. Hier setzen die ehrenamtlichen LernpatInnen des Mehrgenerationenhauses (MGH) an, wie es Peter Bieniussa einer ist. Als Lernpate kümmert er sich um Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund und versucht, ihnen etwas Freude am Lernen zu geben.

Auch erwachsene Menschen werden durch LernpatInnen betreut, beispielsweise wenn es um die Vorbereitung auf die Deutschprüfung für den Sprachkurs geht. "Als kultureller Anker für die Familien mit Migrationsgeschichte bietet das Mehrgenerationenhaus verschiedene Angebote, die sie wahrnehmen", sagt Ute Reinisch, Koordinatorin des MGH. So würde sich das Angebot der Lernpatenschaft schnell in den Familien herumsprechen.

Kinder motivieren, zu lernen

Für das kostenlose Angebot trifft sich Bieniussa normalerweise mit den Kindern im MGH und geht mit ihnen Aufgaben durch, die sie für die Schule erledigen sollen. "Aber die Patenschaft geht darüber hinaus: Es geht darum, die Kinder zu motivieren, in die Schule zu gehen, zu lernen, und auch Mal mit den Lehrern Rücksprache zu halten."

Auch der Ausbau des Selbstvertrauens und Ermutigung des Kindes sind Teil der Patenschaft. Als pensionierter Förderschulenlehrer hat Bieniussa viel Erfahrung im Bildungsbereich. "Ich komme zu dem Treffen und sage: ,Zeig mir doch mal dein Heft". Dann lasse ich mir die eine oder andere Aufgabe erklären. So weiß ich schon Mal, wo das Kind richtig denkt und wo noch Schwierigkeiten sind", sagt er.

"gelebte Integration"

Vor dem Beginn der Patenschaft trifft er sich mit den Kindern und den Eltern, um im gemeinsamen Gespräch zu eruieren, ob eine Zusammenarbeit möglich ist, inwiefern Förderbedarf besteht und was die Vorstellungen der Eltern sind. "Das wichtigste ist erstmal ein Schulerfolg, ich schaue, wo es hakt und ob und wie ich unterstützend wirken kann." Erfolg ist für den pensionierten Lehrer aber auch, "wenn das Kind gerne zu den Treffen kommt und Spaß am Lernen findet. Oder, wenn es statt einer fünf eine vier oder drei in der Klassenarbeit schreibt."

Wie viele Angebote des Mehrgenerationenhauses, sieht Bieniussa seine Betätigung als "gelebte Integration", indem beim Zusammensein Werte, Kultur und ein verbessertes Sprachverständnis bei den Kindern vermittelt werden. Viele hätten zwar eine gute Bildung aus dem Heimatland, aber die Sprache stelle die ein Hindernis dar, das es ihnen erschwere, dem Unterricht gut zu folgen.

Versäumtes muss ausgeglichen werden

Wegen der Corona-Beschränkungen ist das Angebot jedoch eingeschränkt. Reinisch sagt: "Hier dürfen sie sich derzeit gar nicht treffen. Noch dazu kommt, dass unsere Lernpaten fast alle in der Risikogruppe sind." So trifft sich Bieniussa nur noch mit einem Kind, und das bei sich zu Hause.

Ute Reinisch und Peter Bieniussa sehen beide, dass durch die Pandemie viele Probleme auf die jungen Menschen zukamen. Die Veränderung des Unterrichtes und die Reduzierung der sozialen Kontakte würden manche sehr stark belasten und einschränken. Viele Kinder hätten Förderbedarf, weil das versäumte ausgeglichen werden müsste. Hätte Bieniussa sein Lernpatenkind nicht durch die Zeit begleitet und ihr eine Struktur gegeben, "hätte sie wohl das Lernen verlernt".

Soziale Ungleichheiten werden zunehmen

In einem Fachgespräch des MGH mit dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ging es ebenfalls um die Folgen der Pandemie. Dabei wurde klar: Soziale Ungleichheiten werden zunehmen und die Situation von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien würde sich verschärfen. Dadurch würden sich die Bildungsunterschiede erhöhen.

Außerdem sei es ein Problem, Ehrenamtliche wieder zurückzugewinnen oder neue zu finden. Daher sei es für das MGH derzeit sehr wichtig, Freiwillige als Lernpaten zu gewinnen. "Ich denke, schon bald wird der Bedarf an Unterstützung sehr groß werden. Deswegen sind wir um jeden froh, der bei uns als Lernpate mitwirken möchte", sagt Reinisch.

"wichtig, etwas Sinnvolles zu tun"

Bieniussa zumindest ist zufrieden, dass er nicht etwa bezahlt bei einem Nachhilfeverein, sondern ehrenamtlich im MGH seine Hilfe anbietet: "Für mich ist es vor allem wichtig, etwas Sinnvolles zu tun." Auch die offene Atmosphäre sei ein Grund gewesen, sich mit seinem Engagement für das MGH zu entscheiden. Dafür verzichtet der ehemalige Leiter eines Schulamtes in gerne auf den finanziellen Vorteil.

"Es bereitet mir Freude, den Kindern helfen zu können. Und es gibt einem Bestätigung, wenn man einen Erfolg miterlebt", sagt Bieniussa. "Und wir leben ja nicht nur für Geld, sondern auch für Bestätigung."

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