Silber-, Gold-, Diamant für 25, 50 oder 60 Jahre. Je länger ein Paar verheiratet ist, desto wertvoller die schmückende Bezeichnung für das Jubiläum. Die Eiserne Hochzeit nach 65 Ehejahren fällt da ein wenig aus dem Rahmen, hat aber durchaus Symbolkraft. Einerseits ist Eisen nicht leicht zu verbiegen und sehr beständig, andererseits kann es rosten und erinnert so an schwierigere Zeiten. Bei den Zieglers waren es vor allem arbeitsreiche Zeiten, aber das Ja-Wort von damals hat noch heute Gültigkeit. Zuneigung, Respekt und Liebe haben seit 65 Jahren die Schwelle des Hauses in der St. Michaelstraße nicht verlassen.

Das Jubelpaar ist stolz auf die Harmonie in der ganzen Familie mit zwei Söhnen, Gerhard und Helmut, deren Ehefrauen, vier Enkeln und vier Urenkeln, und sie sind glücklich, dass man im eigenen Haus mit der Familie des zweitgeborenen Sohnes Helmut, der das Geschäft des Viehhandels übernommen hat, zusammenleben darf. Das erfordert Toleranz, hält aber auch jung, wenn das Leben ringsum pulsiert und man ein Teil davon ist. "Diese Toleranz hat die Familie ausgezeichnet", meint Richard und ergänzt dankbar, trotz seiner Beschwerden: "So könnt' es bleiben." Gattin Helmtrud meint: "Dafür hat auch der Herrgott gesorgt", und so wird am Jubeltag die wegen Corona auf mehrere Tage gestückelte Feier auch mit einem Dankgottesdienst in der Kirche gefeiert.

Gemeinsam viel erreicht

Richard Ziegler ist in Albertshausen geboren, sein Beruf als Viehhändler aber hat ihn weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt gemacht. Er kennt die Höfe in Unterfranken, sogar bis nach Hessen und in den Frankfurter Raum reichten seine Verbindungen. Den Bauern war er fairer Partner und viele, die ihren Hof längst aufgegeben haben, erinnern sich an den "Zieglersch Richard", schätzen ihn noch heute.

Der 89-jährige Jubilar wuchs im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern in Albertshausen auf, absolvierte in Bad Kissingen eine Metzgerlehre - Arbeitsbeginn vier Uhr früh, Lohn fünf Mark im Monat -, zog es dann aber doch vor, in den Viehhandel zu wechseln. Schnell baute er sich eine Existenz auf. Über seinen ersten Lkw, der noch mit Gasflaschen betrieben wurde, staunten die Albertshäuser.

Sein privates Glück begann 1956. Beim Tanzen hat es mit Helmtrud Weigand aus Thulba gefunkt. Schon ein Jahr später führte er die glückliche Braut vor den Traualtar. "Jung gefreit, hat nie gereut, bei uns stimmt das Sprichwort", lacht Helmtrud, und Richard nickt. Geschafft wurde zeitlebens viel im Hause Ziegler. Neben dem Viehhandel war da noch die Landwirtschaft, "als Frau sorgte man nicht nur für die Kinder, sondern organisierte den gesamten Familienbetrieb, das war damals so", sagt die Jubilarin rückblickend. Freizeit gab es wenig, Urlaub fast gar nicht, kleinere Reisen höchstens. Nur 1996 führte sie eine unvergessliche Fahrt über den großen Teich zu einem ehemaligen Schulkollegen nach Florida.

Zufrieden und umsorgt

Das lange arbeitsreiche Leben hat Spuren hinterlassen, aber die Eheleute sind nicht allein. Schwiegertochter Christa hilft im Haushalt, und Enkelin Laura - sie ist Krankenschwester - pflegt ihren Opa Richard, der auf Hilfe angewiesen ist, fürsorglich und wie selbstverständlich. Das Jubelpaar hat sich das häusliche Leben wohlig gestaltet, fühlt sich umsorgt, strahlt Gelassenheit und Zufriedenheit aus. Das Glück hält auch nach 65 Jahren Ehe noch an.

Wie sehr die Familie Kraft gibt, zeigt ein liebevoll gestaltetes Album, auf das Helmtrud besonders stolz ist. Viele Familienfeiern sind in Wort und Bild mit Grußkarten, Glückwünschen, Liedtexten von Auftritten bis hin zu Malkunst von den Enkelinnen und Enkeln festgehalten. Eine Seite gefällt Helmtrud besonders, da heißt es: "Gefunden, getraut, gebaut, gehofft, geschafft, gekämpft, geliebt, gewachsen - Geglückt!"