In der Pfarreiengemeinschaft Oberer Sinngrund durften die Gottesdienst-Besucher bei den neuen Gottesdienst-Zeiten am Sonntag mitreden: Pfarrer Florian Judmann überließ den Gläubigen die Entscheidung, ob die Glocken in Zukunft erst eine halbe Stunde später zur Eucharistiefeier rufen sollen, oder ob alles beim Alten bleibt. Das Ergebnis war eindeutig: 192 von 280 Katholiken sprachen sich für die Verschiebung aus. Am kommenden Sonntag, 5. August, können die Gottesdienstbesucher also schon eine halbe Stunde länger ausschlafen.

Familienfreundliche Uhrzeit


"Mir ist aufgefallen, dass sich vor allem Familien mit jungen Kindern sehr schwer tun, in den Gottesdienst zu kommen", erzählt Pfarrer Florian Judmann. Seit drei Monaten ist er als Seelsorger für die Pfarreiengemeinschaft zuständig, betreut die Pfarreien Oberbach und Wildflecken sowie die Kuratie Riedenberg. So kam er überhaupt erst auf die Idee, die Gläubigen über die Zeiten abstimmen zu lassen. "Vor der Abstimmung habe ich mich auch in den Strick- und Seniorenkreisen umgehört", sondierte der Pfarrer zunächst die Lage, bevor er aktiv wurde.
Dann kündigte er die Idee von den drei Kanzeln herab an. "Die Gemeinden haben den Vorschlag ganz offen aufgenommen", freut sich Judmann über die insgesamt sehr positive Resonanz. In der Pfarreiengemeinschaft sei es seines Wissens nach die erste Abstimmung dieser Art, aber: "Das gibt es woanders immer wieder mal", sei das in der Diözese Würzburg nichts vollkommen Neues.

Langschläfer setzen sich durch


Abgestimmt wurde sozusagen mit den Füßen: Wer durch die eine Kirchentür ging, stimmte für die alte Regelung, nämlich Sonntagsgottesdienste um 8.30 und 10 Uhr, die andere Tür stand für die neuen Zeiten um 9 und 10.30 Uhr. Die Ministranten zählten mit. Insgesamt nahmen an den drei Gottesdiensten 280 Christen teil: 192 stimmten für die neuen Zeiten, lediglich 78 wollten die alte Regelung beibehalten.
In den einzelnen Gemeinden fielen die Ergebnis sehr unterschiedlich aus: In Riedenberg war die Fraktion der Langschläfer am stärksten: 52 stimmten für die späteren Gottesdienstzeiten, nur fünf für die alten. In Wildflecken fiel das Ergebnis mit 41 zu neun Stimmen für die Verschiebung ebenfalls sehr eindeutig aus.
Nur in Oberbach gibt es offenbar viele Frühaufsteher, die auch gerne zeitig am Morgen in die Kirche gehen: 64 Katholiken sprachen sich für die alte Regelung aus, trotzdem gab es aber auch in Oberbach mit 99 Teilnehmern noch eine Mehrheit für die neue Regelung.

Keine Urlaubsvertretung


"Ich habe viele Rückmeldungen bekommen, dass die Menschen froh über die Entscheidung sind", berichtet Pfarrer Judmann. Er hätte nach eigenen Worten alle Ergebnisse akzeptiert, wichtig ist ihm nur, dass zwischen den Anfangszeiten eineinhalb Stunden Zeit liegen: In einer seiner früheren Gemeinden hätten die Gottesdienste um 9 und 10.15 Uhr begonnen. "Das war immer sehr gehetzt", erinnert er sich. Aber auch ganz früh am Morgen hält er Gottesdienst, wenn die Kirche nur voll ist: "Als Kaplan hatte ich einen Ort, in dem alle unbedingt den Gottesdienst am Sonntag früh um 8 Uhr haben wollten", berichtet Judmann und erfüllte den Menschen ihren Wunsch.
In der Pfarreiengemeinschaft Oberer Sinngrund wechseln die drei Gottesdienstzeiten Samstagabend 18.30 Uhr und die beiden Sonntagszeiten reihum. Am kommenden Wochenende, 4. und 5. August, ist beispielsweise Oberbach mit dem Vorabend-Gottesdienst am Samstag um 18.30 Uhr an der Reihe. Am Sonntag folgt um 9 Uhr die Messfeier in Wildflecken und um 10.30 Uhr in Riedenberg. Dann naht die Stunde der Wahrheit und es wird sich zeigen, ob die Verschiebung um eine halbe Stunde nach hinten auch zu volleren Kirchen führt. Am Altar steht übrigens auch in den kommenden Wochen Pfarrer Judmann selbst. Im Gegensatz zu vielen seiner Mitbrüder ist er im Sommer in seiner Gemeinde: "Ich teile mir meinen Jahresurlaub immer lieber über das gesamte Jahr hinweg ein", sagt er zur Erklärung. Dadurch sei kein Aushilfspfarrer notwendig und er könne sich zwischendurch mal erholen.