Bei der Vorstellung des fast fertigen Konzepts in Wasserlosen gab es allerdings überraschend Einwände von Landwirten. Sie befürchten weiteren Landverbrauch.
Dass das Konzept eine Chance für die Gemeinden ist, Fördermittel bei ihrem Wegebau zu erhalten, machte der Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) deutlich. "Es muss ja nicht gebaut werden, es kann", sagte Johannes Krüger. Bislang gab es Förderung für Wegebau nur im Rahmen von Flurbereinigungen.


Interkommunale Sitzung

Diese Botschaft hörten etwa 100 Gemeinderäte aus den zehn Mitgliedsgemeinden der Allianz bei einer interkommunalen Gemeinderatssitzung in der Dr.-Maria-Probst-Halle in Wasserlosen. Und obwohl das Kernwegenetzkonzept seit März 2015 von der beauftragten BBV-Landsiedlung immer wieder mit Gemeinderäten, Bürgermeistern, Landwirten und Fachbehörden abgestimmt wird, sorgten jetzt kurz vor Schluss etliche Landwirte für Gegenwind.
Dabei bedeutet es nicht, dass die 210 Kilometer möglichen ländlichen Kernwege im Oberen Werntal alle neu gebaut werden müssen, machte Planer Peter Pfeuffer deutlich. 92 Prozent davon seien ja bereits befestigt, sind Gemeindeverbindungs- oder Wirtschaftswege, aber teilweise halt aus den 1960er-Jahren, so dass sie ertüchtigt werden müssen. Knapp 17 Kilometer, also acht Prozent, seien noch unbefestigte Erdwege oder Lückenschlüsse.


Langfristige Empfehlung

Das Konzept sieht eine Umsetzung in einem Zeitraum von 25 Jahren vor, wobei es kurz-, mittel- und langfristige Empfehlungen gibt. Die Umsetzung erfolge schrittweise, sagte Pfeuffer. Wegen des nötigen Flächenerwerbs sei viel Kraft und Ausdauer nötig. Allerdings: "Das Konzept beinhaltet kein Baurecht." Wenn eine Gemeinde eine Umsetzung wolle, müsse sie eine Detailplanung erarbeiten.
Laut Krüger gibt es drei Möglichkeiten, den Wegebau umzusetzen. Zunächst das Gemeindemodell mit 60 Prozent Förderung der Nettobaukosten, bei dem die Kommune als Bauträger auftritt, wenn nur eine geringe Bodenordnung nötig ist. Zweitens das Bodenneuordnungsmodell mit einem Regelverfahren oder vereinfachten Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz, das mit Tausch und Neuverteilung agiert und bei dem die Förderung je nach Bodengüte zwischen 65 und 75 Prozent beträgt, plus zehn Prozent Bonus für das vorhandene ILE (Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept). Drittens das Infrastrukturmodell, wenn der Kernweg eine wirklich überörtliche Bedeutung hat.


Sieben bis acht Meter breit

An der Regelbauweise eines Kernweges entzündete sich eine heftige Diskussion im Saal. Der Asphaltweg selbst soll 3,50 Meter breit werden, plus 75 Zentimeter Schotterbankett an jeder Seite, mit einer Tragfähigkeit von elf Tonnen Achslast. Dazu kommen zwei Entwässerungsgräben, also insgesamt sieben bis acht Meter Breite.
Während die Fachleute von der Notwendigkeit der Gräben ausgehen, wurden diese von Landwirten unter den Gemeinderäten angesichts der niederschlagsarmen Region bezweifelt. Sie kritisierten den Landverbrauch und verwiesen auf die erhöhte Unfallgefahr, beispielsweise wenn man einem Radfahrer ausweichen müsse. Der Schlepper könne dann schnell im Graben landen. Zudem müssten beim Spritzen von Pflanzenschutzmitteln zu Gräben andere Abstände eingehalten werden. Thema war auch die Pflege von Gräben und Banketten.
Ein weiterer Wermutstropfen: Für den Wegebau müssen auch Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden. Kreis-Bauernverbandsobmann Konrad Klein plädierte deshalb für ein "vernünftiges Netz, aber auf eine Art, die für uns passt".


"Promillewege?"

Manfred Greubel aus Oerlenbach wies darauf hin, dass ab 2017 der Rübenanbau in der Region ausgebaut und die Saison verlängert wird. Die Abfuhr erstreckt sich dann von Mitte September bis Mitte Januar. Als Vorstandsvorsitzender der LMZ Zeil West, der Abfuhrgemeinschaft für Zuckerrüben, forderte er starke Wege. Denn sie müssten 40-Tonnen-Rüben-Laster tragen und würden in kurzer Zeit häufig befahren. Auch entsprechend große Kurvenradien seien nötig. Dagegen fürchtete Landwirt Michael Reck, dass die Kernwege verstärkt als "Promillewege" und Schleichwege genutzt werden.
Wasserlosens Bürgermeister Anton Gößmann nahm mit Gelassenheit die Schärfe aus der Diskussion: Das Konzept sei nur eine Grundlage, eine Hilfe für Gemeinden. Wenn die Landwirtschaft sage, sie brauche den Weg nicht, dann werde er auch nicht gebaut. Er selbst könne das Konzept aber gut für seine Ortsverbindungsstraßen brauchen.
An zwei Tafeln mit den Karten der konzipierten Kernwege zeigten sich hinterher die meisten Besucher im Grundsatz zufrieden mit der Planung. Kleine Korrekturen sollen noch eingearbeitet werden, bevor das Amt das Konzept genehmigt.