Mit einer Poliermaschine reinigt ein Arbeiter eine Wandschalung, er entfernt Staub, Schmutz und schmiert die Oberfläche mit einer Trennsubstanz ein. Ein Kran stellt die Schalung auf, dann wird die Bewehrung - ein Skelett aus dicken Stahldrähten - angebracht und Lehrrohre für Strom- und Wasserleitungen werden gelegt. "Dann kommt die zweite Schalung davor, alles wird verspannt und dann wird betoniert", erklärt Wolfgang Reith von der Hochbauabteilung am Landratsamt. Die Trennsubstanz verhindert dabei, dass der Beton kleben bleibt und aus der Wand herausbricht, wenn die Arbeiter die Schalelemente nach dem Aushärten wieder entfernen.

Der Beton trocknet schnell. "Nach etwa zwei Tagen wird die Schalung entfernt", erläutert der Ingenieur. Wird sie zu lange stehen gelassen, besteht die Gefahr, dass sich der Beton stellenweise verfärbt - ein optisches Manko für das spätere Bürogebäude, das es zu verhindern gilt. "Der Architekt legt Wert auf eine schöne Oberfläche."
Acht bis zehn Arbeiter sorgen aktuell dafür, dass die erste Etage für den Erweiterungsbau des Landratsamtes in die Höhe wächst. "Der Rohbau ist in vollem Gange. Im Moment werden die ersten Wände im Erdgeschoss gestellt", berichtet Architekt Thomas Steimle. Ein Teil der Außenwände steht bereits, außen mit aufgehelltem Beton, innen mit glatten Sichtbeton. Das Treppenhaus ist eingeschalt und wird im Lauf der Woche betoniert. "Dann geht es Stück für Stück nach oben."


Rohbau bis Ende des Jahres fertig

Steimle fährt mehrmals im Monat von Stuttgart nach Bad Kissingen, um den Baufortschritt zu besichtigen, beispielsweise in Bezug auf den Sichtbeton. Die Oberfläche wird zwar später noch mit einem Spezialverfahren gegen Staub und Schmutz behandelt, optisch ändert sich allerdings nicht mehr viel. So wie die Wände betoniert wurden, schauen sie mit wenigen Ausnahmen im fertigen Neubau aus. Im Treppenhaus etwa werden die Wände noch sandgestrahlt und erhalten eine etwas gröbere Struktur. Der Architekt ist mit den ersten Wänden zufrieden. "Wir haben hier ein sehr schönes Ergebnis erzielt", sagt er. Damit das so bleibt, sind die Innenwände von schwarzen Plastikplanen verdeckt, die sie vor Wind und Regen schützen.

Die aufwendigen Arbeiten im Erdreich, inklusive Mühlbachverlegung, archäologischen Grabungen sowie Bohrpfahlgründung sind seit einigen Wochen ohne Störungen abgeschlossen. "Es war sehr viel los im Untergrund, aber es war gut geplant und lief ruhig und koordiniert ab" berichtet Steimle. Obwohl die Arbeiten im Moment leicht in Verzug sind, soll der Rohbau bis Ende des Jahres fertig und winterfest sein.

"Die Arbeiten im Erdgeschoss dauern etwas länger", erklärt der Architekt. Weil das Gebäude keinen Keller hat, ist der Technikraum ebenerdig untergebracht. Außerdem sind die Räume im Parterre höher als auf den übrigen zweieinhalb Etagen. Dort gehe der Ausbau dann zügiger voran.