Langsam gräbt sich der riesige Bohrer in den Untergrund. Etwa sechs Meter geht es durch Erdreich, die letzten zwei Meter frisst er sich durch Gestein. "Auf Fels müssen wir gründen. Ein normales Fundament können wir da nicht machen", erklärt Wolfgang Reith von der Hochbauverwaltung des Landratsamtes. Er begleitet die Arbeiten für den Erweiterungsbau der Behörde, der bis Ende 2018 in Richtung Mühlgasse und Eisenstädter Platz entsteht.

Der Bohrer ist ein echter Koloss: 80 Tonnen schwer, 4,60 Meter breit und mehr als 20 Meter hoch. "Beim Transport ging es teilweise sehr eng zu", berichtet Reinhard Ehras. Der Mitarbeiter einer Augsburger Firma führt die große Baumaschine. Ein Schwertransporter hat den Bohrer am späten Dienstagabend in Zentimeterarbeit auf die Baustelle rangiert. 44 Löcher wird Ehras damit bis voraussichtlich Ende nächster Woche in die Erde bohren. Die Erdarbeiten werden nach wie vor archäologisch begleitet.

75 beziehungsweise 90 Zentimeter Durchmesser haben die Bohrpfähle genannten Löcher. In jeden Bohrpfahl wird erst ein Stahlskelett geschoben, anschließend wird er mit Beton aufgefüllt. "Es wird ein Spezialbeton verwendet, damit er dem Heil- und Grundwasser im Boden standhält", erklärt Reith. Das hochmineralisierte Heilwasser könnte die Kalkanteile aus normalen Beton herauslösen und so das Material zersetzen.


Qualität der Heilquellen sichern

Bei Grabungen ab rund zwei Metern Tiefe sind in Bad Kissingen grundsätzlich wasserrechtliche Genehmigungen zum Schutz der Heilquellen erforderlich. Das Wasserwirtschaftsamt ist bei den meisten Baumaßnahmen eingeschaltet, so auch bei der 7,8 Millionen Euro teuren Erweiterung des Landratsamtes. "Die Bohrungen liegen im qualitativen Heilquellenschutzgebiet", erläutert Uwe Seidl, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Betroffen sind die Heilquellen Rakoczy, Max und Pandur, die teilweise schon ab einer Tiefe von sieben bis acht Metern unter dem Grundstück beginnen.

Um dem Heilwasser nicht zu schaden, muss jeder Pfahl sofort wieder mit Beton aufgefüllt werden. Dann erst darf der nächste gebohrt werden. "Kurz vor Erreichen der Bohrtiefe muss bereits der Betonlaster bereit stehen", sagt Seidl. Das schnelle Verschließen ist notwendig, um zu gewährleisten, dass durch das Loch kein Gas aus den Heilquellen austreibt. In dem Fall könnte sich die Zusammensetzung des Wassers ändern. "Es geht darum, die Qualität der Brunnen zu sichern", sagt er.

Im Zuge der Bauarbeiten wird der Mühlbach verlegt, der unter dem Grundstück in Richtung Saale verläuft. Der bestehende Kanal liegt zu hoch. Auch hier ist das Wasserwirtschaftsamt eingebunden, um zu prüfen, dass sich das Abflussverhalten des Baches durch die Eingriffe nicht verschlechtert.