Ein schweres Unglück? Das passiert nur anderen. Diese Vorstellung hilft, im Alltag nicht ständig Angst zu haben. Und dann ist der Moment doch da. Ohne Vorwarnung drängt er sich ins Leben. Plötzlich gibt es keinen Alltag mehr. Ohne es zu wollen, in eine Situation zu geraten, die alles Bisherige verändert. Eine Ausnahmesituation. Dann ist es gut, wenn jemand da ist. Jemand, der unterstützt. Das ist die Aufgabe von Notfallseelsorgern. Jeder Einsatz ist eine Herausforderung.

Ein Beispiel: "Der 80-jährige Ehemann ist zu Hause aufgrund eines Herzinfarktes verstorben. Der Rettungsdienst ist da. Die 82-jährige Ehefrau ist völlig durch den Wind." So beschreibt Dekan und Notfallseelsorger Stephan Hartmann ein mögliches Einsatz-Szenario.

Wie lässt sich helfen? Eine Möglichkeit: Der Notseelsorger hilft der Ehefrau, sich vom Verstorbenen zu verabschieden. Wenn die Frau es wünscht, sprechen sie gemeinsam ein Gebet. Die Notfallseelsorge arbeitet ökumenisch.

Mit beim Einsatz ist ein Notfallrucksack. Darin befinden sich Kerzen, eine Bibel, ein Plüschtier, Ausmalbilder und ein Handschmeichler zur Beruhigung. "Manchmal braucht jemand auch einen Schnaps", sagt Hartmann.

Während eines Einsatzes kümmert sich Hartmann auch darum, dass Familie, Freunde oder Nachbarn verständigt werden. "Ziel ist es, ein soziales Umfeld herzustellen. Es geht darum, ein tragendes Netz aufzubauen, das sich um Betroffene kümmert, wenn die Notfallseelsorger wieder gehen", sagt Hartmann. Die Seelsorger hinterlassen Flyer bei den Angehörigen, die auf Beratungsstellen und Trauerbegleitung hinweisen.