Die Pandemie hat viele Routinen ins Wanken gebracht. Vor allem für Familien bedeutet es eine große Umgewöhnung. Seit Monaten kein Kindergarten, keine Schule, dafür Homeschooling und Arbeit von zuhause: Das kann eine echte Belastungsprobe bedeuten - auch für den Glauben.

Glaube und Religiosität wird in Familien immer weniger von Generation zu Generation weitergegeben. Und selbst Eltern, die ihren Glauben mit der Familie leben wollen, stehen vor der Frage: Wie geht das momentan überhaupt?

Ostern, das höchste christliche Fest, feierten die Menschen dieses Jahr nur im kleinsten familiären Kreis. Nun steht das Pfingstwochenende vor der Tür. Gottesdienste in der Kirche finden nur unter Einschränkungen statt. Die Corona-Krise stellt auch die Kirche vor neue Fragen: Wo und wie leben Menschen ihren Glauben? Was bleibt zuhause vom Glauben übrig? Wie sieht Kirche zukünftig aus?

Die Kirche im Kleinen

"Die Krise tut der Kirche gut", findet Bernd Keller, Ehe- und Familienseelsorger im Landkreis Bad Kissingen. Die Hauskirche rücke nun in den Fokus. Darunter versteht er die kleinste Einheit der Gläubigen. Das können zwei Menschen sein oder eine Familie, die sich versammelt und den Glauben teilt. "Die Kirche, die sich im Großen versammelt, braucht auch die Versammlung im Kleinen", sagt er.

Die "große Kirche" sei - wie die Gesellschaft auch - zum Teil außer Balance gekommen. Es habe sich eine Kultur entwickelt, die sich zu sehr auf das Große und Mächtige fokussiere, findet Keller. Große und prachtvolle Kirchengebäude seien dafür ein Ausdruck.

Aber "wenn die Kirchenglocke läutet, wer geht dann noch hin?", fragt Keller. Und bezieht sich darauf, dass in die Kirche "ganz wenige junge Menschen unter 50 Jahren" kommen.

"Die Kirche muss sich besinnen auf ihren Kernauftrag", findet er. Auftrag der Kirche sei es, den Menschen zu helfen, ihre eigene persönliche Gottesbeziehung zu finden. "Man kann Jesus als Coach, quasi als Navigationssystem, entdecken und sich an seinem Wort ausrichten." Das helfe - auch bei familiären Konflikten.

"Seit der Krise ist das Stresslevel in Familien deutlich gestiegen", sagt Diana Schölzel von der Erziehungsberatung der Caritas für den Landkreis Bad Kissingen. Konflikte, die schon vor der Krise bestanden, hätten sich verschärft. Neue Probleme seien dazugekommen.

Probleme in der Familie

"Mütter sind sehr gestresst, weil sie ihre Kinder gut versorgen wollen", sagt Schölzel. Kindergartenkinder könnten sich meist nicht länger als 15 Minuten selbständig beschäftigen. "Dann brauchen sie neuen Input oder Zuwendung", sagt die Erziehungsberaterin. Bei Schulkindern machten sich Eltern oft selbst Druck. Das Kind solle, wenn die Schule wieder aufmacht, gut mitkommen. Wenn dann noch neue Arbeitsweisen im Home-Office dazukommen und eine dringende Arbeit für den Chef erledigt werden muss, kann das schnell zu einem Gefühl der Überforderung führen.

"Es gibt wenig Momente, in denen die Leute durchschnaufen können. Das macht die Familie konfliktanfälliger", sagt Schröder.

Das Wort Jesu lasse sich auch bei Erziehungsfragen anwenden, sagt Keller. Eltern könnten "in die Schule bei Jesus gehen". "Danke, Bitte, Entschuldigung, das lernt man bei Jesus immer wieder neu", findet er. Was banal klingt, hat für das zwischenmenschliche Miteinander eine entscheidende Bedeutung. "Wer aufhört, sich zu entschuldigen, hat schon verloren. Denn dann hat man vergessen, dass man nicht der Nabel der Welt ist", sagt Keller.

Aber wie funktioniert das? Wie können Eltern "in die Schule bei Jesus" gehen? Zum Beispiel, indem man die Bibel liest, schlägt Keller vor. Eine Predigt sei nur "Second Hand". "Die Bibel ist das Original", sagt er. Um sich mit dem Wort Gottes auseinanderzusetzen, lädt er zum virtuellen Bibellesen ein (siehe Infokasten unten).

Weitere Ideen bietet die Diözese Würzburg auf ihrer Internetseite an. Dort gibt es für Familien etwa einen Pfingstgottesdienst als Audiodatei oder Geschichten, Videos, Bastelanleitungen und Gesprächsimpulse für Paare. "Wir haben versucht, dass die Angebote recht niederschwellig sind, sodass die Familien nicht noch zusätzlich etwas organisieren müssen", sagt Lucia Lang-Rachor von der Ehe- und Familienseelsorge im Bistum Würzburg.

Lucia Lang-Rachor rät Familien, die eigene Leistung auch anzuerkennen, "sich selbst auf die Schuler zu klopfen". Es müsse nicht alles perfekt laufen. Es sei auch eine Zeit, in der Kinder lernen, Alltagssachen im Haushalt zu verrichten.

Ideen für den "Glauben zuhause": Tipps vom Familienseelsorger Bernd Keller

Herrgottswinkel Gestalten Sie einen Platz, an dem Kerze, Kreuz und Bibel ihren Platz haben. Ergänzen Sie Ihren heiligen Ort zuhause mit den Dingen, die Sie daran erinnern, dass Gott da ist und Sie begleitet (Taufkerze, Hochzeitskerze, Jakobsmuschel, Rosenkranz).

Zeit Reservieren Sie sich jeden Tag Zeit mit Gott. Das kann sein: Stille, ein Gebet, ein Lied und ein Wort aus der Bibel.

Bibellesen Wer Interesse hat, schickt eine Mail an bernd.keller@bistum-wuerzburg.de. Es folgt für die Woche nach Pfingsten ein Link, um online eine Stunde in der Bibel zu lesen.

Pfingstgottesdienst Audioaufnahmen finden Sie unter https://familie.bistum-wuerzburg.de

Netzgemeinde https://netzgemeinde-dazwischen.de/