Leute klatschen auf Balkonen und Ministerpräsidenten zahlen Boni. Ist das die Veränderung, die Pflegekräfte seit Jahren herbeisehnen? Betroffene sagen, eher nicht.

In Altenheimen wohnt die Hochrisikogruppe für Covid-19: Daher sind hier die Veränderungen des Alltags sehr spürbar - für Pflegende wie für Bewohner. Letztere dürfen nur mit triftigen Grund das Heim verlassen. Das Personal trägt nun durchgehend Mundschutz, muss mit dem Problem der zur Neige gehenden Schutzkleidung umgehen. Aufgaben, wie das Desinfizieren von Oberflächen kommen hinzu.

Der Bonus aus Bayern

Markus Söder hat wegen des Mehraufwandes, den die Pflege unter den Coronaauflagen hat, einen einmaligen Bonus von 500 Euro versprochen. Marietta Eder (Schweinfurt), stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin von ver.di, ist seit gut vier Jahren mit dem Thema Pflege beschäftigt. Sie findet die Bonuszahlungen eine gute Sache, aber nicht jeder profitiere davon. Reinigungskräfte in Heimen und Kliniken bekämen die Zahlung nicht.

Auch eine Pflegekraft, die anonym bleiben will, ist zu diesem Thema zwiegespalten: "Also erstmal, es sind 500 Euro bares Geld auf die Hand, das ist schon toll." Andererseits merkt sie auch an, dass es sich etwas anfühlt, als wolle der Staat sie damit abspeisen. Es kommt ihr "ein wenig wie Bestechung" vor, als "drückt Vater Staat dem kleinen Bürger einen Batzen Geld in die Hand: Damit es weiter gehen kann wie zuvor, aber ohne das Motzen." Damit missachte die Regierung, dass nicht nur die Bezahlung in der Pflege ein Problem sei, sondern auch die Bedingungen, unter denen sie arbeiten. "Es ist im Großen und Ganzen eine schöne Aufmerksamkeit, aber ein Tropfen auf dem heißen Stein", findet die Pflegekraft.