Gemunkelt worden ist über eine mögliche Schließung ja schon seit langem. Nun wird aus dieser Spekulation traurige Gewissheit. Ausgerechnet in eine Informationsveranstaltung zum Thema "Integriertes Städtisches Entwicklungskonzept", das eine Vitalisierung der Innenstadt zum Ziel hat, platzte die Nachricht von der geplanten Schließung. Georg Endres hatte die Frage aufgeworfen, ob der Markt in der Nachbarschaft seines Schreibwarengeschäftes schließe. Bürgermeister Ernst Stross (SPD) sagte, er wisse seit dem Wochenende von solchen Plänen. In der Zwischenzeit hat Stross nach eigenem Bekunden mit der Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen mbH telefonisch Kontakt aufgenommen. Weitere Gespräche mit der Konzernleitung sollen folgen.

Alle Bedenken zerstreut


Vor nicht einmal einem Jahr hatte es noch ein Gespräch zwischen Vertretern aus dem Rathaus und Edeka-Management gegeben. Dabei hatte der Bürgermeister die Befürchtung vorgetragen, Kupsch könne die Filiale schließen. "Damals sind alle unsere Bedenken vom Tisch gewischt worden. Und nun das."
Von Seiten der Geschäftsleitung wurden die von der Redaktion im Zusammenhang mit der geplanten Schließung der Filiale gestellten Fragen am gestrigen Abend beantwortet. "Die wirtschaftliche Lage hat den Ausschlag für die Anfang des Jahres getroffene Entscheidung gegeben, die Filiale Hammelburg aufzugeben." Jahr für Jahr seien in Hammelburg Lebensmittler hinzu gekommen. "Mittlerweile sind es viel zu viele".

13 Mitarbeiter betroffen


Die Schließung werde voraussichtlich Ende August/ Mitte September vollzogen, verlautet es aus der Geschäftsleitung in Rottendorf. Wie es dann mit den 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Filiale weitergeht, ist fraglich. Einige sind seit Jahrzehnten bei Kupsch beschäftigt. Sie alle intern bei E-Center oder Netto weiter zu beschäftigen, dürfte schwierig werden.
Am 17. Juli 1970 war eine Filiale des 1914 von Bernhard Kupsch gegründeten Unternehmens in Hammelburg sesshaft geworden. Vor etwa zehn Jahren erfolgte der Umzug von dem zentrumsnahen Geschäft in die heutige Liegenschaft mit 665 Quadratmetern Verkaufsfläche. Für viele Hammelburger ist die Verlegung des Geschäftes bis heute nicht nachvollziehbar und für sie der entscheidende Grund für die offensichtlich nicht ausreichenden Umsatzerlöse.

Innenstadt-Bewohner stark betroffen


Die Schließung der hiesigen Kupsch-Filiale - es ist eine von derzeit noch 29 - trifft Hammelburg hart. 91 Prozent des Angebotes an Nahrungs- und Genussmitteln gibt es an der Peripherie. In der Innenstadt ist ein kleines Segment von lediglich neun Prozent vorhanden. Gerade für viele ältere Bewohner der Innenstadt ist die Kupsch-Filiale in der Bahnhofstraße eine willkommene, weil fußläufige, Einkaufsquelle. Fünf Parkplätze in der Bahnhofstraße direkt vor dem Ladengeschäft und zehn bis zwölf Stellplätze gegenüber ermöglichen es auch Kunden von außerhalb, ihre Einkäufe bequem zu erledigen.

"Wir bedauern das sehr"


Für Marianne und Heinz Lachnit kommt die Nachricht von der geplanten Schließung nicht ganz überraschend. "Gemunkelt wird ja schon seit längerem." Aber dennoch finden Beide eine Verwirklichung solcher Pläne durch die Konzernleitung sehr schade. "Gerade für die Innenstadtbewohner ist das ein herber Verlust. Aber auch wir werden das sehr bedauern, denn von unserer Wohnung aus sind wir eigentlich schnell einmal zum Kupsch gelaufen."
In die gleiche Kerbe schlägt Armin Weidenthaler. Er kommt gerade mit einer prall gefüllten Einkaufstüte aus dem Kupsch-Markt und lädt die Waren in sein vor der Ladentüre geparktes Auto. "Ich höre das gerade zum ersten Mal. Das ist ja furchtbar. Ich kaufe hier sehr gerne ein wegen der frischen Produkte", bedauert Weidenthaler diese Schließungspläne. "Wenn es so kommt, ist es jammerschade."