Wer dazu etwas sagen könnte, wäre der Leiter der Kurgärtnerei, Matthias Dürr. Doch der darf nicht. Kurdirektor Gunter Sauer hat ihm untersagt, ohne seine Genehmigung Auskunft zu erteilen. Sauer wiederum war gestern nicht erreichbar.
Mitarbeiter der Kurgärtnerei, die namentlich nicht genannt sein wollen, machen in erster Linie den Rückbau beim Personal verantwortlich. So seien zum Beispiel zwischen Lindesmühlpromenade und Gradierwerk früher einmal bis zu 14 Gärtner eingesetzt gewesen, inzwischen sollen es nur noch deren vier sein. "Wir machen, was wir können," sagt ein Kurgärtner.

Gras statt Blumen


Diese negative Entwicklung macht sich inzwischen an vielen Stellen bemerkbar. So war zum Beispiel der Kurgarten am Wochenende vor Pfingsten noch nicht bepflanzt. In der Kurhausstraße längs des ehemaligen Steigenberger Hotels bestehen die in die Straße eingelassenen Beete inzwischen nur noch aus Rasen. Früher gab es hier Blumen. Die Pflanz-Enten im jenseitigen Rosengarten zeigen sich noch in der Mauser, sie sind kahl und noch nicht bepflanzt.
Nachdem sich der Rosengarten auch nach dem Start der Saison noch ohne die sonst übliche Wechselbepflanzung präsentiert hat, fragte Rosemarie Gerbeth von der Senioreninitiative "Mach mit" bei der Kurgärtnerei nach dem Grund. "Wir haben kein Personal, wir schaffen das nicht," habe auch hier die Antwort gelautet.
Das Blumenband quer durch den Luitpoldpark, das Grundschüler zusammen mit Mitarbeitern der Kurgärtnerei bepflanzt und das die Senioreninitiative in den vergangenen Jahren stets gepflegt hatte, findet heuer gar nicht statt.
Zur besten Zeit hatte die Kurgärtnerei 80 Mitarbeiter, die Teilzeitkräfte mitgezählt. Inzwischen sind es um die 50 Köpfe, rechnet man die Teilzeit hoch, käme man auf rund 30 Vollzeitkräfte.

Hilfe bricht weg


Und es wird noch enger werden. Seit Oktober 1999 kooperiert die Kurgärtnerei mit dem Christlichen Bildungswerk Bad Neustadt. Dort werden benachteiligte Jugendliche als Garten- und Landschaftsbauer ausgebildet. Sie erhalten von der Staatsbad GmbH Flächen, die sie nutzen dürfen. "Wir machen vor allem Projektarbeiten, sagt Gärtnermeister Heiko Krakofsky vom Christlichen Bildungswerk. So sind die jungen Leute zum Beispiel für das Entente-Florale-Logo im jenseitigen Rosengarten, für das Rasenlabyrinth und das Beachvolleyball-Feld im Luitpoldpark zuständig. Auch bei den Pflasterarbeiten im Kurgarten haben die jungen Auszubildenden mitgeholfen.
Damit wird nächstes Jahr Schluss sein. "Die Agentur für Arbeit hat den Beruf des Gärtners aus der Förderung genommen und übergibt uns keine Jugendlichen zur Ausbildung in dieser Sparte mehr," klagt Krakofsky. Das heißt: Auch diese Leute werden der Kurgärtnerei künftig fehlen.
"Ich finde es traurig," beschreibt Hilla Schütze, die Gästegruppen durch Stadt und Kuranlagen führt, die Situation. Zwar lobt sie die vielen aufgestellten Palmen, doch sei es ungeschickt gewesen, den Kurgarten koplett zu roden, um ihn dann neu anzupflanzen. Da seien viele Beete erst einmal brach gelegen. Früher sei die Neuanpflanzung abschnittsweise geschehen, dann war immer der ganze Garten bepflanzt.

Hoffen auf den Sommer


Einen ebenso traurigen Anblick biete der Rosengarten. Hier seien gut 1500 Rosen erfroren und noch nicht ersetzt worden. Die Gras-Beete in der Kurhausstraße würden nicht gegossen, das Gras werde gelb, es niste sich Unkraut ein, das sehe ungepflegt aus. "Die blühendste Stadt Deutschlands war Bad Kissingen an Pfingsten sicher nicht," sagt Hilla Schütze,"hoffen wir auf den Sommer."