Die Schutzmaske vor dem Gesicht, den Billard-Queue in der Hand, steht Lisa-Maria Hofmann im städtischen Jugend- und Kulturzentrum. Die Jukuz-Leiterin spielt mit einer Teenagerin, die nach der Schule hierher gekommen ist. "Beim Billard können wir die Abstands- und Hygieneregeln gut einhalten", sagt sie. Hausaufgabenbetreuung, Gespräche und Bastelangebote finden statt, auch an der Videospielkonsole darf gezockt werden. Der Tischkicker ist dagegen im Moment Tabu, auch Gruppenangebote sowie Brett- und Kartenspiele sind aufgrund der Hygiene- und Abstandsbestimmungen nicht möglich.

Dennoch: Das Jukuz-Team bemüht sich, trotz Coronabeschränkungen die Jugendarbeit so normal es geht fortzuführen. "Während der Herbstferien waren wir sehr gut besucht, trotz des Lockdowns", berichtet Hofmann. Maximal 20 Kinder und Jugendliche dürfen sich aktuell gleichzeitig in der Einrichtung aufhalten, in den Ferien kamen 30 bis 40 über den Tag verteilt.

Die Türen des Jukuz stehen allen Kindern und Jugendlichen offen, egal ob sie einfach nur zum Spielen kommen, Hilfe bei Hausaufgaben brauchen oder jemanden zum Reden suchen. "Grundsätzlich versuchen wir, unsere Angebote möglichst beizubehalten. Das Jukuz soll eine Anlaufstelle sein", erklärt Philipp Pfülb, Leiter der Stadtjugendarbeit Bad Kissingen. Einrichtungen der Jugendarbeit dürfen nach dem aktuellen Infektionsschutzgesetz trotz Lockdown öffnen - im Frühjahr hatten sie hingegen lange geschlossen. "Ich denke, das ist ein gutes Zeichen, wenn wir unter Einhaltung des Hygieneplans offen bleiben", sagt Pfülb.

Auch wenn das Angebot eingeschränkt ist: "Für die Jugendlichen ist es wichtig, eine Anlaufstation zu haben", betont er. Sie brauchen soziale Kontakte, Abwechslung zum Alltag oder Rückzugsorte, etwa wenn zuhause einmal dicke Luft herrscht. Es sei sinnvoller, wenn sich die Jugendlichen nicht im Verborgenen treffen, sondern in einem kontrollierbaren Umfeld. "Wir sind für die Kinder und Jugendlichen in Bad Kissingen da", betont der Sozialpädagoge.

Jugendräume sind wieder zu

Die Jugendarbeit ist zwar aktuell unter Auflagen erlaubt, aber es ist nicht überall möglich, die Vorgaben ohne weiteres umzusetzen. "Die meisten Jugendräume im Landkreis sind im Moment geschlossen", weiß Daniel Korn, Kreisjugendpfleger beim Landratsamt. "Wir raten auch eher dazu, ehrenamtlich geführte Jugendräume nicht zu öffnen", merkt er an. Bei hauptamtlich geführten Jugendräumen könne die Einhaltung der Hygienemaßnahmen zuverlässiger durchgesetzt werden. Aber auch diese Jugendräume brauchen eine gewisse räumliche Größe, damit es sich lohnt, sie zu öffnen.

Dass Jugendarbeit grundsätzlich stattfindet, hält er für wichtig. "Wir haben im ersten Lockdown festgestellt, dass viele Kinder nur zuhause sitzen", sagt er. Freundschaften werden weniger gepflegt und die Kinder und Jugendlichen haben niemanden, mit dem sie sich über altersspezifische Themen austauschen können. Die Gefahr: Langfristig drohe durch Corona Vereinsamung. Kinder und Jugendliche benötigen Gleichaltrige, um soziales Verhalten zu lernen. "Man lernt nicht, wie man einen Kompromiss findet, wenn man immer nur allein zuhause sitzt", erklärt Korn. Aufgabe der Jugendarbeit sei es, für all das einen Raum zu schaffen.

Mehr Sozialberatungen nötig

Der Verein Pro Jugend kümmert sich als freier Träger um die Jugendarbeit in zehn Kommunen im Kreis Bad Kissingen. Während des Lockdowns, also nach derzeitigem Stand bis Ende November, hat er den offenen Betrieb in den Jugendräumen eingestellt. "Wir orientieren uns an den Bestimmungen, die für Vereine gelten", sagt René Felcht, pädagogische Fachkraft der Geschäftsführung. Die Jugendarbeiter wollen ein Zeichen setzen und die in ihrer Sicht notwendigen Kontaktbeschränkungen unterstützen.

Das bedeute aber nicht, dass Pro Jugend während des Lockdowns untätig ist. Felcht konkretisiert: "Die Räumlichkeiten sind für den Freizeitbereich geschlossen. Wir nutzen sie aber weiterhin als Büros für Einzelberatungen." Das können Einzelfallbegleitungen sein, die kontinuierlich stattfinden. Zudem habe sich durch die Coronakrise der Bedarf an Sozialberatungen erhöht: In Familien wird mehr gestritten, außerdem brauchen die Jugendlichen zunehmend Unterstützung beim Thema Ausbildung. Hier mache sich die wirtschaftliche Lage bemerkbar. Viele Betriebe wissen aktuell nicht, wie und ob sie ausbilden können.

Jugendseelsorger Roland Lutz von der Kirchlichen Jugendarbeit (kja) Regionalstelle Bad Kissingen, hält es für enorm wichtig, dass die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen während der Coronakrise nicht vernachlässigt werden. "Jugendliche sind nicht nur zu beschulende Wesen, denen man Wissen eintrichtert, sondern sie brauchen soziale Kontakte und Gesellschaft. Das darf nicht auf der Strecke bleiben", betont er. Man dürfe sich nicht einreden lassen, dass wegen Corona gar nichts gehe. Für Lutz selbst gilt zum Beispiel: "Ganz altmodisch den Telefonhörer in die Hand nehmen und so die Kontakte pflegen."

Großgruppenevents, die die kja sonst organisiert, wie das gemeinsame Eislaufen von Ministranten und Jugendverbänden, können natürlich nicht stattfinden. Dafür gab es am 30. Oktober einen ökumenischen Jugendgottesdienst als Videokonferenz. "Das ist als Pilotprojekt erstaunlich gut gelaufen", berichtet Lutz. Im Advent solle das in ähnlicher Form wiederholt werden.

Großer Bedarf an Jugendbildung

Auch die Jugendbildungsstätte Volkersberg versucht, coronakonforme Jugendangebote auf die Beine zu stellen, denn: Der Bedarf ist groß. "In den Sommerferien hatten wir an über 54 Veranstaltungstagen über 600 Kinder und Jugendliche bei uns", berichtet der stellvertretende Leiter Ralf Sauer. Zum neuen Schuljahr lag der Schwerpunkt auf Kennenlernangeboten für Klassen an den Schulen. Anfang Oktober bot die Jugendbildungsstätte den "Spaß am Freitag" an, der sich an Kinder und Jugendliche aus der direkten Umgebung richtete. "Bis zum erneuten Lockdown kamen jeden Freitag 20 Kinder. Die Nachfrage war sogar noch größer", sagt er. Während des Lockdowns in den Herbstferien stellte der Volkersberg seine Zirkusfreizeit auf ein fünftägiges Onlineangebot um. Das ersetze zwar nicht den echten Zirkus, war aber "ein tolles und wertvolles Alternativangebot".