Ihre Augen strahlen, als sie ganz behutsam ihr "königliches" Gewand für den großen Tag anzieht. Weiße Kutte, roter Umhang, goldene Krone. Stolz betrachtet sie die Verzierungen auf dem prächtigen, kleidähnlichen Kostüm und scheint ihr Umfeld für einen kurzen Moment auszublenden.
"Ich bin schon ein bisschen aufgeregt", gibt Lilly Grosch zu. Aber die Vorfreude überwiegt. Heute an Dreikönig wird die Neunjährige wie viele andere Kinder von Haus zu Haus gehen, den traditionellen Segen an die Haustür schreiben und Geld für wohltätige Zwecke sammeln. Für Lilly ist es das erste Mal.
Unterwegs ist sie mit drei anderen Mädchen - Victoria, Ann-Sophie und Sophia. Ausgerüstet sind die Königinnen mit allerhand: Weihrauch, Sammlerdosen und eine geweihte Kreide. Nicht zu vergessen: Ein großer Stern aus Holz, den die Mädchen mit sich tragen. Lilly wirkt fast ein bisschen verzaubert, als sie ihn tief beeindruckt schon mal probeweise fest in ihrer Hand hält. Den Reim, den die jungen Sternsinger vortragen, kann Lilly auswendig. Nur die dritte Strophe will sie sich nochmal genauer anschauen, sagt sie. Sie schmunzelt. Die Lieder, die sie singen, unter anderem "Stern über Betlehem", kann sie aber aus dem Effeff.
Wofür Lilly und die anderen Könige heute sammeln, weiß sie ganz genau: "Für Kinder, wo die Eltern sich nicht so gut kümmern." Die vielen kleinen Caspars, Melchiors und Balthasars wurden bereits zu Jahresende ausführlich informiert. Die Herz-Jesu-Pfarrei zeigte einen Film und händigte den kleinen Königen eine Zeitschrift mit Info-Material aus.
"Klopft an Türen, pocht auf Rechte!" ist das Motto der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen, bei der sich thematisch alles um Kinderrechte in der Welt dreht. In Nicaragua, dem Beispielland der Aktion, sind Rechte von Kindern nicht selbstverständlich. Armut und Gewalt sind dort alles andere als selten. Die Sternsinger unterstützen in dem zentralamerikanischen Land Projekte, in denen Kinder sich für ihre Rechte einsetzen.
"Alle Kinder sollten gleichberechtigt sein und spielen können", fordert Lilly deutlich. Und die Viertklässlerin sagt das nicht nur so, sie meint es. Mit ihren neun Jahren ist sie selbst schon eine aktive Spenderin. Zur Einschulung schenkten ihre Eltern ihr eine Patenschaft in Indien. Seitdem spendet Lilly jeden Monat 50 Euro an Schria. Die Patenschaft ermöglichte dem Mädchen, zur Schule gehen zu können. Heute besucht sie die dritte Klasse. Schria schickt ihrer Freundin aus Bad Kissingen immer wieder aktuelle Bilder, das letzte Mal mit Buntstiften, die Lilly ihr gesandt hatte.
Viele würden sich über die kleinen Könige freuen, ermutigt Diakon Manfred Hock die schon etwas nervösen Kinder. "Manche werden aber auch ganz seltsam auf euch schauen oder euch vielleicht beschimpfen. Lasst euch nicht beirren in eurem Einsatz für die gute Sache."
Als die heiligen drei Könige verkünden sie Menschen die Geburt Jesu Christi und bringen den Segen Gottes ins Haus. Lilly kann es kaum abwarten. Selbst wenn Petrus es nicht gut mit ihnen meinen und es regnen sollte.

Der Segen "C+M+B":
Latein C+M +B stehen für die lateinischen Worte "Christus Mansionem Benedicat", übersetzt: Christus segne dieses Haus. Volkstümlich werden die drei Buchstaben als Kürzel für die überlieferten Namen der drei Weisen verstanden: Caspar, Melchior und Balthasar.

Stern Der Segen lautet dieses Jahr : 20*C+M+B+12. Der Stern steht für den Stern in Betlehem, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind. Er ist Zeichen für Christus; die Sternsinger tragen ihn symbolisch mit sich.

Kreuze Die drei Kreuze bezeichnen den Segen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Quelle: www.sternsinger.org shx