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Bad Kissingen
Infrastruktur

Klimawandel und die Kissinger Unterwelt

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf die Bad Kissinger Infrastruktur. Ein Beispiel hierfür zeigte sich jüngst in der Pfalzstraße.
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Deutlich zu sehen ist das Loch in der Pfalzstraße in Bad Kissingen. Foto: Peter Borst
Deutlich zu sehen ist das Loch in der Pfalzstraße in Bad Kissingen. Foto: Peter Borst

Wer glaubt, dass der Klimawandel nur für die Natur Probleme mit sich bringt, irrt. Die permanent zunehmende Trockenheit in unserer Region führt an Stellen, die niemand auf Anhieb bemerkt, zu zusätzlichen Gefahren. Auch die Stadt Bad Kissingen musste damit Erfahrungen machen. Das Tiefbaureferat stieß aktuell in der Pfalzstraße auf eine unschöne Überraschung.

Aufgefallen war zunächst Erde, die in einen Schacht des städtischen Abwasserkanals eindrang. Die Arbeiter machten ein Loch in der Schachtwand als Ursache aus, und wollten es reparieren. "Wir haben den Asphalt entfernt und darunter gähnte ein vier Quadratmeter breites Loch", sagte Tiefbauchef Thomas Hornung. "Die Frage war nun: Wie ist es entstanden?"

Mehrere Faktoren hatten zu dem Schaden geführt, darunter die seit Jahren anhaltende Trockenheit. Durch sie rieselt die Kies- und Sandbettung unter den Rohren beschleunigt aus. "Früher sahen wir vermehrt im Sommer solche Schäden, jetzt sehen wir sie schon im April", sagte Hornung. Trockenheit führt zu einer Lastumlagerung im Boden. "Das muss man sich vorstellen, wie Kuchenbacken im Sandkasten. Ist der Sand feucht, hält der Kuchen, trocknet er aus, dann zerbröselt das Ganze", erklärt der Mitarbeiter des Tiefbaureferates Peter Borst.

Zudem ist das unterschiedliche Alter der Versorgungsleitungen ein Problem. Im Falle des Pfalzstraßenloches stießen die Arbeiter auf kreuz und quer verlegte Leitungen und einen Kanalanschluss, der irgendwann einmal verändert wurde, wobei die alte Zuleitung in den Kanalschacht nicht ordnungsgemäß abgedichtet war. Die Folge dieser Unachtsamkeit war, dass der immer weiter austrocknende Sand und Kies allmählich anfing zu rutschen und durch das Loch in den Kanal rieselte. Es entstand ein immer größer werdender Hohlraum unter der Straßendecke und die Versorgungsleitungen sowie die Kabelzugsteine aus Beton hingen zum Teil lose in der Luft.

"Bei einer Reparatur müssen die Betonformteile in Handarbeit entfernt werden um die Stromleitungen nicht zu beschädigen" sagte Borst. "Ein guter Bodenaufbau unterhalb der Leitungen ist mit herkömmlichen Mitteln nicht zu machen, denn man müsste alle Leitungen kappen, um die Bettung darunter neu einzubringen und zu verdichten." Deshalb arbeitete die Stadt an dieser Stelle mit Flüssigboden, einer selbstverdichtenden betonartigen Masse, wie sie auch im Projekt Neue Altstadt verwendet werden soll.

"Die Bürger sehen nur die Asphaltdecke und wundern sich, warum manche Arbeiten so lange dauern", meint Hornung. "Tatsache ist: Unter unseren Füßen liegt eine Infrastruktur, die nicht alleine vom Menschen beeinflusst wird. Wir können nur mit der historischen Leitungs-Substanz, mit dem vorhandenen Straßenaufbau und den technischen Möglichkeiten arbeiten, die eben vorhanden sind. Und da tun wir unser Bestes."