Die Turnhalle in Ebenhausen ist voller Leben und das obwohl gerade kein Schul- oder Vereinssport stattfindet. Es sind die Kindergartenkinder aus Ebenhausen, genauer gesagt die Regelkinder von drei bis sechs Jahren. Weil in ihrem Kindergarten große Bauarbeiten laufen, finden sie vorübergehend in der Schulturnhalle Unterschlupf. Eigentlich war der Umzug für Anfang Mai geplant, er wurde jedoch vorgezogen. "Wir haben versucht, den Umzug gerade wegen Corona zu beschleunigen, denn wenn die Kontakt- und Hygienebestimmungen noch schärfer werden sollten, wäre der Umzug äußerst schwierig geworden. Ich bin sehr froh darüber, dass wir das mit Hilfe des Elternbeirates und des Personals unter den geltenden Hygieneregeln so reibungslos über die Bühne gebracht haben", freut sich der Vorsitzende des Kindergartenvereins Benedikt Keßler.

Der Ebenhäuser Kindergarten platzt aus allen Nähten und wird vergrößert und saniert. Bereits seit Frühsommer 2020 sind dort Erweiterungsarbeiten im Gange. Die Kinder und das Personal leben mit der Baustelle. Inzwischen ist ein eigener Krippentrakt für die Betreuung der der unter Dreijährigen und ein Anbau für den Regelbereich fertig. Nun wird der Bestand saniert. Um das angehen zu können, muss das alte Gebäude komplett leer und die Kinder ausgezogen sein.

Deswegen wurden nun die älteren Kindergartenkinder in die Schulturnhalle ausgelagert. Die Krippenkinder bleiben bis Anfang Mai noch in den alten Räumen des Kindergartens, dann ziehen sie in den Neubau um. Danach beginnen die Umbauarbeiten im leeren Altgebäude. Sie sollen planmäßig bis September dauern.

Turnhalle auf Kitabetrieb vorbereitet

Die Leiterin der Einrichtung Daniela Koch meint: "Es ist ein Glück, dass wir die Turnhalle für den Umzug in der direkten Nachbarschaft haben. Wir können unser Außengelände mit den Spielgeräten und Fahrzeugen fast wie gewohnt nutzen. Es macht vieles einfacher." In der Halle wurden vorher noch kleine Veränderungen vorgenommen. Inzwischen gibt es eine Klingel und aus Sicherheitsgründen wurden Klemmschutzvorrichtungen für die Türen und Steckdosenabdeckungen angebracht. Außerdem mussten viele Dinge für Kinderhände besser erreichbar gemacht oder wie in der Toilette Tritterhöhungen aufgestellt werden.

Wie sieht so ein Tag für die Kinder aus, die nun nicht mehr in ihren Kindergarten, sondern in die Turnhalle gehen? Die Ersten kommen ab sieben Uhr in den Frühdienst. An der Türe nehmen die Betreuer sie in Empfang, dann geht es weiter in den Flur und die Umkleide. Beides dient als Garderobe. Nachdem die Jacken aus- und die Hausschuhe angezogen sind, waschen die Kinder in den Duschräumen erstmal aus Hygieneschutzgründen gründlich die Hände. Dabei kommen die umfunktionierten, trittsicheren Stepper vom Vereinssport zum Einsatz, um die Kinder auf die Waschbeckenhöhe der Erwachsenen zu bringen.

Danach geht es in die Halle zum freien Spiel. Die Verantwortlichen haben sich große Mühe gegeben, die Halle in kleinere Bereiche abzuteilen, um Struktur und Geborgenheit zu schaffen. Es gibt eine mit Tüchern abgehängte Puppenwohnung, eine große Malecke, Bereiche zum Toben und zum Verkleiden, einen mit Turnbänken abgegrenzten Bereich für den Morgenkreis und zum Singen, Spielen und Vorlesen, eine Bauecke und einen ruhigen Rückzugsort in einer zweckentfremdeten Umkleide.

Ansonsten läuft der Alltag wie gewohnt: Die Kleinen dürfen frei spielen. Gegessen wird im Essbereich vor der Küchentheke. Nach dem Mittagessen wird es schwierig, wenn die Jüngeren eine Ruhepause brauchen. Denn Ruhe kehrt in einer großen Halle mit bis zu 50 Kinder kaum ein. Zu einem Schläfchen können sich die Jüngeren in die mit Matten ausgelegte Umkleide zurückziehen.

Gerne nutzen die Kinder die Möglichkeit, in den Wald oder auf den Spielplatz im Ort zu gehen. Auch die Kinderpflegerin Astrid Mußmächer betont: "Wir sind sehr froh darüber, dass wir den Wald so nah bei uns haben und auch auf den Spielplatz können. Insgesamt klappt es ganz gut und schließlich wissen wir, dass es nur für eine Zeitlang ist."

Rückkehr im Herbst geplant

Die Rückkehr in den sanierten Kindergarten ist für September geplant. Daniela Koch ist zuversichtlich, dass das klappt: "Bisher war alles gut im Zeitplan und wir freuen uns schon auf den Wiedereinzug." Schließlich gibt es dann nicht nur den kompletten Krippenneubau, auch im Gebäudealtbestand wird einiges neu sein. Es wird einen neuen Baubereich, neue Funktionsräume, einen Experimentierbereich, einen Kreativbereich mit Malzimmer und einen Lesebereich geben. Dort findet eine neu eingerichtete Sprachförderung mit einer eigenen Fachkraft statt.

Auf den neuen Turnraum freut sich das Personal besonders: "Wir bedauern ganz arg, dass wir unsere Sporthalle im Kindergarten nicht mehr benutzen konnten, weil sie aus Platzgründen als Gruppenraum gebraucht wurde. Da konnten viele Fähigkeiten nicht mehr geschult und Bewegungsmuster nicht eingeübt werden", bedauert Daniela Koch. Als Besonderheit wird es einen speziellen Ausgang zum Außenspielbereich geben, einen "Gummistiefelgang". Dort können die Kinder auch mit dreckigen Schuhen auf eine Extra-Toilette gehen, ohne die Gruppenräume zum stillen Örtchen durchqueren zu müssen.