Bad Kissingen und Baden bei Wien haben eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten: Beides sind Kurstädte mit langer Tradition, beide beherbergten in ihrer Vergangenheit Kaiser, Könige und andere hohe Gäste und beide wollen als Teil der Great Spas of Europe-Bewerbung als Weltkulturerbe anerkannt werden. Hans Hornyik betreut als Welterbe-Manager den Bewerbungsprozess der Kaiserstadt. Er erklärt, mit welchen Stärken der österreichische Kurort sich in die Unesco-Bewerbung einbringt.

"Wir profitieren davon, im Einzugsgebiet von Wien zu liegen", sagt er. Ab Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt am Rande des Wiener Waldes unter kräftiger Mithilfe der Habsburgischen Monarchen zum bedeutenden Kurort. Die Menschen der Hauptstadt nahmen nicht nur gern die heilende Wirkung der 14 Thermalquellen in Anspruch, sondern nutzen den Ort auch zur Sommerfrische. Im Gefolge der Habsburger zog es auch weitere Adelige, den Geldadel, Künstler, Intellektuelle und andere in die Stadt.

Heimstatt für Neunte Symphonie

Neben der politischen und wirtschaftlichen Nähe zu Wien war vor allem die kulturelle Nähe zur Hauptstadt wichtig. "Das Musikgeschehen hat sich am Wiener Hof entwickelt", sagt Hornyik. Während des Sommers haben viele Stars der klassischen Musik, die am Hofe arbeiteten, ihren Lebensmittelpunkt zeitweise nach Baden verlegt. Wolfgang Amadeus Mozart ist ein bekannter Gast, Johann Strauß und vor allem: Ludwig van Beethoven. "Beethoven ist für uns die wichtigste Figur, wenn wir nach außen auftreten", sagt Hornyik. 15 Jahre lang verbrachte der große Komponist seine Sommer in Baden. In dessen ehemaligen Wohnhaus in der Rathausgasse ist heute ein Beethoven-Museum untergebracht. In dem Beethovenhaus schrieb der Musiker große Teile seiner Neunten Symphonie.

Baden war schon damals für die Wiener eine attraktive Wohngegend. Das Thema Wohnen spielt hier eine viel größere Rolle, als in den übrigen Great Spas. Ein Merkmal der Stadt ist deshalb das große Villenviertel. "Die Villen sind bei uns im Gegensatz zu Hotels viel dominanter", erklärt Hornyik. Zu den zentralen Kureinrichtungen gehören der weitläufige Kurpark, der in den Wiener Wald übergeht. Es gibt ein repräsentatives Kurhaus, in dem das Casino untergebracht ist, ein Theater, Thermen sowie die Sommerarena von 1905, die bis heute über ein sich öffnendes Glasdach verfügt und die bei Bedarf auch als Freilufttheater genutzt werden kann.

Heute ist Baden bei Wien auch ein Behördenstandort und der größte Arbeitgeber ist eine Molkerei. Dennoch gilt die Stadt als bedeutendster Kurort in Österreich. "Der Gesundheitssektor ist nach wie vor ein großer Wirtschaftszweig. Unser Kerngeschäft ist der Tourismus", sagt der Welterbe-Manager.

Kultur, Politik, Badehäuser

"Mit Baden bei Wien arbeiten wir eng zusammen und haben einen guten Austausch", sagt Bad Kissingens Unesco-Sitemanagerin Anna Maria Boll. Sie sieht viele Parallelen, aber auch Unterschiede zwischen beiden Städten. Qualitativ hochwertige Kulturangebote waren für beide Orte wichtig. Insgesamt ist der Fokus auf kulturelle Unterhaltung in Baden bei Wien aber größer, "in Bad Kissingen liegt der Schwerpunkt eher in der Politik", sagt sie. Denn was Beethoven für Baden ist, ist Fürst Otto von Bismarck für Bad Kissingen. Der Reichskanzler kam regelmäßig zur Kur an die Saale und führte von hier aus seine Regierungsgeschäfte fort. Unter anderem entstand auf einem Kuraufenthalt das Kissinger Diktat, in dem Bismarck seine Außenpolitik skizzierte.

"Baden hat sich ähnlich wie Bad Kissingen neben seinen Heilquellen entwickelt", nennt Boll eine weitere Gemeinsamkeit. Beide Orte verfügen über ein Leitungsnetz, das das Heilwasser in die Kurhäuser und die Bäder transportiert hat. In Kissingen spielt neben Badeanwendungen die Trinkkur eine große Rolle, in Baden hingegen sind wegen der vielen Thermalquellen Bäder wichtiger.

In einem Punkt sind sich die Kurorte jedoch wieder recht ähnlich: Von den fünf historischen Badehäusern in Baden wird heute keines mehr zum Baden gebraucht. Genauso wie das Luitpoldbad und das Kurhausbad in Bad Kissingen wurden sie für andere Zwecke umgebaut.

Infos zum Great-Spa-Partner: Baden bei Wien

Stadt Baden bei Wien liegt in Niederösterreich und ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Verwaltungsbezirks Baden. Die Stadt hat 26 000 Einwohner, amtierender Bürgermeister ist Stefan Szirucsek (ÖVP). Wien ist 26 Kilometer entfernt und von Baden aus direkt mit der Straßenbahn erreichbar. Quasi am Kurpark angrenzend beginnt der Wiener Wald. Unesco Während Corona das Reisen unmöglich macht, lässt die Saale-Zeitung den Blick in die Ferne schweifen. In einer Serie stellen wir die Städte der Great Spas of Europe-Bewerbergruppe vor, die zusammen mit Bad Kissingen Weltkulturerbe werden wollen.