Die Aufregung steigt von Tag zu Tag. Heute werden die 69 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren erlöst. Dann werden sie erstmals das Musical "Ruth" auf die Bühne des Jugendhauses bringen. Am Samstag können sie in Gerach noch einmal zeigen, was sie in den letzten fünf Tagen in unzähligen Proben gelernt haben. "Ich finde es blöd, dass wir nach dem Auftritt wieder heim müssen", sagt Kathleen, die zum ersten Mal dabei ist. Sie würde sehr gerne noch bleiben.

Casting vor den Proben


Im Jugendhaus herrscht reges Treiben. Die Chorproben sind bereits am Vormittag über die Bühne gegangen, am Nachmittag werden die Spielszenen geprobt. In jedem Übungsraum spielen Kinder ihren Part, mal in kleinen mal in großen Gruppen. Sie alle haben erst am Sonntag erfahren, welche Rolle sie spielen. Denn sie konnten sich dafür bewerben und wurden nach einem Casting ausgewählt. Mit Ausnahme der Hauptdarstellerin "Ruth".
So heißt das Adonia-Musical, das eigens für Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren geschrieben wurde. "Es gibt Leute, die können so etwas", sagt Projektleiter Lukas Schulz. Insgesamt sind 700 Kinder beteiligt, aufgeteilt auf elf Projektchöre. Einer davon hat mit 69 Kindern und 15 Betreuern im Münnerstädter Jugendhaus Quartier bezogen. "Organisiert wird das von Karlsruhe aus", sagt Lukas Schulz. Die Verantwortlichen dort vergeben die einzelnen Projekte Meist sind die Betreuer junge Leute, die gerade ihr Abitur abgeschlossen haben oder Studenten, wie Lukas Schulz. Der ist nicht zum ersten Mal dabei.

Gute Erfahrungen gesammelt


Bisher hat er nur gute Erfahrungen gesammelt. "Natürlich kann es vorkommen, dass ein Kind am ersten Abend Heimweh hat", sagt er. Aber meist bilden sich ganz schnell Freundschaften unter den Kleinen und das Heimweh ist vergessen. Viel Zeit dafür haben sie ohnehin nicht.
Wenn sich die Kinder für ein Musical angemeldet haben, bekommen sie eine CD mit den Liedern und Texten des Musicals nachhause. "Die hören sie dann 100 000 Mal, bis die Eltern völlig genervt sind und sich freuen dass das Camp endlich beginnt", scherzt der Projektleiter. Dann können sie sich auch schon überlegen, ob sie eine Schauspielrolle übernehmen wollen, als Solistin singen oder einfach nur im Chor auftreten wollen. Nach dem Casting beginnen die Proben. Und die haben es in sich. Zwei Chorproben und mehrere Theaterproben sind es jeweils in den ersten drei Tagen. Zwischendurch werden die Requisiten gebastelt. Auch die stellen die Kinder selbst her. Zeit für Sport und Spiel ist aber auch noch. Schließlich sollen die jungen Darsteller, die aus ganz Bayern und darüber hinaus kommen, nicht überfordert werden. Nach zwei Hauptproben stehen sie dann zwei Mal vor Publikum auf der Bühne. "Ich freue mich auf den Auftritt", sagt Kathleen aus Ingolstadt, die das erste Mal bei so einem Camp ist. Aber sicher nicht zum letzten Mal.
"Es ist gar nicht so einfach, geeignete Räume für so ein Camp zu finden", erläutert Lukas Schulz. Die meisten Schullandheime seien einfach zu klein. Das Jugendhaus am Dicken Turm dagegen biete genügend Betten "und vor allem genügend Proberäume". Das sei nämlich das noch größere Problem bei der Suche nach geeigneten Quartieren. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Jugendhauses unter Leitung von Pater Jeremias Kiesl sei super und sehr freundlich. "Alle Probleme werden sofort gelöst."
Rund zwei Drittel der Darsteller sind Mädchen, rund ein Drittel Jungen. Versorgt werden die 69 Kinder in der hauseigenen Küche. Vier Köchinnen und Köche kümmern sich um das leibliche Wohl der Kinder.

Heute Premiere


Heute um 19 Uhr haben die kleinen Darsteller ihren ersten großen Auftritt im Jugendhaus. Die Veranstaltung ist ausdrücklich für alle Interessierten offen, sagt Lukas Schulz. Eintritt wird nicht verlangt, aber über eine Spende würden sie sich freuen.
Der zweite Auftritt ist dann am Samstag in Gerach. Dort beginnt die Aufführung in der Laimbachtalhalle um 16 Uhr. Bei diesem Auftritt werden die Eltern der Kinder anwesend sein, die sie anschließend mit nachhause nehmen. Das ist das, was Kathleen so blöd findet.

Viele kommen wieder


Aber sie kann ja wieder kommen im nächsten Jahr. Viele der Kinder nehmen mehrfach an so einem Camp teil, weiß Lukas Schulz. Er selbst ist übrigens auch schon das dritte Mal dabei. "Es ist sehr anstrengend", sagt er und weiter: "Nach einer Woche ist man völlig erledigt, aber man hat so viel Spaß mit den Kindern, dass man im nächsten Jahr wieder kommt."