Veränderungen prägen seit geraumer Zeit die Staatsbad GmbH. Manche bleiben unentdeckt für Bürger und Besucher, andere wiederum wecken bei diesen den Unmut. Wie im vergangenen Jahr, als die Bänke aus dem Kurgarten abtransportiert wurden und einige Bereiche während des Kurkonzertes mit rot-weißen Bändern abgesperrt wurden (wir berichteten). Einen Einlassdienst werde es am Kurgarten auch in diesem Jahr nicht geben, sagte Sandra Schmelz, Mitarbeiterin
für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Staatsbad GmbH, auf Nachfrage.
Der Grund liege auf der Hand: Vor Ostern zog die Tourist-Information vom Alten Rathaus in den Arkadenbau im Kurgarten. Diese nunmehr einzige Anlaufstelle wolle man zu jeder Zeit offen und für jeden zugänglich halten, so Schmelz.
Drängt sich die Frage auf, ob der Wegfall des Einlassdienstes am Kurgarten während der Kurkonzerte dem Sparstift zum Opfer gefallen ist. Der Hintergrund ist komplizierter.
Seit 2013 hat die Staatsbad GmbH mit dem Bad Kissinger Wach- und Schließ-Institut Weingärtner einen Vertrag, der besagt, dass Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes neben dem normalen Bewachungsdienst auch den Einlassdienst am Kurgarten übernehmen. Das seien aber Zusatzaufgaben, für die jedes Jahr eine Genehmigung bei der Arbeitsagentur Nürnberg beantragt werden müsse, sagte Armin Henz, Inhaber des Wach- und Schließ-Instituts.


Formfehler mit Konsequenzen

Das ist eine sogenannte Arbeitnehmerüberlassung, für die eine Menge Formulare einzureichen sind und letztlich Kosten fast im vierstelligen Bereich anfallen. Das sei eine Pauschalgenehmigung, unabhängig von der Zahl der Mitarbeiter, die mit diesen Zusatzaufgaben betraut werden. In der Regel seien es fünf bis sechs Mitarbeiter seines Unternehmens gewesen, die für diese Aufgaben eingesetzt wurden, so Henz.
Im Jahr 2013 und 2014 sei alles glatt über die Bühne gegangen, so Henz. Für das Jahr 2015 allerdings habe die Arbeitsagentur einen Formfehler festgestellt und den Antrag daraufhin abgelehnt. Für das Jahr 2016 konnte der Inhaber des Kissinger Sicherheitsdienstes keinen Antrag auf Arbeitnehmerüberlassung stellen. Nach Aussage der Nürnberger Agentur müssten zwei Jahre ausgesetzt werden.
Dies, so Henz, habe er der Staatsbad GmbH mitgeteilt. Ob er in Zukunft noch mal mit der Staatsbad GmbH ins Geschäft komme für solche Zusatzaufgaben, wisse er noch nicht. "Erst mal abwarten", so Henz. Die Option auf Antrag bestehe, aber er wisse derzeit noch nicht, ob er es noch mal machen soll. Es müsse sich auch rechnen.
Für die Staatsbad GmbH ergab sich daraus eine Zwangssituation. "Wir haben die Dienstpläne umgestellt", sagte Sandra Schmelz. Erstmal seien die notwendigen Einlassdienste abgedeckt. Das schließt Veranstaltungen in der Wandelhalle, im Arkaden- und Regentenbau sowie im Tattersall ein. Die Staatsbad GmbH sei aber auf der Suche nach einem passenden Partner, der diese Aufgaben übernehmen könnte. "Wir sind dran", so Schmelz. Sie hoffen auf eine schnellstmögliche Lösung durch einen externen Einlassdienst.
Am Kurgarten allerdings werde sich vorerst nichts ändern, so Schmelz, wohlwissend, dass die Situation knifflig und nicht für alle gerecht ist. Wer eine Gastkarte hat, darf das Kurkonzert hören. Wer keine hat, darf eigentlich nicht, kann aber trotzdem Zuhören - im Stehen, zum Ärger der anderen.


Nicht ohne Aufsicht

Aber komplett unbeaufsichtigt werde der Kurgarten nicht sein, kündigte Schmelz an. So kann es schon vorkommen, dass die Zuhörer nach ihrer Gastkarte gefragt werden. Diese unliebsame Aufgabe müssen dann die Kurwarte übernehmen. Doch auf welcher rechtlichen Grundlage werden Besucher im Kurgarten nach der Gastkarte gefragt, wenn die Eingänge zum Kurgarten offen und ohne Kontrolle sind? Das könnte von Fall zu Fall zu unliebsamen Diskussionen mit den Gästen führen. Ursula Lippold