Die "Kreistagsseniorin" Dorothea Hildenbrand (FW) wünschte dem jungen CSU-Politiker bei der Vereidigung "eine glückliche und segensreiche Amtszeit zum Wohle unseres Landkreises und seiner Bevölkerung". Das war vor zehn Jahren. Jetzt zeigte sich Landrat Thomas Bold mit dem seither Erreichten zufrieden. Eigentlich habe es keinen großen Misserfolg gegeben, sagt er. Für einen Blick zurück im Frust sehe er keinen Anlass, im Gegenteil. Vor allem in den ersten sechs Jahren habe man "viel umgekrempelt". Nicht alles ist immer unproblematisch verlaufen.
Dem dürfte sich eine relativ breite Mehrheit in der Bevölkerung anschließen. Allerdings: Nicht alle Bürger - Stichworte: Sparkasse, Musikakademie oder Krankenhaus Hammelburg - werden dem folgen. Das ist auch nicht verwunderlich. Denn niemand kann es allen recht machen, höchstens den meisten.
Bold ist kein Mann der einsamen Entscheidungen, keiner der polarisiert. Er hat die Bodenhaftung nicht verloren, sucht den Konsens, bindet die Kreistagsfraktionen ein und informiert sie frühzeitig. Das haben auch seine Vorgänger Marko Dyga (†) Herbert Neder (CSU) schon so gehandhabt. Deshalb ergehen Beschlüsse in aller Regel mit übergroßer Mehrheit oder sogar einstimmig. Es sei durch die gute Zusammenarbeit gelungen, dass alle Entscheidungen mitgetragen werden, sagte Bold.
Auf seiner Habenseite verbucht er unter anderem, dass es gelungen sei, die Abfallentsorgung mit der Dponie Wirmsthal langfristig neu zu ordnen. Die Verträge mit den Müllverbrennungsanlagen Schweinfurt und Würzburg machten es möglich, "in jeder Hinsicht in sicherem Fahrwasser" zu sein - auch finanziell: "Das läuft sehr gut."
Durch den Verkauf des Hammelburger Hospitals an die Rhön-Klinikum AG sei es geglückt, Krankenhausstandort und wohnortnahe Versorgung zu erhalten. Das wäre sonst wohl nicht möglich gewesen. Bei der Umstellung habe zwar Probleme gegeben, doch habe sich alles positiv entwickelt. Hervorragend nannte er die Situation bei der Carl-von-Heß'schen Stiftung mit ihren drei Pflegeheimen.
Traditionell sind die Schulen im Kreistag ein wichtiges Thema. 45 Millionen Euro sind in sie investiert worden. Für das Berufsbildungszentrum (BBZ) Münnerstadt kommen weitere 15 Millionen (oder mehr) hinzu. Bold: "Das ist enorm, aber die die Bildungsstruktur ist für den Standort sehr wichtig."
Stolz ist Bold, dass es einen ersten berufsbegleitenden MBA-Studiengang Gesundheitsmanagement gibt. Weitere, sollen hinzukommen. Auf der Agenda ganz oben stehe eine Fach- und Berufsoberschule in Hammelburg. In Bad Kissingen soll es eine Berufsfachschule für Hotel und Gastronomie geben.
Lange überlegt Bold auf die Fragen, ob es Misserfolge oder Enttäuschungen gegeben haben. Dann sagt er "eigentlich nein". Auch die Turbulenzen um den ehemaligen Leiter der Hammelburger Musikakademie, will er hier nicht nennen. Die Akademie laufe jetzt "hervorragend".
Dann fällt ihm doch etwas ein: Dass es mit Steigenberger-Areal und Luitpoldbad nicht weiter gehe, sei "schon enttäuschend". Beides sei wichtig für die gesamt Region. Hier stünden Stadt und Freistaat Bayern in der Pflicht. Zwischen ihnen beiden aber sei das Verhältnis wohl nicht so optimal, wie es die Stadt bräuchte.
Aber auch in seinem Verantwortungsbereich warten viele Aufgaben. Der Ausbau der touristischen Infrastruktur soll weiter gehen. Gemeint sind die Weiterentwicklung der Dachmarke Rhön und des Radwegenetzes. Auch sollte es eine über die Kurtaxe finanzierte kostenlose Gästebeförderung geben. Ferner steht die Erweiterung des Biosphärenreservats Rhön an.
Bold zeigte sich rundum zufrieden mit dem Erreichten. Manchmal, sagt er, wäre es aber schöner, wenn die Dinge - vor allem in Bad Kissingen - schneller umgesetzt werden könnten.
Für Bold stellt sich nicht die Frage, ob er bei der nächsten Kommunalwahl - dann wäre er erst 53 - nochmal antreten wird: "Wenn es die Gesundheit erlaubt." Auch müsse er noch nominiert werden. Aber das ist bei ihm, dem CSU-Kreisvorsitzenden, kein allzu großes Problem.
Die Familie steht zudem voll hinter den Ambitionen des "gelernten" Polizeibeamten und früheren Bürgermeisters. Auch wenn die zeitliche Beanspruchung - geschätzte 70 bis 80 Wochenstunden - das Privatleben schon extrem einschränke, sagte Bold. Auch hier hat er etwas von Herbert Neder übernommen: Das zweite Wochenende im Monat nimmt er sich frei, immer.
Thomas Bold wurde am 28. Januar 1961 in Neuwirtshaus geboren. Dort wohnt er auch. Er ist verheiratet, hat zwei große Kinder und ist katholisch. Nach dem Abitur 1980 in Hammelburg durchlief Bold die Ausbildung zum gehobenen Polizeivollzugsdienst. Er schloss sie 1983 als Diplom-Verwaltungsfachwirt (FH) ab. Thomas Bold tat von 1983 bis 1996 als Polizist unter anderen in Hammelburg und in Würzburg Anschließend war er Bürgermeister von Wartmannsroth. Seit 2002 ist er Landrat und damit auch Chef von mehr als 700 Menschen. Thomas Bold ist seit 1983 Mitglied der Christlich sozialen Union, war von 1989 bis 1997 Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU) und von 1990 bis 1996 Gemeinderatsmitglied in Wartmannsroth. Dem Kreistag von Bad Kissingen gehört er seit 1990 an. Er ist seit 2009 CSU-Kreisvorsitzender, von 1993 bis 2009 war er "Vize". Bold ist außerdem seit 2005 als Beisitzer Vorstandsmitglied des CSU-Bezirksverbands Unterfranken. ed