Jonas Bedford-Strohm war zu Besuch bei der ersten und zweiten Ganztagsklasse der Sinnberg-Grundschule. Bisher hat der Philosoph und Theologe zwei Kinderbücher von Louise Spilsbury und Hanane Kai ins Deutsche übersetzt, die aktuelle Themen wie Armut, Krieg und Flüchtlinge behandeln. "Wie ist es, wenn man arm ist" und "Wie ist es, wenn man kein Zuhause hat", heißen die Bücher. Zwei weitere Werke aus der Kinderbuchreihe will Bedford-Strohm noch übersetzen.

Komplexe Probleme erklären

Der Münchener war als Schülersprecher während seiner Schulzeit mehrmals in Unterfranken und hat positive Erinnerungen an die Kurstadt. "Deswegen dachte ich, wenn ich was mache mit diesen Büchern - dann muss es in Kissingen sein", sagte er. Den Besuch und die Übersetzung ermöglichte unter anderem die Buchhandlung "seitenweise" aus Bad Kissingen. Die Inhaberin Claudia Bollenbacher war ebenfalls bei dem Vortrag dabei.

Bedford-Strohm berichtete, viele Menschen und Orte sind Teil des Buchprojekts: Die Bücher wurden auf Englisch geschrieben, die Fotos wurden in Marokko geschossen, und schließlich wurden die Bände ins Deutsche übersetzt. Er meinte: "Tatsächlich hat mir der Prozess der Bücher sehr geholfen, mich auf diese Themen zu konzentrieren." Die Texte greifen komplexe Probleme in anderen Regionen der Welt auf und erklären sie in einfacher Sprache. Für Kinder schwer zu verstehende Wörter werden auf den letzten Seiten nochmals aufgegriffen und erklärt.

Erinnerungen an eigene Flucht

Schulleiter Karl-Heinz Deublein begann mit einer schlichten Frage: "Wo geht ihr nach der Schule hin?" - "Heim!", schrien die Schüler. "Das ist schön, wenn ihr das sagt. Das können leider nicht alle Kinder", entgegnete der Rektor.

Mit den Sinnberg-Kindern sprach Bedford-Strohm über den Hunger auf der Welt und die Flucht vor Krieg. Auf beide Themen reagierten die Kinder sehr betroffen. So auch die sechsjährige Sham aus Bad Kissingen. Sie erlebte die Flucht aus Syrien bis nach Deutschland mit. Sham erzählte, ihre Familie sei den kompletten Weg gelaufen. "Ich aber nicht - ich war auf Mamas Rücken, die ganze Zeit." Ihr Höhepunkt auf der Flucht war ein Fluss mit sauberem Wasser: "Dort konnten wir trinken - und sogar ein bisschen baden", berichtete sie. So richtig konnte sich das Mädchen jedoch nicht mehr an die Reise erinnern. "Ich war noch klein!"

Empathie für andere lernen

Der Philosoph ist der Meinung, man dürfe diese schwierigen Themen nicht totschweigen. Er wolle den Kindern "einen Denkanstoß, Impuls zur Nachfrage und vor allem Neugierde" vermitteln. Außerdem sollten sie schon von klein auf Empathie für andere entwickeln und lernen, sich in Menschen hineinzuversetzen. "Dies kann man als Eltern ganz früh vermitteln und vor allem selbst vorleben", sagte er. Er hoffe, ihm werde das irgendwann auch gelingen, wenn er einmal Vater werden sollte.

Der Vortrag interessierte die Schüler, und sie brachten sich mit vielen eigenen Fragen ein. Warum haben die Menschen nichts zu essen, warum müssen sie fliehen, wieso gibt es Krieg?

Bedford-Strohm ging auf jedes Kind ein, auch Geschichten, die die Schüler ihm erzählten, hörte er sich gespannt an. "Ich find's immer wieder beeindruckend, wie frei und offen die Kinder einen ausfragen. Und sie finden immer eine Frage, auf die du keine Antwort hast", sagte der Theologe und lachte. "Es macht sehr bescheiden, mit Kindern zu diskutieren."

Jonas Bedford-Strohm

Biografisches Jonas Bedford-Strohm kommt aus München und ist der Sohn des bekannten evangelisch-lutherischen Theologen und Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm. Er leitet ein Hilfsprojekt für Kinder in Ruanda, um ihnen tägliche Nahrung sowie schulische und berufliche Bildung zu ermöglichen. Er studierte in Heidelberg Evangelische Theologie und Philosophie.