Nach zwölf Tagen des Wartens flatterte sie am späten Freitag nachmittag dann doch auf den Schreibtisch: die Presseerklärung von Kurdirektor Gunter Sauer zur Kündigung seiner Kultur- und Veranstaltungsmanagerin Jutta Dieing. Da heißt es zunächst deutlich: "Die Staatsbad GmbH beabsichtigt, die Beschäftigung von Frau Jutta Dieing zum 30. Juni 2012 zu beenden. Der Betriebsrat wurde einbezogen. Die Kultur- und Veranstaltungsabteilung der Staatsbad GmbH wird mit Wirkung ab 1. Juli 2012 zukünftig als Stabsbereich der Geschäftsführung neu aufgestellt. Zum Wohle des Kulturbetriebes in Bad Kissingen wird das Spektrum der Veranstaltungen vervielfältigt und erweitert werden. Geplant ist ein Kaleidoskop der Kultur."
Aufgeführt werden dann eine ganze Reihe von persönlichen und dienstrechtlichen Interna, die man in einer derartigen Erklärung aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes eigentlich nicht erwarten dürfte. Aber Sauer stimmt auch ein erstaunlich hohes Loblied auf seine Abteilungsleiterin an, der er gerade gekündigt hat. Jutta Dieing sei in den zurückliegenden sieben Jahren als Kultur- und Veranstaltungsleiterin der Staatsbad GmbH in dieser Funktion allseits geschätzt gewesen: "Zahlreiche Aufführungen und Neuerungen sowie nationale und internationale Kontakte hatte sie aufgebaut. Durch ihren Einsatz verlieh sie dem internationalen Musikfestival "Kissinger Winterzauber" ein klares und modernes Profil. Sie initiierte Kooperationen mit internationalen Konzert- und Theaterhäusern, realisierte viele Projekte und gewann auch wichtige Partner aus Wirtschaft und Industrie zur längerfristigen finanziellen Unterstützung für ausgewählte Projekte."
Als Beispiele nennt Sauer Events wie die "Licht- und Klanginstallation" zum 100-jährigen Jubiläum der Wandelhalle, das Projekt "power & emotion" im Regentenbau, Kooperationen wie die "Kissinger Osterklänge" oder die Weltersteinspielung der romantischen Oper "Merlin", die 2010 einen ECHO Klassik Preis erhielt.
Auch das 13-köpfige Kurorchester, so Sauer weiter, habe Jutta Dieing programmatisch auf eine breite Basis gestellt und viele neue Konzertformate wie die "Kissinger Nachtmusik" und die thematischen Sonderkonzerte realisiert.
Sauer ist sich sicher, das kulturelle und künstlerische Niveau der Staatsbad GmbH in bewährter Weise fortzuführen. "Durch die Neuausrichtung und die damit verbundene engere Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Kissingen sowie allen regionalen und überregionalen Kulturvertretern sind zusätzliche wertvolle Impulse zu erwarten. Ein ausgewogenes Kultur- und Veranstaltungsmanagement ist untrennbar mit der Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen GmbH verbunden."
Über den konkreten Kündigungsgrund dürfe Sauer keine Angaben machen: "Ein laufendes Personalverfahren ..." Und nichts sagen wollte er auch über einen Zusammenhang zwischen der engeren Anbindung des Kulturprogramms an die Geschäftsleitung der Staatsbad GmbH. Die programmatische Arbeit ("Da gibt es mehrere Möglichkeiten") könne künftig ein freier Mitarbeiter oder eine Agentur übernehmen. Dass das Outsourcing, das Sauer offensichtlich favorisiert, eine Aufgabe der gestalterischen Souveränität der Staatsbad GmbH bedeutet, will er nicht gelten lassen: "Da sagt denen jemand, was wir wollen." Nur, wer ist dieser Jemand?
Der Kurdirektor wies darauf hin, dass die neue Struktur eine engere Zusammenarbeit mit der Stadt ermögliche. Und im Übrigen gebe es ja auch noch die Vereine und andere Kulturträger in der Stadt, die man mit ins Boot holen wolle.
Das Kulturangebot der Staatsbad GmbH sei ja "nur ein Block im Gesamtangebot", meinte auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Er räumte ein, dass die Einschaltung einer Agentur Vor- und Nachteile habe. Aber man müsse dem Publikum "das bieten, was es hören will, wenn es in Bad Kissingen übernachten soll ("Warum nicht barocke Blasmusik?")." Der Kissinger Winterzauber etwa verursache ein großes Defizit: "Er hat sich durch seinen großen klassischen Anteil immer mehr dem Kissinger Sommer angenähert." Und: "Wir müssen uns fragen, wie viele musikpädagogische Festivals wir uns in Bad Kissingen leisten können."
Und die Betroffene? Jutta Dieing weiß immer noch nicht den tatsächlichen Kündigungsgrund, sondern seit Montag nur, dass sie betriebsbedingt gehen muss: "Der Herr Sauer redet nicht mehr mit mir." Vielleicht bekommt sie auch die Presseerklärung.