Gemäß der uralten bäuerlichen Erfahrung, wonach die Natur immer wieder aufholt, was sie nach oft geäußerter Meinung in ihrer Entwicklung im Frühjahr versäumt, kann auch heuer wieder nicht von Versäumnis die Rede sein. Denn von guter über zufriedenstellender bis zu sehr guter Getreide-Ernte ist allenthalben von Landwirten und bei Gesprächen im Hof des Getreidehändlers Halbig (Jörgenmühle, Brünn) die Rede.

Das beziehe sich auf Menge und Qualität des Erntegutes, nicht jedoch auf die Feuchtigkeit der angelieferten Ware, sagte Edith Halbig, Büro- und Labor-Leiterin in der Jörgenmühle, während sie am Feuchtigkeits-Messinstrument die frisch angelieferte Ware testete oder die so genannten Rückstellmuster eintütete.
Rückstellmuster sind etwa ein Kilogramm schwere Plastikbeutel voll Körner aus jeder angelieferten Fuhre Erntegut zur eventuellen späteren Zurückverfolgung bis hin zum Erzeuger. Diese Rückstellmuster müssen nach einer seit sieben Jahren bestehenden Vorschrift 30 Monate aufbewahrt werden, sagt Edith Halbig. Bei jeder Raps-Anlieferung füllt sie einen weiteren Beutel mit den schwarzen Körnern, um diese im Fachlabor auf ihren Ölgehalt prüfen zu lassen. Auf die diesjährigen Getreidepreise angesprochen, meinte die Labor-Chefin: "Getreidepreise werden von den weltweit agierenden Getreidebören bestimmt und sind, wie bisher zu erfahren war, recht niedrig."
Derweil unterhalten sich im Hof Roland Bieberich und Vater Cyriak aus Althausen mit Rudi Halbig, dem Chef des Unternehmens, während sie auf die Abnahme ihrer beiden Fuhren Raps warten. Altlandwirt Cyriak Bieberich bezeichnet sich als Aushilfslandwirt, der sich immer dann zur Verfügung stellt, wenn Not am Mann ist. "Sonst lass ich die Jugend schaff", sagt er. Er hat einen Anhänger mit etwa 140 Zentnern Raps in den Hof gefahren. Die bisherige Ernte sei zufriedenstellend, sagt er. Die Wintergerste brachte gute Erträge, jedoch hätte der Weizen mehr Wasser gebraucht, sinniert der 75-Jährige.
"Die Früchte, die bald reif werden, hatten genügend Wasser", ergänzt Sohn Roland und meint, für den Rest seien die Böden ausschlaggebend. Gute Böden halten länger durch, während die schlechten Böden zu bald austrocknen. Die Folge sei heuer gewesen, dass das Getreide dort notreif wurde und sich Schwärzepilze ausbilden konnten. Diese für die Pflanzen unschädlichen Pilze habe man auf manchen Schlägen beobachten können.
Der Gewitterregen habe den Landwirten etwas Ruhe verschafft, während sich die Ernte natürlich verzögert hat. Doch waren Wintergerste und Raps vorher schon zum größten Teil abgeerntet, sagt Sebastian Ries vom Erzeugerring Unterfranken auf telefonische Nachfrage. Der mindere Ertrag sei auf den trockenen Juli zurückzuführen, da das Körnerwachstum durch die Trockenheit gehemmt gewesen sei, so Ries. Dadurch sei nach seiner Einschätzung zehn bis 15 Prozent Ertragsminderung zu verzeichnen. Dennoch könne man mit Menge und Qualität zufrieden sein, so Sebastian Ries.
Auch Agrar Dipl.Ing. FH Anton Huber vom Bauernverband Unterfranken betont, dass die Erträge bisher durchschnittlich bis gut sind und auch der Raps mit 40 Prozent durchschnittlichem Ölgehalt nichts zu wünschen übrig lasse. "Der Gewitterregen ist zwar für manche Getreidearten zu spät gekommen, andere Früchte können aber schon noch etwas damit anfangen", sagt Huber.
Dagegen war von Wolfgang Dünisch (Poppenlauer) am Rand seines Tritikale-Feldes in der Flur Kalkofen bei einem Mäh-Stop neben seinem Mähdrescher zu erfahren: "Ich bin bisher mit der Ernte sehr zufrieden. Schlecht sind heuer nur die Getreidepreise."