Robert und Anetta Kirchner (geb. Kessler) kennen sich von Kindesbeinen an. Ihre Elternhäuser standen nicht weit voneinander entfernt. Gefunkt hat es früh: "Wir hatten schon immer ein Auge aufeinander", erzählen die beiden.
Am 3. Mai 1954 gaben sie sich vor Bürgermeister Franz Grom in Wollbach das "Ja-Wort". Der standesamtlichen Trauung folgte tags darauf in Bad Kissingen der kirchliche Segen. Sie haben sich stets die Treue gehalten, in guten und in schlechten Zeiten. Dankbar blicken sie zurück und sich innig in die Augen: "Wir waren, sind und werden immer füreinander da sein."

Erfolg mit Disko

Der Jubilar hatte zwei ältere Brüder, die er beide 1943 in Russland verlor. Einer ist gefallen, der andere ist seitdem vermisst. Robert Kirchner war von 1954 bis 1958 bei der Firma Siemens in Bad Neustadt beschäftigt. Es folgten fünf Jahre auf dem Bau: Bei der Firma Reuss in Garitz beziehungsweise bei der Firma Hell in Bad Kissingen. Dann übernahm er vom Großvater das "Gasthaus zur Rhön", das später eine beliebte Disko wurde. Aber der wirtschaftliche Erfolg kam nicht von selbst, die beiden mussten dafür hart arbeiten.
Anettas Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft. Großvater und Vater waren zudem auf der Ziegelei und Polizeidiener. Ihre ältere Schwester starb schon 1973. Ihre Stellung im Hotel "Sanner" in Bad Kissingen gab sie nach der Hochzeit auf, weil die Gaststätte dauerhaften Einsatz forderte.
Kirchners haben zwei Töchter: Angela und Elfi kamen 1955 bzw. 1958 auf die Welt. Höhepunkte waren damals acht Tage Urlaub in Österreich. 1991 baute sich das Jubelpaar - gemeinsam mit Tochter Elfi und deren Ehemann Adolf Rehlein - ein neues Wohnhaus am oberen Ende der "Rhönstraße".
Hier wohnen sie bis heute und freuen sich, wenn ihr Tag ohne große Schmerzen beginnt. Beide mussten nämlich in den letzten Jahren zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen, sind aber dennoch immer guten Mutes.

Sonntags zum Frühschoppen

"Was bin ich früher gerne gelaufen, jeden Tag war ich draußen in der Natur", sinniert Anetta Kirchner wehmütig. Die 81-Jährige verfolgt das örtliche Geschehen interessiert - insbesondere über die Tageszeitung.
Ihr gleichaltriger Gatte ist passives Mitglied in zahlreichen Vereinen und Ehrenmitglied beim TSV Wollbach. Auf die enge und herzliche Beziehung mit den Sportlern ist er besonders stolz. Alle vier Wochen trifft er sich mit den anderen Ehrenmitgliedern: "Darauf freue ich mich immer sehr. Die Stunden genieße ich außerordentlich."
Wenn es die Gesundheit zulässt, geht es sonntags in die Kirche und danach zum Frühschoppen. "Als ehemaliger Gastwirt ist das für mich angenehme Pflicht."
Auch auf dem Sportgelände lässt sich der "Reiser", wie er mit Dorfnamen gerufen wird, oft sehen. Hier drückt er den Gelb-Schwarzen die Daumen, zu Hause der Frankfurter Eintracht. Er freut sich über jedes gute Gespräch, spielt gerne Karten und möchte 106 Jahre alt werden. Augenzwinkernd verrät er warum: "Das war unsere frühere Hausnummer." Die Diamantene Hochzeit wird groß gefeiert. Unter anderem gratulieren drei Enkel und vier Urenkel.