Mit zahlreichen Veranstaltungen erinnert in diesem Jahr seine Heimatgemeinde Hausen und das Bistum Würzburg an den 100. Geburtstag von Julius Kardinal Döpfner (1913-1976). Wer sich lieber abseits der offiziellen Feiern über das Leben und Wirken des Kardinals informieren will, ist im Kardinal-Döpfner-Museum in Hausen bei Bad Kissingen, dem Geburtsort des Kardinals, richtig.
In zwei Räumen im Ostflügel des ehemaligen Prämonstratenserinnenklosters erwarten den Besucher Fotos, Dokumente und Zeitungsberichte, viele Erinnerungsstücke wie der Bischofsstab, Langlaufskier - und ein Schaukelpferd.
Das Schaukelpferd ist der Liebling der Museumsbesucher. Aus Holz, die rote Farbe zu großen Teilen abgeblättert, scheint es auf die Kinder von Familie Döpfner zu warten, die erwartungsvoll von einem Familienfoto blicken. Die Wände bedeckt ein Sammelsurium von Fotos, Urkunden und Zeitungsberichten, in denen das Leben von Julius Kardinal Döpfner Schritt für Schritt nachgezeichnet wird.
Dazwischen immer wieder Dinge, die ihm gehörten: Der Bischofsstab, aber auch eine Bergsteigerausrüstung oder ein Bierkrug. Es ist gerade diese Mischung aus Information und Alltagsgegenständen, welche die Besucher fasziniert. "Was für eine liebevolle Zusammenstellung" und "Wir sind begeistert von dieser schönen Sammlung" - solche und ähnliche Kommentare sind im Gästebuch des Museums zu lesen.

Mit der Heimat eng verbunden

Mit Hausen blieb der Kardinal sein Leben lang eng verbunden. "Er hatte eine Wohnung, und immer wenn er auf der Durchfahrt war, ist er in Hausen abgestiegen", erzählt Hans Georg Keßler. Seit vier Jahren führt er die Besucher durch die Ausstellung, die 2001, zum 25. Todestag des Kardinals, von dem 2012 verstorbenen Hausener Pfarrer Georg Hirschbrich zusammengestellt wurde. Schritt für Schritt, vom Schulbub bis zum Kardinal, wird der Werdegang Döpfners nachgezeichnet.
Der Junge war gerade zehn Jahre alt, als der Vater im Jahr 1923 starb, die Mutter musste alleine für die Kinder sorgen. Dennoch besuchte Döpfner in Münnerstadt und Würzburg das Gymnasium. "Er hat als Bester seines Jahrgangs abgeschlossen", weiß Keßler zu berichten. Die Doktor-Urkunde der Päpstlichen Universität Gregoriana zeugt vom abgeschlossenen Studium, das Primizbildchen und eine Zeitungsnotiz erinnern an die Priesterweihe in Rom 1939 und die erste heilige Messe in Hausen ein Jahr später.
Döpfner war erst 35 Jahre alt, als er am 11. August 1948 zum Bischof von Würzburg ernannt wurde. "Für die Menschen war mit seiner Weihe eine gewisse Hoffnung verbunden", sagt Keßler. "Es war nicht nur die äußere Zerstörung der Nachkriegszeit, auch die moralischen Werte waren weggebrochen."

Döpfner und der Wohnungsbau

Das Wirken des jungen Bischofs ist noch heute spürbar, etwa im Sankt-Bruno-Werk, das er in der vom Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Stadt gründete. "Wohnungsbau ist heute in Wahrheit Dombau, Wohnungssorge ist Seelsorge", zitiert Keßler den Bischof. Von der Begeisterung der Hausener zeugt in einer Vitrine der Bischofsstab: Die Bürger hatten dafür Schmuckgegenstände aus Gold gesammelt.
Die Ausstellung gibt eine Ahnung davon, welchen Einfluss der Kardinal hatte. Fotos zeigen ihn unter anderem als Bischof von Berlin im Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister Willy Brandt oder als Präsident der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland im Würzburger Kiliansdom. "Er wurde respektiert quer durch alle Parteien und Gesellschaftsgruppen", betont Keßler. Als Moderator des Zweiten Vatikanischen Konzils habe sich Döpfner für zahlreiche Neuerungen eingesetzt, unter anderem für die Einführung eines Pfarrgemeinderats, oder dafür, dass Gottesdienste in der jeweiligen Muttersprache gehalten werden. Damit machte er sich nicht überall beliebt, wie eine gerahmte Schlagzeile aus der "Münchener Katholischen Kirchen-Zeitung" vom 4. März 1979 zeigt: Unter der Überschrift "Bei Nacht und Nebel verschwand der Kardinal" wird die neue Version einer Tafel an der Eingangstür zum Petersdom in Rom kritisiert, auf der die beiden Konzilspäpste und die Moderatoren des Zweiten Vatikanischen Konzils abgebildet sind - alle außer Kardinal Döpfner. Ein dicker Strich in knalligem Orange markiert die Lücke.

Döpfner war wegweisend

Die Aufmerksamkeit der Besucher auf die Worte und Taten des Kardinals zu lenken, ist Keßlers Anliegen: "In allen Epochen gibt es wegweisende Aussagen." So habe Döpfner beispielsweise mit der "Hedwigs-Predigt" im Jahr 1960 die Hand zur Versöhnung in Richtung Polen ausgestreckt: "Das waren Worte, die Wellen geschlagen haben." Und als Präsident der "Würzburger Synode" 1975 habe er diese vor dem Bruch bewahrt. "Es gab einen sehr fortschrittlichen und einen sehr beharrenden Flügel. Es war allein Döpfners Verdienst, die beiden zusammenzuführen", erklärt Keßler. Gerade in der heutigen Zeit, ist er überzeugt, "bräuchte man solche Persönlichkeiten". Vielleicht entspannte Döpfner nach einem langen Arbeitstag mit einer Zigarre der Marke "Schwarze Weisheit" oder bei einem Schluck aus seinem persönlichen Bierkrug. Er war zeit seines Lebens sportlich, so dürfen im Museum auch die Wanderausrüstung und die Langlaufskier des Kardinals nicht fehlen.
Prunk sei nicht seine Sache gewesen: Die Einrichtung im Bischofspalais in München habe er "sehr schlicht gehalten", erzählt Keßler. Und die repräsentative Kardinalskleidung blieb bei seinen Besuchen in Hausen im Koffer. "Nach dem Konzil war das bei ihm weg. Er ist hier immer als schlichter Priester aufgetreten, nie in Kardinalsgewändern." Im Februar 1976 kam Döpfner zum letzten Mal nach Hausen. Ein Foto zeigt ihn in einer gemütlichen Kaffeerunde. Fünf Monate später, am 24. Juli, starb er in München an einem Herzinfarkt.

Einfach nur "der Kardinal"

Auch zum Tode Döpfners hat Kessler eine Geschichte parat. In einem Hamburger Taxi saßen Amerikaner, als die Todesnachricht gesendet wurde. Auf die Frage "Wer ist gestorben?" habe der Taxifahrer knapp geantwortet: "Der Kardinal." "Da wussten sie Bescheid, denn mit Kardinal konnte nur einer gemeint sein." Die Abendzeitung titelte in riesigen Buchstaben: "Kardinal wie ein König zu Grabe getragen." Besser hätte ihm vermutlich ein Eintrag im Gästebuch gefallen: "In stillem Gedenken an Onkel Julius." pow