Maria und Hans Dietrich Unger sind Pionier in Sachen Stromerzeugung: Sie betreiben derzeit das einzige Mini-Blockheizkraftwerk in der Stadt Bad Brückenau. Davon würden sich Stadt und Stadtwerke deutlich mehr wünschen, um die Versorgung umweltfreundlicher und die Luft sauberer zu machen. In einer Sondersitzung beschäftigt sich der Stadtrat am Dienstag, 31. Januar, deshalb mit einem Energie-Nutzungsplan (siehe auch Bericht rechts).
"Wir haben 1978 kurz nach der Ölkrise gebaut", berichtet Hans Dietrich Unger. Deshalb lag es nahe, sich mit dem Thema Energieversorgung zu beschäftigen: "Wir haben damals schon alles getan, was möglich war", verweist er auf eine dicke Dämmung hinter der Klinker-Fassade und einen der ersten Gas-Brennwert-Kessel in der Stadt. Der wurde nach 18 Jahren vor zwei Jahren immer störungsanfälliger. Also beschäftigte sich Unger erneut mit dem Thema: Hackschnitzel war der erste Favorit, weil er jedoch vom Brennholz für den Ofen in der Wohnung weiß, wie auch der Holzpreis steigt, wollte er keine neue Abhängigkeit.
Zusammen mit Heizungsbauer Norbert Schüßler aus Roßbach und Volker Wießner von den Stadtwerken kam er auf das Mini- Kraftwerk: "Einen Tag Abbau, einen Tag Aufbau, dann lief's", berichtet er von der Installation im vergangenen Jahr. Seit November speisen die Ungers nun deutlich mehr Strom ein, als sie verbrauchen: 2800 Kilowatt-Stunden hat das Kraftwerk mittlerweile erzeugt. Im gleichen Zeitraum hat die Familie nur 1100 Kilowattstunden benötigt.
Finanziell fällt Ungers Bilanz trotzdem gemischt aus: Während er den Strom für rund 20 Cent pro Kilowattstunde einkauft, bekommt er nur rund 9,5 Cent für die eingespeiste Kilowattstunde. Ideal wäre also, den Strom selbst zu verbrauchen, das klappt jedoch nicht immer, weil das kleine Kraftwerk nicht nach Strom-, sondern nach Wärmebedarf anspringt.
"Wenn ich das rein finanziell durchrechne, hätte ich es nicht gemacht", steht für Hans Dietrich Unger der ökologische Gedanke im Vordergrund: "Meine Idee wäre, dass das in Bad Brückenau 1000 oder 2000 Haushalte so machen, dann hätten wir einige Probleme weniger", verweist Unger darauf, dass für den vor Ort erzeugten Strom keine großen Leitungen notwendig sind und kaum Verluste anfallen.
"Die Stadtwerke geben für solche Anlagen 1000 Euro dazu", wirbt auch Volker Wießner für die Mini-Blockheizkraftwerke (BHKW). Der Stadtwerke-Mitarbeiter engagiert sich sogar bundesweit in einer Arbeitsgemeinschaft zu dem Thema. Für ihn sind die kleinen Kraftwerke ein wichtiger Baustein, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Deshalb bauen die Stadtwerke auch demnächst in ihrem Gebäude, das sie an die Verwaltungsgemeinschaft vermietet haben, ein Mini-BHKW.

1097 Eigentümer hat die Stadt im Januar 2011 angeschrieben, um den Energieverbrauch in Wohn- und Geschäftshäusern herauszufinden. "Es kamen rund 400 Bögen zurück, das ist eine bemerkenswerte Bürgerbeteiligung", freut sich Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). "Das ist ein Zeichen dafür, dass das Interesse prinzipiell da ist", ist auch Planer Wilfried Helfrich begeistert darüber, dass so viele Bürger ihre persönlichen Daten zur Verfügung gestellt haben, die übrigens nach der Auswertung komplett gelöscht werden müssen.
"Es geht nicht darum, den bloß zu stellen, der eine Dreckschleuder im Keller hat", betont Helfrich. Wobei die Verbesserung der Luftqualität ein wichtiger Punkt des Energiekonzeptes ist: "Beim Grobstaub haben wir bei der letzten Messung den Grenzwert zwei Mal gerissen", verweist Karl-Heinz Weismantel von der Stadtverwaltung auf das jüngste Luftgutachten. Nur drei Überschreitungen seien erlaubt, dann seien Konsequenzen für den Bad-Titel zu befürchten. "Das will ich mir gar nicht ausmalen", ist eine Aberkennung des Bad-Titels für Meyerdierks undenkbar. "Wir haben 2016 die nächste offizielle Luftmessung, aber wir wissen jetzt schon, dass wir was machen müssen", sieht die Bürgermeisterin die Stadt in der Pflicht.
Das Gutachten habe ergeben, dass die größten Belastungen nicht vom Verkehr oder von der Autobahn, sondern vom Heizen kommen. In der Bestandsanalyse kommt das Ingenieurbüro Helfrich zwar auf 70 Prozent Gas-Heizungen in der Stadt, fraglich ist jedoch, wer wie zusätzlich heizt. So gibt es laut Studie etwa 82 Einzelfeuerstätten für Holz, die vor allem beim Anschüren besonders viel Ruß, also Grobstaub in die Luft blasen.
Das größte Potential sieht Helfrich in der Energie-Einsparung: Um bis zu einem Viertel könne der Verbrauch durch Wärmedämmung, geändertes Nutzungsverhalten und effizientere Geräte gesenkt werden. So rechne sich eine neue Heizungspunpe meistens schon nach drei Jahren. "Die Energie, die wir nicht verbrauchen, belastet uns auch gar nicht", lautet der Grundsatz.
Trotzdem muss Energie irgendwo herkommen: "Wir sind verwöhnt durch die großen Kraftwerke, die permannent Strom liefern", müssten alle umdenken. Die Umstellung könne nur mit einem Energie-Mix geschehen, und: "Eine Idee ist, dass das Potential des ländlichen Raumes für die Energieversorgung genutzt wird." Über die Möglichkeiten zur Nutzung von Wind- und Sonnenenergie, Erdwärme und Biomasse will Helfrich in der Stadtratssitzung am kommenden Dienstag ausführlich informieren.
"Ab 85 Cent pro Liter Heizöl rechnet sich das natürlich immer mehr", sieht Wilfried Helfrich die erneuerbaren Energien im Kommen. Dabei sei die Aufklärung ganz wichtig, denn: "Letztendlich ist der Häuslebauer derjenige, der das zu entscheiden hat." Wichtig sei auch, dass die Haus-Eigentümer rechtzeitig Konzepte an die Hand bekommen: "Bevor der Kessel kaputt ist, sonst muss es meistens schnell gehen." Der Tipp des Experten lautet deshalb: "Im Sommer umbauen, damit der nächste Winter kommen kann."