Auf großes Interesse ist die regionale Werkstatt "Anders Denken in den Pastoralen Räumen" im Burkardus-Wohnpark in Bad Kissingen gestoßen. 32 Frauen und Männer erarbeiteten gemeinsam, welche Chancen das Konzept der Sozialraumorientierung für die Arbeit in ihren Pastoralen Räumen und für die Caritas im Dekanat Bad Kissingen birgt. Dabei kamen insbesondere Expertinnen und Experten, die sich mit den Themen Armut, Hilfe für Geflüchtete und Seniorenarbeit gut auskennen sowie potentielle Kooperationspartner wie Vertreterinnen der Tafel oder aus dem Migrationsbeirat aus der Region mit den Haupt- und Ehrenamtlichen in einen intensiven Austausch.

Emil Müller, stellvertretender Landrat von Bad Kissingen, zeigte sich beeindruckt, wie durch die Veranstaltung das Thema Sozialraumorientierung praxisnah dargestellt wurde, und dass bereits konkrete Schritte zur Umsetzung gefasst wurden. Es sei erfreulich, wenn Kirche durch die Aufnahme von gesellschaftlichen Themen und durch die enge Zusammenarbeit mit ihrer Caritas wieder mehr Relevanz erhalte, sagte Müller.

"Wir müssen weg von einer Kirche, die wahrgenommen wird, als beschäftige sie sich nur mit sich selbst", bekräftigte Claus Schreiner aus der diözesanen Projektgruppe in seiner Einführung und eröffnete neue Perspektiven für kirchliches Handeln. Kilian Bundschuh vom Diözesan-Caritasverband stellte einfache Methoden vor, mit denen Kooperation und Vernetzung gelingen kann, beziehungsweise Ressourcen gut genutzt werden können. Er erläuterte, worauf es ankommt, wenn in Pastoralen Räumen Menschen aktiviert und einbezogen werden sollen.

In den anschließenden Arbeitsgruppen wendeten die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einige Methoden konkret auf ihre eingebrachten Themen an. In der praktischen Arbeit wurde den Teilnehmenden schnell deutlich, wie wertvoll Austausch und Zusammenarbeit mit anderen lokalen Initiativen und Einrichtungen sind. "Hier wollen wir dranbleiben", resümierte eine Teilnehmerin. Andere waren zufrieden mit der interessanten Themenauswahl, die gut zu den Bedürfnissen der Teilnehmenden gepasst habe.

Die regionalen Werkstätten, die jetzt in Bad Kissingen und bereits im Herbst 2021 im Dekanat Miltenberg und im Dekanat Main-Spessart stattfanden, wurden jeweils gemeinsam mit Vorbereitungsgruppen vor Ort individuell auf die Bedürfnisse der Regionen gestaltet. Die Formate waren nicht "von der Stange". Dafür dankte Ordinariatsrätin Dr. Christine Schrappe, Leiterin der Hauptabteilung Bildung und Kultur des Bistums Würzburg, allen Beteiligten. Im Laufe des Jahres werden in allen Dekanaten des Bistums Würzburg Regionalwerkstätten zur Sozialraumorientierung organisiert.

Stichwort: Sozialraumorientierung

"Sozialraum" ist keine feste, räumlich umschriebene Größe wie ein Landkreis oder eine Pfarrei, sondern der Raum, in dem Menschen ihre sozialen Bezüge wahrnehmen. Dazu zählen beispielsweise Schule, Vereine, Kita, Beratungsstelle, Bürgerbüro, Arbeitsstätten, Stadtteilcafé oder Nachbarschaft, die als Knotenpunkte des gesellschaftlichen Lebens den "Sozialraum" von Menschen bilden.

Sozialraumorientierung will Haltungen und Handlungsweisen vermitteln, die die Verbesserung von Lebensverhältnissen von Menschen in ihrem Sozialraum zum Ziel haben. Die Kirche als eine Akteurin im Sozialraum hat die Chance, mit vielen weiteren Akteuren Lebensverhältnisse gemeinsam mit den Menschen positiver zu gestalten. Dadurch kann sie ihren Auftrag neu entdecken und umsetzen, in der Orientierung am Willen der betreffenden Menschen "Licht für die Welt" zu sein.

Beim sozialraumorientierten Ansatz geht es im Bistum Würzburg um ein spürbar stärkeres Miteinander von Caritas und Seelsorge - und darum, über Kooperation und Unterstützung von Eigeninitiativen der Menschen gemeinsam mit weiteren Gruppen, Initiativen oder Institutionen zusammenzuarbeiten.pow