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Pflege

Hospizmangel: Das könnte die Lösung sein

In Bad Kissingen gibt es wenig Platz für Sterbende und Schwerstkranke. Doch es gibt Ansätze, das Problem in den Griff zu kriegen.
Es gibt Möglichkeiten, die hospizliche Versorgung im Landkreis Bad Kissingen zu verbessern. Derzeit gibt es hier keines der möglichen Angebote.
Es gibt Möglichkeiten, die hospizliche Versorgung im Landkreis Bad Kissingen zu verbessern. Derzeit gibt es hier keines der möglichen Angebote. Foto: Peter Atkins/ Stock.adobe.com

Die Angebote für Sterbende und Schwerstkranke im Landkreis sind ausbaufähig. Zwar ist mit einem aufsuchenden Palliativ-Team im Kreis und Palliativstationen in Schweinfurt und Bad Neustadt die medizinische Versorgung abgedeckt - die gibt es aber nur für die, die bestimmte Kriterien erfüllen. Zudem ist eine Palliativstation nicht zum Sterben gedacht und der Aufenthalt zeitlich begrenzt. Auch gibt es im Landkreis die vielen Hospizhelferinnen und -helfer, die ehrenamtlich Sterbende und Schwerstkranke zu Hause aufsuchen, jedoch nicht die Pflege übernehmen. Schwerstkranke Menschen ohne Verwandtschaft, die sie pflegen kann, bräuchten ein Hospiz. Die nächsten befinden sich aber in Würzburg, Fulda, Meiningen und nahe Aschaffenburg - zu weit weg, wenn Freunde und Verwandte sie regelmäßig besuchen wollen. Doch es gibt Lösungsansätze.

Lösungsansatz 1: Hospiz in Schweinfurt

Ein erster entstand durch das Hospiz- und Palliativversorgungsnetzwerk (HPVN) Schweinfurt - Bad Kissingen - Rhön Grabfeld, ein Zusammenschluss der Städte, Kreise und Vereine, die zu dem Thema arbeiten. Aus Bad Kissingen sind Hospizverein und Landkreis beteiligt, vertreten durch Antje Rink vom Landratsamt. Das Netzwerk hatte eine Bedarfsanalyse gemacht, fachlich unterstützt vom Bayerischen Hospiz- und Palliativverband.

Die Frage: ob ein stationäres Hospiz in der Region notwendig und sinnvoll ist. Ergebnis: Rund zehn und bis zu 30 Betten seien in Schweinfurt nötig. Die Analyse habe Altersstruktur, das Umfeld und "weitere demografische und statistische Parameter" berücksichtigt, so Rink. Die Verantwortlichen suchen derzeit ein geeignetes Grundstück und klären die Finanzierung. Auch einen Träger braucht es. Dann können sie das Hospiz bei den Krankenkassen beantragen und einen Versorgungsvertrag schließen. So ist sichergestellt, dass die Kassen die Hospizleistungen zahlen.

"Sollte das alles funktionieren", sagt Reinhard Höhn vom Hospizverein Bad Kissingen, "dauert es mindestens noch fünf Jahre, bis es bezugsbereit ist". Und: Es wäre immer noch für viele im Kreis ein gutes Stück entfernt.

Lösungsansatz 2: Hospiz-Appartement

Daher gibt es eine weitere Möglichkeit zu Orten für Sterbende und Schwerstkranke in der Nähe: sogenannte Hospiz-Appartements. Das ist "im Grunde ein Zimmer, wohnlich eingerichtet, aber ausgestattet für die Versorgung eines sterbenden Menschen", sagt Rink. Idealerweise sei es Teil eines Pflegeheims. "Es hat aber auch besondere Ansprüche an die personelle Ausstattung, da die pflegerische und medizinische Versorgung Schwerstkranker Menschen besondere Anforderungen hat."

Der große Unterschied zum normalen Hospiz ist, dass die Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt - das Zimmer muss selbst gezahlt werden. Denn um als Hospiz angesehen und damit unterstützt zu werden, müssen zum einen mindestens acht Betten vorhanden sein, zum anderen muss es baulich und personell komplett vom Rest des Heims getrennt sein - eigene Küche, eigene Pflegekräfte, eigene Verwaltung. Wie immer solle Missbrauch kontrolliert und verhindert werden, so Rink. Das sei verständlich, aber es führe in der Praxis dazu, dass es den Anbietern solcher Zwischenlösungen schwer gemacht wird. Nicht gedeckte Kosten müssten die Betroffenen oder ein Förderverein tragen.

Die Unterbringung im Hospiz-Appartement koste etwa so viel wie im Altenheim, aber: "Der Pflegeschlüssel ist besser, auch ehrenamtliche Hospizhelfer unterstützen. Und es gibt die Möglichkeit, eigene Möbel mitzubringen", sagt Höhn. "Das hatten wir mal in Bad Bocklet und wollten es auch in anderen Heimen etablieren, aber es hat nicht funktioniert", berichtet er. Das habe an der Personalausstattung gelegen, die Betreuung sei sehr aufwendig. Dass die Krankenkassen finanziell nicht unterstützen, macht es nicht leichter. "Man kann damit einfach kein Geld verdienen. Ich war mit zwei Heimen in Verhandlung, aber die hatten dann beide doch keine Lust mehr", sagt Höhn. In Würzburg gebe es das nächste Hospiz-Appartement.

Lösungsansatz 3: Tageshospizplätze

Ein weiterer Lösungsansatz zeigt sich in Aschaffenburg: "Tumorpatienten werden in eine Art Tagespflege, ein Tageshospiz, gebracht und werden da den Tag über betreut. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse." Der Nachteil jedoch ist, dass die Menschen jeden Morgen gebracht und abends wieder abgeholt werden müssen. Immerhin, besser als nichts. Doch auch das gibt es im Landkreis nicht. Was könnte helfen, dass die Situation besser wird? Reinhard Höhn meint: "Alle Beteiligten, Wohlfahrtsverbände, Kommunen und der Landkreis müssten sich mal an einen Tisch setzen und über eine Lösung sprechen."