"Die Hornissen haben Wohnungsnot", sagt Claus Schenk. Da hohle Bäume, die ursprünglichen Niststätten der Hornissen, immer seltener zu finden sind, sind sie auf Wohnräume in der Nähe von Menschen angewiesen. Hornissen gehören zu den besonders geschützten Arten. Für das Fangen, Verletzen oder Töten von Hornissen oder die Beschädigung ihrer Nester kann in Bayern ein Bußgeld von 50 000 Euro fällig werden.

Claus Schenk arbeitet ehrenamtlich als Wespen- und Hornissenumsetzer. Hauptberuflich ist er Fachbetreuer für Umweltbildung für das Biosphärenzentrum Rhön "Haus der Schwarzen Berge". Im Alltag setzt er nur selten Nester um. Den Großteil seiner Zeit berät er Menschen, die unsicher sind, wie sie sich verhalten sollen, wenn Wespen oder Hornissen etwa auf dem Balkon oder im Rolladenkasten einziehen.

Die Bad Kissinger Kleingärtner Helmut Voll, Erich Schmalzl , Klaus Gerner und Edgar Kast beriet er bei der Frage: Wo sollen Nistkästen hängen? Wo fühlen sich die Tiere wohl?

"Hornissen sind wie der Hai im Meer. Äußerst praktisch", sagt Schenk. Als "Ökopolizei" sorgen sie für ein natürliches Gleichgewicht unter den Insektenbeständen.

Hornissen bei Kleingärtnern willkommen

In der Bad Kissinger Kleingartenanlage "Rhönblick" sollen zwei Hornissenköniginnen mit ihrem Volk ein neues Zuhause finden. Klaus Gerner, der mit seiner Frau eine Parzelle bewirtschaftet, hat zwei Kästen gestiftet. Die Kästen haben Mitarbeiter des Sozialwerks SALEM-Höchheim gebaut und kostet pro Kasten 35 Euro.

Zunächst hing ein Nistkasten in der Kleingartenanlage neben der großen Vereinspergola an einem alten Gartenhaus. Der Kasten sei aber zu niedrig angebracht und biete den Tieren mit dem geringen Dachüberstand des Gartenhauses zu wenig Schutz, fand Schenk. Deshalb hängten die Kleingärtner die Kästen um: einen ans Büro, den anderen an die Vereinspergola.

"Hornissen sind intelligente Tiere. Die gehen nur rein, wenn der Nestbau Erfolg verspricht." Zugluft mögen Hornissen nicht. Ideal ist ein warmer, windgeschützter, trockener Platz Richtung Osten in etwa vier Meter Höhe.

Hornissen brauchen rauhe Oberflächen

"Glatt gehobelte Bretter sind schlecht, denn dann können Hornissen beim Nestbau schlechter andocken", erklärt Schenk. Deshalb schraubten die Gärtner zusätzlich ein Stück unbearbeitetes Holz in den Kasten.

Wenn es mehrere Nistkästen gibt, sollten sie sich in einem deutlichen Abstand zueinander befinden. Sonst kann es zu Revierkämpfen zwischen den Hornissenvölkern kommen.

Ein Zettel in einem Rahmen , den Edgar Kast geschrieben hat, informiert die Kleingärtner, wie sich die hoffentlich neu hinzukommenden Mitbewohner verhalten. Die Menschen profitieren von den Tieren, denn diese sind fleißige Schädlingsbekämpfer. Es sei nicht zu befürchten, dass Hornissen über das Kuchenbuffet, die Limonade oder über Steaks und Bratwürste bei einer sommerlichen Grillparty herfallen. Denn sie jagen lieber andere Insekten. Mit ihren Mundwerkzeugen kann eine Hornisse andere Insekten greifen und zu Eiweißbrei verarbeiten.

Hornissen meist friedvoll

Wespen sei die Hornisse überlegen. Deshalb meiden Wespen auch Gebiete, in denen Hornissen unterwegs sind. In der Nähe von Kindergärten etwa sei ein Hornissennest daher eher positiv zu sehen, denn die Wahrscheinlichkeit sinke, dass dann die Deutsche Wespe hier unterwegs sei. Diese verhalte sich deutlich aggressiver als die friedvollen Hornissen.

"Kopf ab, Flügel ab", so beschreibt Schenk das, wenn eine Hornisse eine Wespe fängt. Das Mundwerkzeug einer Hornisse könne man sich wie eine Art "Kampfwerkzeug" vorstellen, mit Greifzangen und einer Säge.

Andere begehrte Beutetiere sind Raupen des Eichenwicklers, Stechmücken, Bremsen und Motten. Ein Hornissenvolk fängt pro Tag etwa zwischen 250 und 500 Gramm Insekten. Wer also ein bewohntes Nest im Garten oder am Haus hat, wird auf seiner Terrasse nicht so stark von Stechmücken und Wespen belästigt.

Auf dem Infozettel heißt es außerdem: "Für die Natur ist die Hornisse ein Segen. Menschen hingegen haben leider falsche Vorstellungen und fürchten diese oft sehr." Wenn es laut brummt und die vergleichsweise großen Tiere herumschwirren, empfinden das viele Menschen als unangenehm. Manche Menschen bekommen Angst.

Harmloses Gift

Dabei sei die Hornisse "total harmlos", erklärt Schenk. "Sie greift nicht an, sondern weicht aus." Außerdem besitze sie in der Gruppe der Wespen das harmloseste Gift. "Es braucht bei Menschen 350 Stiche bis überhaupt etwas passiert."

Gewisse Verhaltensregeln sollten Menschen beim Kontakt mit Hornissen aber vermeiden: Heftige Bewegungen am Nistplatz sowie starke Erschütterungen etwa durchs Basketballspielen verunsichern die Tiere. Auch aufs Rasenmähen in der Nähe des Nestes sollte man verzichten. "Bei einem stinkenden Rasenmäher geht bei Hornissen die Alarmglocke los", sagt Schenk. Manche Menschen würde es als Zumutung empfinden, ein paar Wochen nicht den Rasen zu mähen. Er sage dann: "Es ist für die Natur gut. Es ist zumutbar. Das Gesetz gibt es vor, Hornissenneste nicht zu stören."

Die Flugbahn der Insekten sollte man nicht versperren, nicht in das Einflugloch pusten oder den Nesteingang manipulieren. Bei behutsamer Annäherung und ruhigem Verhalten ist es möglich, Hornissen ganz aus der Nähe zu beobachten, ohne gestochen zu werden.

Zur Kleingartenanlage Rhönblick

Helmut Voll und Erich Schmalzl sind seit 30 Jahren im Vorstand. Sie legen seit Jahren Wert auf Insekten- und Umweltschutz. Helmut Voll sagt: "In der Kleingartenanlage ist der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel nur auf ein Minimum zugelassen." Seit 18 Jahren gibt es ein Insektenhotel. Die 68 Gartenparzellen der Kleingartenanlage haben sich seit 1982 zu einer grünen Oase der Artenvielfalt für Vögel, Käfer, Reptilien und Schmetterlinge entwickelt. So haben die Kleingärtner in ihren Parzellen mindestens 120 Nistkästen, zehn Fledermauskästen sowie zahlreiche Insektenhotels aufgestellt und dadurch Lebensräume und Unterschlupf für verschiedene Tierarten geschaffen. Als Tränke für die Tiere gibt es elf Gartenteiche. Insgesamt ist die Anlage 3,5 Hektar groß. In der Nähe des Busunternehmens Wolf, beim Baumarkt Hellweg, gibt es zusätzlich zu den Gärten am Sinnberg noch 20 weitere Parzellen. Seit Corona interessieren sich wieder mehr Menschen fürs Gärtnern, berichtet Helmut Voll.