An ihrem Strandabschnitt an der Ostsee hat die Bad Kissinger DLRG die diesjährige Badesaison eröffnet: Die Bojen sind gesetzt, die Wachtürme aufgebaut, das Schnelltest-Zentrum wieder zum Sanitätsraum umgewandelt. Jedoch haben sie Bedenken, was den diesjährigen Wachdienst angeht. Sie fürchten, dass sich Badeunfälle häufen werden.

Bisher sei es aber noch ruhig gewesen, berichtet der Vorsitzende der DLRG Bad Kissingen, Markus Brandl. "Das Wetter war anfangs schlecht, deswegen kann noch nicht viel zu Schwimmunfällen sagen." Dass es mehr werden könnten, sei möglich. Alleine der Schwimmkurs der Bad Kissinger DLRG fiel für 200 Kinder aus, fast 400 stünden auf der Warteliste.

Viele fragen nach Schwimmkurs-Plätzen

"Es fragen viele nach Schwimmkursen. Das hat extrem zugenommen", berichtet er. Auch die Warteliste der Wasserwacht verlängerte sich: Die zwei jährlichen Schwimmkurse für je sechs bis acht Kinder waren in der Pandemie nicht möglich, weil das Hallenbad geschlossen war. Hinzu kommen Schwimmkurse privater Anbieter.

Eine Antwort der DLRG darauf ist eine Art Auffrischungskurs im Terrassenschwimmbad. Dort helfen die Ehrenamtlichen des Vereins Kindern und Jugendlichen, ihre Schwimmfähigkeiten wieder einzuüben. Das Ziel ist, sie für den Urlaub oder den Schwimmbadaufenthalt wieder fit zu machen. Das sei zwar im Freibad möglich, so Brandl, aber beim Schwimmkurs schaue es anders aus. "Wir würden gerne einen anbieten, aber wie haben kein Schwimmbad, in dem wir das machen können." Das Freibad sei zu kalt, weil die Kinder nicht dauernd in Bewegung sind.

Wasser darf nicht zu kalt sein

Andreas Bröll von der Wasserwacht berichtet ähnliches. "Nicht jedes Bad eignet sich für den Schwimmkurs. Die Kinder müssen in der Lage sein, im Wasser zu stehen. Die Wassertemperatur darf nicht zu niedrig sein." Sonst trauten sich die Kinder nicht ins Wasser oder zeigten Anzeichen einer leichten Unterkühlung. Beide Vereine nennen Rehabecken von Kliniken als perfekt, wissen aber, dass diese meist mit den Patienten belegt sind. In der Pandemie war es nicht möglich, eine Klinik zu betreten. Bitter für die Vereine: Durch fehlende Schwimmkurse brechen ihnen Teile der Einnahmen weg.

"Corona alleine kann und darf man als Ursache für mangelnde Schwimmfähigkeit und Badeunfälle nicht heranziehen. Seit vielen Jahren werden im Bundesgebiet Bäder geschlossen", sagt Bröll. Seitens der Schulen werde oftmals auch kein Schwimmen als Sportunterricht angeboten.

Situation an den Schulen gemischt

Eine Umfrage an Schulen des Kreises ergibt: zumindest manche Stufen haben Schwimmunterricht im Sport. In Bad Kissingen nutzen je ein paar Stufen der Schulen von Mai bis Oktober das Hallenbad. "Wegen der Kapazität des Hallenbades ist kaum mehr machbar", sagt Schulleiter der Anton-Kliegl-Schule, Hans-Jürgen Hanna. Auch in Ortschaften, in denen es kein Schwimmbad in der Gemeinde gibt, schwimmen ein paar Klassen im Sportunterricht. Das bedeutet für sie aber auch: Zeitverluste und Kosten durch die Busfahrten.

Bad Brückenaus Staatliche Realschule ist sogar Preisträger in Sachen Schwimmabzeichen. "Alle Schüler der Schule können schwimmen", sagt Rektor Michael Kreil. "Wir wollen in den nächsten Wochen wieder starten. Aber derzeit gelten noch Auflagen dafür.", sagt Kreil. Wegen der Pandemie war für die Schulen in diesem Schuljahr nicht möglich, Schwimmunterricht zu geben. Der Direktor der Grundschule Oberthulba, Frank von Schön, gibt zu bedenken: "Der Anteil der Nicht-Schwimmer steigt jedes Jahr. Das Gefühl haben zumindest die Kollegen."

Fehlende Routine und Selbstüberschätzung sind gefährlich

Die erste warme Zeit dieses Jahres habe bereits eine große Anzahl Todesopfer durch Badeunfälle gefordert, berichtet Bröll von der Wasserwacht. "Leider werden sich hier noch weitere Unfälle ereignen und eventuell auch Todesopfer fordern." Die fehlende Routine, Selbstüberschätzung und oftmals Unkenntnis der Gewässer führten immer wieder dazu, dass Schwimmer in Gefahr geraten.

Tipps für sicheren Badespaß

Andreas Bröll rät: "Wir empfehlen allen ungeübten Schwimmern, nur an bewachten Badeseen zu schwimmen. Oft werden die Fähigkeit und Kraft überschätzt, was dann zu einem Notfall führen kann." Das Seepferdchen mache Kinder nicht zu sicheren Schwimmern: "Wir empfehlen, das Bronzene Jugendschwimmabzeichen abzulegen, um ohne Eltern schwimmen zu gehen."

Wenn Eltern doch mit ihren Kindern ans Wasser wollen: Kinder nie unbeaufsichtigt lassen. "Wenn die ein bis zwei Saisons nicht geschwommen sind, geht viel an Übung verloren." Und: Mit den Kindern üben.

Für alle Schwimmer gilt, nur an freigegebenen und gekennzeichneten Gewässern zu schwimmen und die Schwimmbäder und Seen nur zu den Öffnungszeiten zu nutzen. Kennzeichnungen und Warnhinweise sind zu beachten. Es ist besser, die eigene Leistungsfähigkeit zu unterschätzen, als zu überschätzen. Im Idealfall sollte jemand an Land den Schwimmer im Blick haben. Bei unbekannten Gewässern sollten Badewillige sich über Strömung und sonstigen örtlichen Besonderheiten informieren.