Sie gelten als Umweltverpesster - und könnten doch im Herbst und Winter ein Segen sein: Heizpilze. In einigen Städten sind die gasbetriebenen Klimakiller verboten, die strombetriebenen haben ein wenig mehr Duldungsspielraum. Doch sie könnten ihr Comeback feiern. Denn mit den Heizquellen können Gastwirte die Außensaison verlängern. "Das würde kleineren Betrieben während des Corona-Herbsts sicherlich helfen", sagt Michael Schwägerl, Bezirksgeschäftsführer des Hotel- und Gastwirtschaftsverbands in Würzburg.

Die externen Heizungen haben eine schlechte Ökobilanz, weshalb sie verpönt sind, denn der Propangasbetrieb stößt vergleichsweise viel Kohlenstoffdioxid aus. Politiker verschiedenster Fraktionen wollen in ihren Bundesländern - oder Städten -bereits die Heizpilze flächendeckend erlauben, darunter Nordrhein-Westfalen und Berlin. Auch in München wollen selbst die Grünen im Corona-Winter Elektro-Heizer erlauben.

Das begrüßt Michael Schwägerl sehr. "Gerade in Unterfranken, wo es viel trockener ist als in Oberbayern, können die Heizpilze den Corona-gebeutelten Gastwirten helfen, die Außensaison zu verlängern." Er meint: Gäste sitzen eher in trockener Kälte noch draußen, wenn der Heizpilz ihnen warm macht - anders als bei Regen. Dass Städte und Gemeinden die Verbote lockern, "finde ich gut - in Schweinfurt beispielsweise sind sie noch verboten, aber der Stadtrat wird darüber noch reden".

Auch Heinz Stempfle, sein Dehoga-Kollege aus Bad Kissingen, spricht sich für die Heizpilze aus. "Ich verstehe den Gast, der lieber draußen sitzt." Er hört derzeit, dass Gastronomen im Herbst und Winter kaum große Feiergesellschaften annehmen wollen. "Ich würde mich auch nicht wohlfühlen mit vielen Menschen in einem Raum. Das Virus ist hundsgefährlich, viele nehmen es auf die leichte Schulter."

Ob die Heizpilze die Garantie dafür sind, dass alle Gastronomie den Corona-Winter überlebt, kann Michael Schwägerl nicht sagen. "Ich fürchte ein Gaststättensterben - aber man kann es nicht absehen. Wir haben festgestellt, dass die Sommermonate unterm Strich doch besser ausfielen als in der vergangenen Saison. Das lag aber auch daran, dass viele nicht ins Ausland gefahren sind oder andere Urlaub gerade in der Mainregion gemacht haben." Das sei ein warmer Regen gewesen. In Bad Kissingen hingegen habe die Saison sehr spät begonnen, "gerade die größeren Häuser haben Probleme". Kleineren Betrieben könnte der Heizpilz durchaus helfen: "Ein kleiner Biergarten kann die Plätzereduzierung im Inneren auffangen", sagt Schwägerl.

Eine einheitliche Regelung zu Heizpilzen gibt es nicht. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begrüßt die Unterstützung des Bundesumweltamtes für den vorübergehenden Einsatz von elektrischen Heizpilzen in der Gastronomie. Er hatte die Kommunen in Bayern gebeten, ein bestehendes Verbot in diesem Herbst und Winter auszusetzen. "Der Betrieb von Heizpilzen ermöglicht der Gastronomie in den kalten Monaten die Bewirtung von Gästen im Außenbereich", argumentierte Aiwanger. Dirk Messner, Präsident des Bundesumweltamts: "Wir müssen abwägen: Gehen wir in die Lokale und vergrößern das Risiko einer Ansteckung? Oder bleiben wir länger draußen, als wir das normalerweise könnten, und nehmen die elektrischen Heizstrahler?"

Wie halten es die Städte und Kommunen in der Region? Ist der Heizpilz erlaubt oder nicht?

Bad Bocklet: "Im Markt Bad Bocklet gibt es keine eigenen Regelungen für Heizpilze. Wir halten uns bei diesem Thema an die allgemeinen Gesetze." Thomas Beck (Geschäftsleiter)

Oerlenbach: Bürgermeister Nico Rogge sagt: "Wir haben noch keine Anfragen gehabt. Wir harren derzeit der Dinge." Entscheiden würden sie, wenn sie einen konkreten Fall vorliegen hätten. "Wir haben es auf jeden Fall auf dem Schirm und diskutieren darüber."

Nüdlingen: "In der Gemeinde Nüdlingen gibt es kein Verbot für den Betrieb von Heizpilzen. Wenn ein solches Verbot in der Gemeinde Nüdlingen bestehen würde, würde es, bezugnehmend auf Aiwangers Schreiben ,in diesem Jahr jedoch ausgesetzt werden", sagt Marco Nicolai vom Ordnungsamt.

Bad Kissingen: Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt: "Heizstrahler waren in der Stadt Bad Kissingen noch nie verboten. Die Geräte müssen zugelassen sein und natürlich muss jeder Gastronom eigenverantwortlich dafür sorgen, dass die Geräte ordnungsgemäß und mit dem richtigen Abstand aufgestellt werden."

Bad Brückenau: "Ein "Heizpilzverbot gibt es in Bad Brückenau nicht", teilt Michael Worschech, Leiter der Stadtverwaltung, mit. In der aktuellen Situation sei der Einsatz von Heizpilzen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch mit Blick auf das Infektionsrisiko äußerst sinnvoll. Besonders kleine Gasthäuser stöhnten unter den strengen Auflagen. Die Inhaberin des Rhönstübchens beispielsweise berichtet, dass sie nun auch im Wintergarten bewirtet. "Heizpilze bringen gar nichts bei uns in der Rhön", sagt Cornelia Schönstein-Hahn.

Münnerstadt: "In Münnerstadt gibt es kein Verbot von Heizpilzen", sagt Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Die Gastronomen können also Heizpilze aufstellen. Ebenso sieht es in der VG Maßbach aus. "Es ist sehr wichtig, dass man die Gaststätten unterstützt", meint Maßbachs Bürgermeister Matthias Klement dazu. Und wenn es die Möglichkeit der Heizpilze gebe, dann sollte sie auch genutzt werden.

Gastronomen brauchen für Außenbestuhlung eine entsprechende Genehmigung. Thomas Hack von der Stadt Bad Kissingen: "Diese werden in der Regel so lange genehmigt, wie beispielsweise von Gastronomen beantragt. Eine Ausnahme gilt für die Betriebe am Marktplatz." Hier erteilt die Stadt die Genehmigung bis Mitte November. Danach ist der Bereich für den Weihnachtsmarkt zu räumen. Ob das dieses Jahr auch so ist , dazu kann "die Stadt Bad Kissingen derzeit noch keine endgültige Aussage treffen, weil für die Veranstaltung Stadtmarketing Pro Bad Kissingen e.V. zuständig ist."

Hack: "Die Stadt Bad Kissingen hatte die Außenbestuhlung als wichtiges Thema für die örtliche Gastronomie in den Coronazeiten erkannt. Gastronomen dürfen, solange dies die öffentliche Sicherheit und Ordnung, bspw. Freihalten von Feuerwehrzufahrten, nicht beeinträchtigt, ihre Bestuhlung auseinanderziehen, über die genehmigten Bereiche hinaus. Hiermit sollten die Gastronomen die Sicherheitsabstände zur Einschränkung der Verbreitung des Coronavirus einfacher einhalten können."

Burkardroth: "Bei uns waren die Heizpilze noch kein Thema", sagt Gerhard Zeller, geschäftsleitender Beamte des Marktes Burkardroth. Er meint: "Uns als Kommune freut es, wenn die Gastronomie etwas aufholen kann und nicht wegstirbt." Die Gaststätten und Kneipen seien Teil der hiesigen Kultur.

Hammelburg: Auch im Raum Hammelburg sehen die Kommunen keinen Regelungsbedarf: "Die Stadt Hammelburg hat kein Verbot für Heizpilze erlassen", teilt die Verwaltung auf Anfrage mit. Auch in den Gemeinden Oberthulba und Wartmannsroth gibt es keine entsprechenden Regelungen.