Bad Kissingen — Bei der 32. Literarischen Kaffeestunde des Kreiskulturreferats konnte der Referent Hans Driesel, Werneck, trotz der Ferienzeit mit seinem Thema "Heinrich Böll" im Bad Kissinger Ratskeller den Saal füllen.
Nach Driesel droht Böll vergessen zu werden, obwohl er 1972 den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Böll wurde 1917 in Köln als Sohn eines Schreiners geboren, die Familie konnte leben, ohne wohlhabend zu sein.
Böll besuchte das Humanistische Gymnasium und machte 1937 Abitur.
1938 wurde er zum Reichsarbeitsdienst und 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Er war auf verschiedenen Kriegsschauplätzen in Europa. Im Krieg bat er seine Eltern mehrmals um Pervitin, einen "Muntermacher", das bei der Wehrmacht großzügig an die Soldaten verteilt wurde. Das Mittel wurde zur Dämpfung des Angstgefühls sowie zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit eingesetzt.
Böll soll von diesem Mittel und hohem Zigarettenkonsum auch nach dem Krieg nicht losgekommen sein.
Driesel stellte in den Mittelpunkt seines Vortrag mit vielen Zitaten den 1971 erschienenen Roman von Böll "Gruppenbild mit Dame", der zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur im nächsten Jahr führte. Hauptperson des umfangreichen Buches ist Leni, die Driesel als "reine Törin" bezeichnete.
1972 habe Böll, ohne alle Zusammenhänge zu wissen, sich positiv zur RAF geäußert, was vor allem in konservativen Kreisen einen Sturm der Entrüstung ausgelöst habe. Sogar in Kreisen der SPD, für die er kämpfte, gab es Kritik. Böll bereute später sein undurchdachtes Engagement. 1974 erschien sein zweites Hauptwerk, "Die verlorene Ehre der Katharina Blum".
Aus Kritik an der Kirche trat Böll 1974 aus der katholischen Kirche aus, obwohl er überzeugter Katholik blieb und weiter für kirchliche Ziele spendete. Bei seinem Tod 1985 erhielt er an seinem letzten Wohnort Bornheim-Merten trotz Austritt ein kirchliches Begräbnis. An der Trauerfeier nahm auch Bundespräsident Richard von Weizsäcker teil.