22,5 Kilometer lang ist die Grenze der Gemeinde Fuchsstadt. Rund 100 Bürgerinnen und Bürger machten sich jetzt daran, sie abzulaufen. "Wie wichtig die gegenseitige Anerkennung von Grenzen ist, wird uns derzeit täglich in den Nachrichten vor Augen geführt", sagte Bürgermeister René Gerner zur Einstimmung. Umso wichtiger sei der traditionelle Grezngang, den die Feldgeschworenen alle vier Jahre organisieren. Peter Hart, der als Kreisobmann den erkrankten Ortsobmann Josef Mützel vertrat, hatte Informationen zu den Grenzsteinen in der Tasche.

Die etwa 23 Kilometer lange Grenze schließt 1808 Hektar Gemeindefläche ein, ihr tiefster Punkt befindet sich mit 178 Metern in den Saaleauen, bis zum höchsten Punkt, dem "Totenkopf" müssen 197 Höhenmeter überwunden werden. Anhand einer Karte konnten die Wanderer die Wegstrecke mitverfolgen und die Flurnamen nachlesen.

Ein Grenzgang ist eine gesellige Angelegenheit. So lief man gemeinsam, unterhielt sich, lernte unterwegs Menschen und die Gegend kennen und schätzen. Immer wieder stießen Feldgeschworene aus den Nachbargemeinden dazu, die den Marsch ein Stück begleiteten. Am ein oder anderen Grenzstein wurden die "Neulinge", die das erste Mal mitliefen, gestaucht und so in den Traditionsbund eingeführt.

Den Teilnehmern sprangen Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren voraus. Sie durften ab und zu in ein Belohnungssäcklein greifen, wenn sie als Erste die folgende Station erreichten. Damit waren sie die Tempomacher der Truppe und sorgten dafür, dass am Schwarzholz pünktlich um 12.30 Uhr das Mittagessen serviert werden konnte.

Unterwegs gab es viel Interessantes zu entdecken. An der Fuschter Mühle zum Beispiel führte Hans Pfülb vor Augen, dass auch im Saaletal Grenzstreitigkeiten in früheren Zeiten die Beziehungen zwischen den Dörfern vergifteten. Andere Grenzsteine zeugen von der Verbundenheit dreier Gemeinden, was an der ansehnlichen Gestaltung der Grenzsteine zu erkennen ist, so zum Beispiel der dreieckige Grenzstein zwischen Pfaffenhausen, Hammelburg und Fuchsstadt, den Georg Stöth erneut herausgeputzt hat.

An der Grenze zum Lager Hammelburg berichtete René Gerner von Vorkommnissen im Zusammenhang mit Kriegen und militärischer Grenzsicherung in Krisenzeiten. Berühmte Kriegsgefangene wie der Sohn Josef Stalins machen das Lager Hammelburg weit über die Grenzen hinaus bekannt.

Besonders kurios ist die Geschichte vom Grenzstein zwischen Wülfershausen und Fuchsstadt, den, wie Peter Hart erzählte, ein bärenstarker Schmied aus Fuchsstadt beinahe zu weit getragen hätte. Doch das Schicksal hat anders entschieden, wofür die Wülfershäuser ihrem Gott einen sichtbaren Dank an einem Baum ganz in der Nähe hinterließen.

Um die 500 Grenzsteine und noch weit mehr Geschichten finden sich in Wald und Flur. Die Feldgeschworenen haben sie kartografiert. Einige liegen verborgen im Dickicht und sind kaum mehr zu finden oder mitten im Weg, sodass sie kaum auffallen.

Das Wissen um die Steine und ihre Geschichte ist ein Erbe, das seit rund 500 Jahren weitergegeben wird. Sieben Feldgeschworene gibt es in Fuchsstadt, die Zahl hängt davon ab, ob alle ihre Aufgaben noch wahrnehmen können. Für dieses Amt werden geeignete Männer (seit ca. 50 Jahren können es auch Frauen sein) bestimmt, die das Amt, wenn sie es annehmen, lebenslang ausüben werden und das "Siebenergeheimnis" bewahren müssen. In ihrer Amtszeit sammeln sie Wissen rund um Grenzen und Traditionen, das sie an ihre Nachfolger, aber auch innerhalb der Familie oder bei Grenzgängen weitergeben.

In diesem Zusammenhang gedachten die Fuchsstädter noch einmal dem im Jahre 2020 verstorbenen Feldgeschworenen Lothar Pfülb, der über 50 Jahre lang das Amt inne hatte und 29 Jahre lang Ortsobmann war.

Zum Ausklang der Veranstaltung nahmen die Teilnehmer die Einladung der Fuschter Musikanten zum Gartenfest am Festplatz an.