Rund 120 Zuhörer verfolgten seinen Vortrag in der Schulturnhalle. Teilweise war es mucksmäuschenstill, als Weiger weltweite Zusammenhänge zum Flächenverbrauch in Deutschland aufzeigte. Klar positionierte er sich gegen den die Stromtrasse SuedLink, sprach sich aber gleichzeitig für Windkraft in der Region aus. Auffallend: Unter den Zuhörern war kein Gemeindevertreter aus den Ortsteilen Elfershausen und Machtilshausen.

Ausdrücklich dankte Weiger allen Beteiligten für ihr Engagement gegen das Gewerbegebiet: "Immer mehr Menschen erkennen, dass es so nicht weiter geht". Weiger plädierte für einen Fokus auf die Innenentwicklung in den Gemeinden. Der Trend auf die grüne Wiese sei angesichts der sinkenden Bevölkerungszahl unangebracht, wenn Ortskerne lebendig bleiben sollen.

Jede Sekunde würden in Bayern zwei Quadratmeter Land überbaut. Dies sei die größte Sünde unserer Generation an den Kommenden. Weltweit hätten nur elf Prozent der Böden eine Qualität wie im Saaletal. Schon jetzt gebe es international Verteilungskämpfe. Hedgefonds seien in den Erwerb von Böden eingebunden. "Der Bürgermeisterwettbewerb darum, wer die größten Gewerbeflächen ausweist, muss aufhören".

Weiger plädierte für ein Ende des "Kommunalkanibalismus". Nachbargemeinden müssten an einem Strang ziehen, sagte er im Hinblick auf das Vorgehen im aktuellen Fall. Zudem müsse der Staat seine ordnende Hand einsetzen. Ohne einen Rahmen werde nur das verwirklicht, was dem Kapital dient. "Dann haben wir Chaos", sagte Weiger.

Ruhe um Gewerbeansiedlungen zieht in Langendorf nur kurzfristig ein, fürchtet Weiger. Diese These untermauerte er mit Zahlen. 80 Prozent der in Deutschland produzierten Güter würden in den vier größten Nordseehäfen verschifft. Die Rhönautobahn als eine tragende Nord-Süd-Verbindung werde auch künftig Investoren anlocken, ist sich Weiger sicher. Doch die Geldgeber hätten nur die kurzfristige Verzinsung im Blick und würden ihre Projekte auch rasch wieder fallen lassen. "Es muss Schluss sein mit dem Recht auf Grundverbrauch", sagte er.

Für nicht erwiesen sieht Weiger den Bedarf der Stromtrasse SuedLink, weil wichtige Berechnungen aus Gründen des Wettbewerbs geheim gehalten würden. Die Bedarfsberechnungen stammten aus dem Jahr 2010, als an der Küste noch Kohlekraftwerke gebaut werden sollten.

"Wir haben eine Zeitenwende", sagte Weiger. Der Umschwung zur dezentralen Energieerzeugung habe eine ungeahnte Eigendynamik gewonnen. Der Genossenschaftsgedanke erlebe eine Renaissance zu Lasten der Großkonzerne. "Das Leitungsbauermächtigungsgesetz muss kippen", so Weiger. Windräder seien ein notwendiges Übel. Unterfranken sei bayernweit Spitzenreiter und die Abriegelungspolitik der Staatsregierung müsse ein Ende finden.

In die folgende Aussprache brachte CSU-Gemeinderat Alfons Hausmann seinen Vorschlag ein, die Flächen für das vom Gemeinderat abgelehnte Gewerbegebiet doch zu kaufen, um die Hand auf künftigen Planungen zu haben. Ein Weg, der durchaus Sinn mache, bekannte Weiger. Bürgermeister Peter Hart regte mehr Flexibilität bei Naturschutz- Ausgleich für Bauprojekte an, etwa in Form von klimagerechtem Waldumbau. Hier sei einiges in Bewegung, pflichtete Weiger bei.

BN-Kreisvorsitzender Franz Zang warb für die Luftaufnahmen des Bund Naturschutz aus der Region. Sie unterstreichen die die Schutzwürdigkeit der Landschaft. Unbedingt auch gegen den Bau von Großflächen-Fotovoltaikanlagen, forderte Bürgermeister Armin Warmuth (Hammelburg). Mehr Potenzial liege in Dachflächenanlagen auf Industriehallen, ergänzte Weiger. Jedoch werde der Ausbau durch die bayerische Bürokratie gebremst. Sinnvoll wäre ein Dachflächenkataster.

Eine Wortmeldung gab es zu Gerüchten, Hammelburg plane eine Erweiterung des Gewerbegebietes Saaletal. Das sei aktuell nicht der Fall, antwortete Armin Warmuth. Falls irgendwann doch, werde man gutnachbarlich in der Allianz Fränkisches Saaletal darüber reden. So wolle man es künftig immer halten, sagte Warmuth darauf anspielend, dass das Langendorfer Gebiet in der Allianz nie abgestimmt worden war. dübi