Im neuen Jahr jährt sich ein besonderes Ereignis: 1951 sollte der Truppenübungsplatz Hammelburg auf eine Fläche von 153 Quadratkilometer ausgedehnt werden. Das hätte viele Landwirte ihre Existenz gekostet.

3000 Menschen demonstrierten

Die Reaktion nach Bekanntwerden der Pläne ließ nicht lange auf sich warten. Wenige Tage darauf kamen am 3. Juni in Gauaschach 3000 Menschen aus den Dörfern ringsherum zusammen, um ihren Missmut kund zu tun.

"Das soll unvergessen bleiben", findet Josef Schneider aus Greßthal. Der 51-Jährige sucht Zeitzeugen und Quellen zu den Wirren. Sie hielten die Region drei Monate lang in Atem. Zusammen mit Elmar Heil (Wülfershausen) und Dominik Zeissner (Schwemmelsbach) plant er eine Dokumentation und Veranstaltungen.

Korea-Krieg als Auslöser

Auslöser für den Landhunger des Militärs war der Korea-Krieg. Um ihre Truppen dafür zu trainieren, brauchte die US-Armee Flächen. Manches zu dem historischen Vorhaben hat Josef Schneider schon zusammengetragen. Demnach sondierte die Bonner Dienststelle Blank damals zunächst in fünf anderen Regionen. "Von Hammelburg war zunächst nie die Rede", weiß Schneider mit Blick auf seine Quellen.

Wohl auch, um keine Landwirte zu verunsichern, hielt sich der Freistaat mit Informationen zurück. Umso größer war die Empörung, als Ende Mai das wahre Ausmaß der Planungen für Unterfranken ans Licht kam.

Auf 17 Kilometer Länge und neun Kilometer Breite sollte der Platz ausgedehnt werden. Ganz entvölkert worden wären demnach Gauaschach, Neubessingen, Wasserlosen, Wülfershausen und Greßthal. Die Bewohner von Schneiders Heimatort Greßthal sollten wohl nach Nordrhein-Westfalen umgesiedelt werden. Aber der Zugriff auf landwirtschaftliche Flächen hätte auch noch gut 20 andere Ortschaften in Mitleidenschaft gezogen. Ihre Bauern sollten zwischen 40 und 90 Prozent ihrer Äcker abgeben.

Höhepunkt des Protestes gegen das Vorhaben war eine Kundgebung am 27. Juli mit Tausenden aufgebrachten Menschen auf dem Hammelburger Marktplatz. Noch um diese Zeit war in den Zeitungen zu lesen, dass sich die Pläne kaum aufhalten lassen werden. Kämpferisch für die Interessen der Landwirte zeigte sich Bundestagsabgeordnete Dr. Maria Probst (CSU).

Weitere Zeitzeugen gesucht

Im August gab es die überraschende Wende. Die Militärs gaben der dünner besiedelten Region um Hohenfels den Vorzug. Allerdings kamen Bonnland und Hundsfeld um die Absiedlung nicht herum.

Wie könnte man den damaligen Einsatz um die Heimat heute würdigen? Josef Schneider denkt an zwei Wandertage, an denen die Bevölkerung, die rund 63 Kilometer lange Außengrenze des Geländes ablaufen könnte. Landschaftlich reizvoll sei sie allemal. Auf die Bundeswehr ist er mit dem Vorschlag zugegangen, dass Soldaten die Strecke bei einem Leistungsmarsch an einem Tag bewältigen könnten. "Die waren nicht abgeneigt", erzählt er von seinem Vorstoß. Außerdem schwebt ihm eine Veranstaltung zum Widerstand 1951 in Wasserlosen vor.

Außerdem ist er mit seinem Team noch auf der Suche nach Zeitzeugen, zu denen er eine Rundfahrt mit Interviews plant. Diese Fahrt möchte er in einem Video festhalten. Um Kontakt zu weiteren Informanten zu bekommen, hat Schneider die Bürgermeister und die Kreisheimatforscher der betroffenen Ortschaften angeschrieben.

Mit dem Fahrrad zur Kundgebung

Die Motivation kommt nicht von ungefähr. "Das Thema ist noch präsent", weiß er nach seinen bisherigen Befragungen. Allerdings hätten ihm manche schon zu verstehen gegeben, dass er eigentlich 20 Jahre zu spät dran sei. Langsam werden die Zeitzeugen weniger.

Besonders beeindruckt hat Schneider ein Landwirt, der erzählte, dass er 1951 von Greßthal mit dem Fahrrad nach Gauaschach gefahren sei, um gegen den Ausverkauf der Heimat zu demonstrieren. Ähnlich machten sich trotz schwieriger Zeit wohl viele Landwirte auf den Weg.

Unterstützer willkommen

Das Erschwernis dieser Tage sind die Corona-Pandemie und ihre Beschränkungen. Die eine oder andere Recherche werde sich wohl auf telefonische Kontakte beschränken. Josef Schneider freut sich jedenfalls über alle, die mit ihm in Verbindung treten (Tel.: 0171/9375587, jupp.schneider@t-online.de), oder vielleicht sogar im Organisationsteam dabei sein wollen. WolfgangDünnebier