"Ziehen Sie mal die drei Schrauben nach" - "...hat man immer gehört, und jetzt stehe ich selber in der Verantwortung, das ist schon klasse". So beschreibt Erik Philipp das Gefühl, endlich seinen Gesellenbrief in den Händen zu halten. Dieser wurde ihm und weiteren 16 Auszubildenden der Ausbildungswerkstatt des Ausbildungszentrums Infanterie in Hammelburg kürzlich verliehen.

Lange hat er darauf hingearbeitet, und nun ist es endlich soweit. Der Tag der Freisprechung. Feierlich werden die Gesellen, die sich für eine vorzeitige Freisprechung nach drei Jahren qualifiziert haben, durch ihren Ausbildungsleiter Martin Stürmer von ihrem Ausbildungsvertrag entbunden und starten ins Berufsleben. Einer von Ihnen ist Erik Philipp, der in diesem Jahr den Bestpreis für seinen sehr guten Abschluss als Kfz-Mechatroniker erhielt.

Rundumbetreuung

"Es war eine wirkliche schöne Zeit, wahrscheinlich ist sie deshalb auch so schnell vorbeigegangen", sagt Erik über seine Ausbildung. Der 25-Jährige hatte sich vor drei Jahren in der Ausbildungswerkstatt auf dem Lagerberg beworben, nachdem ein Studium für ihn "nicht das Richtige" war. Bereits im ersten Lehrjahr richtig zur Sache. Neben dem Erlernen der handwerklichen Basics, wie zum Beispiel Werkzeugnutzung, wurden auch schon die ersten Motoren auseinandergebaut. "Bei uns heißt es nicht Kaffeekochen und Fegen, sondern wir dürfen gleich selber was tun, weil durch eine intensive Betreuung eben auch die Zeit dafür da ist", so Erik: "Die Meister und Ausbilder können sich komplett um uns kümmern".

Im zweiten Lehrjahr wird es dann schon spezifischer, frei nach dem Motto: "Was habe ich da eigentlich im ersten Jahr auseinandergebaut?" Neben den Funktionsweisen geht es um die elektronische Fehlersuche, ein beliebtes Thema für die Zwischenprüfungen am Ende des Jahres. "Ein bisschen Prüfungsstress ist ganz normal, aber durch die gute Vorbereitung ist man da schon deutlich entspannter", ergänzt Erik. Und der Erfolg gibt dem Ausbildungskonzept Recht. Alleine aus Eriks Jahrgang konnten 17 der insgesamt 32 Auszubildenden die Abschlussprüfung um ein halbes Jahr vorziehen. Auch die Abschlussnoten waren überdurchschnittlich gut.

Ein gutes Miteinander mit Blick über den Tellerrand

Neben der Ausbildung spielt auch das Zwischenmenschliche eine wichtige Rolle. Dieses wird gleich im ersten Jahr durch eine Kennenlernfahrt gefördert. "Man bekommt ein bisschen das Schulklassengefühl", erinnert sich Erik lachend: "Viele junge Menschen im gleichen Alter, keiner kennt sich, am Anfang alle etwas schüchtern und nach zwei Tagen sind schon die ersten Spitznamen etabliert." Zwei weitere Fahrten folgen, wobei auch die Chance besteht, Berufsmöglichkeiten in der Bundeswehr kennenzulernen, beispielsweise durch einen Besuch im Marinestützpunkt Kiel. Zusätzlich dazu absolvieren die Lehrlinge im dritten Lehrjahr ein Praktikum in der zivilen Wirtschaft sowie in der militärischen Instandsetzung. "Das ist gut, um auch mal den stressigen Alltag 'draußen' kennenzulernen und sich über die vielen Möglichkeiten nach der Ausbildung zu informieren", betont Erik.

Der 25-Jährige hat sich nach seiner Ausbildung wieder bei der Bundeswehr beworben, diesmal als technischer Beamter im mittleren Dienst. "Die Bewerbung läuft zwar noch, aber es sieht wohl ganz gut aus", sagt Erik grinsend und fügt hinzu: "Vor allem bin ich froh, bis zu meinem voraussichtlichen Einstellungstermin am 1.Oktober die Zeit hier im technischen Zug des Ausbildungszentrums Infanterie überbrücken zu können. Es wird sich auch nach der Ausbildung um einen gekümmert".

Größter Ausbilder der Region

Die Ausbildungswerkstatt Hammelburg ist mit rund 120 zivilen Lehrstellen einer der größten Ausbildungsbetriebe der Region. Für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker oder Industriemechaniker werden bis zum 30. September 2020 Bewerbungen für den Einstellungstermin September 2021 entgegengenommen. Weitere Informationen erteilt die Ausbildungswerkstatt unter Telefon 09732/9846 151 und per Mail an AusbZInfAusbWkst@bundeswehr.org. Lisa Petersen