Zu verdanken ist das der Arbeit von Naturschützern, Förstern und Behördenvertretern. Die trafen sich jetzt im Neuwirtshauser Forst. Eingeladen hatte der Forstbetrieb Hammelburg, um sein regionales Naturschutzkonzept vorzustellen. Welche Früchte die engagierte Arbeit im Wald trägt, wurde bereits während der Vorstellung der 30 Teilnehmer im Neuwirtshauser Forst deutlich: zwei Echsen kreuzten den Weg der Gruppe und auf dem Schuh von Bürgermeister Jürgen Karle landete ein Admiral, eine äußerst seltene Schmetterlingsart.
Der Vorstand der bayerischen Staatsforsten, Reinhardt Neft, machte eingangs deutlich: "Ziel des Naturschutzkonzepts ist es, Netzwerke zu schaffen." Man wolle alte Wälder schützen und Totholz anreichern, das auch Lebensholz genannt wird, weil es Lebensraum für seltene Arten bietet. Zudem gelte es die Artenvielfalt zu fördern, sei es durch Biotope oder zum Beispiel an warm-trockenen Standorten wie im Spessart auch durch das Wegnehmen von Bäumen.


Nachhaltige Arbeit

Die aktuelle Inventur zeige, dass in den Bayerischen Staatsforsten ein Viertel der Wälder älter sind als 100 Jahre. Das ist vor allem der nachhaltigen Arbeit von Förstern und Naturschützern zu verdanken. Die Zusammenarbeit hat hier in der Rhön schon immer gut funktioniert, weiß Ulf Zeidler zu berichten. Er war selbst Förster und 30 Jahre Vorsitzender des Bund Naturschutzes. Der Leiter des Hammelburger Forstbetriebs, Adolf Herr, stellte ihn mit den Worten vor: "Es gibt kaum jemanden, der den Neuwirtshauser Forst besser kennt als er."
An vier Stationen im Wald machten Herr und sein Stellvertreter Gunter Hahner den Teilnehmern deutlich wie das Naturschutzkonzept vor Ort umgesetzt wird. Zusammen mit dem Leiter des Biosphärenreservats Rhön, Michael Geier, zeigte Herr zunächst Flächen in der 460 Hektar großen Kernzone im Biosphärenreservat, die unter Prozessschutz stehen, "das heißt, dass dort kein Mensch mehr eingreift", so Neft.


Seltene Arten

Dazu gehört auch ein Feuchtbiotop, das vor acht Jahren mit sogenannten BGL-Mitteln (Besondere Gemeinwohlleistungen) im Revier Schönderling angelegt wurde. Deren Revierleiter Arnulf Schöberl erläuterte die Vorgehensweise. Er erinnerte sich auch an den ersten Tümpel, den er 1981 angelegt hatte. "Damals mit einem Bagger, der auf einen Bundeswehr-Unimog aufbockt war; der Teich war drei mal drei Meter groß." Das Geld habe er meist bei Ulf Zeidler beim Bund Naturschutz erbetteln müssen, der dafür Spender suchte.
Dank BGL-Zuschüssen ist das heute nicht mehr nötig. 380 000 Euro wurde insgesamt für Feuchtbiotope ausgegeben. Dafür galt Schöberls Dank auch Sandro Kirchner, der ebenfalls teilnahm, denn ohne den Freistaat wäre "so viel nicht möglich". Die Feuchtbiotope sind auch Futterteiche für Schwarzstörche und einer der Förster konnte berichten: Seit vielen Jahren haben erstmals wieder Schwarzstörche Nachwuchs ausgebrütet.


Viele seltene Libellen

Zum Thema Raritäten konnte Torsten Ruf noch eins drauflegen: er hat ein Naturschutzbüro in Lohr und wurde mit der Libellenbeobachtung beauftragt. Beim Monitoring über zehn Gewässer im Forst Aura hat er 28 Libellenarten entdeckt (deutschlandweit gibt es 80), darunter auch die große Moosjungfer, die streng geschützt und vom Aussterben bedroht ist. Doris Hupfer von der Unteren Naturschutzbehörde wünschte sich ein solches Monitoring auch im Landkreis Bad Kissingen.
Dass Wildkatze und Luchs in der Rhön zurück sind, ist bereits nachgewiesen. Und auch für Fledermäuse, seltene Vögel, Käfer, Amphibien und Reptilien wird Lebensraum geschaffen.


Verzicht auf Brennholz

Um die Artenvielfalt weiter zu fördern, verzichten die Bayerischen Staatsforsten in einigen Bereichen auf Brennholz-Aufarbeitung trotz des Drucks von außen, um durchschnittlich knapp 20 Kubikmeter Totholz pro Hektar zu produzieren. "Die Leute denken, der Wald sei nicht aufgeräumt, aber im Totholz steckt viel mehr Leben als im lebenden Baum", macht Betriebsleiter Herr mit dem Verweis auf Xylobionten-Arten deutlich. Im Totholz steigt die Vielfalt bei Pilzen und Insekten relativ schnell. "Hier bedarf es noch einiger Aufklärung in der Bevölkerung", meinte Hahner.
Er nutzte mit Heck die Gelegenheit, dem Vorwurf die Staatsforsten würden den Wald nur Ausbeuten mit Fakten zuleibe zu rücken. Anhand eines Säulendiagramms machte Hahner bei der Besichtigung eines Biotopbaumes deutlich, dass der Vorrat von dicken Eichen und Buchen in den letzten zehn Jahren um 26 Prozent zugenommen hat. Eichen ab 60 Zentimeter Durchmesser gebe es sogar 56 Prozent mehr. Ihr Chef Reinhardt Neft machte jedoch auch deutlich, dass natürlich der Schwerpunkt der Wald sei, den "wir pflegen und bewirtschaften".
Ulf Zeidler freute sich nach dem Rundgang, der in einem Klasse 1-Wald (Buchen über 180 Jahre alt) im Neuwirtshauser Forst endete: "Ich habe die Entwicklung miterlebt. Forstleute und Bund Naturschutz haben viel gemeinsam gemacht. Jetzt stehen Mittel zur Verfügung." Der klassische Naturschutz sei in der Rhön in guten Händen. Hier sei bereits ein tolles Netzwerk von Leuten vorhanden und das Ergebnis: "Hier hat sich in den letzten 40 Jahren viel zum Positiven verändert."


Info zum Forstbetrieb Hammelburg:

Lage Die Gesamtfläche beträgt 16 000 Hektar (ha). Davon sind 60 Prozent im "Buntsandsteinspessart" und etwa 40 Prozent in der "Vorrhön". Das Sinntal bildet die naturräumliche Grenze zwischen Spessart und Vorrhön.

Vorkommen Der Forstbetrieb ist laubholzgeprägt (rund 63 Prozent), dabei bildet Buche mit knapp 40 Prozent die Leitbaumart. Der Anteil der Eiche liegt bei knapp 20 Prozent. Davon sind viele über 120 Jahre alt. Die weitere Aufteilung: Fichte 17%, Kiefer 9%, Europäische Lärche 8% und Douglasie 2%.